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Erfahrungsbericht

Amputation eines Hinterbeinchens bei einem Meerschweinchen

Yukis Geschichte geht weiter: Ich entdeckte beim TÜV eine Umfangsvermehrung im Bereich zwischen Hinterbein und Zitze. Mein erster Gedanke: Gesäugetumor. Beim Tierarzt auf dem Untersuchungstisch offenbarte sich ein ganz anderes Problem. Als sie wie ein Frosch mit gespreizten Hinterbeinen dalag, konnte man eine deutliche Schwellung des linken Oberschenkels erkennen. Eine Entzündung? Ein Bruch? Da sie kaum anders lief war ich ziemlich irritiert. Die Stelle wurde punktiert. Ein paar Tage später kam das Ergebnis: ein bösartiger Tumor im Muskel. Ein Röntgenbild zeigte dass ganze Ausmaß. Der Muskel des Oberschenkels war komplett mit dem Tumor durchwachsen, eine Teiloperation wäre sinnlos gewesen.

Röntgenbild Meerschweinchen

Die Tierärztin und ich waren einer Meinung, der Tumor musste innerhalb von rund 6 Wochen auf diese Größe gewachsen sein, in wenigen Wochen würde mein Schwein nicht mehr Laufen, Sitzen und vermutlich auch nicht mehr richtig Urinieren oder Kötteln können. Im Grunde hieß es Abwarten und sie dann rechtzeitig erlösen. Ich fragte nach einer möglichen Amputation. Die Tierärztin meinte man könne es versuchen, zu verlieren hätten wir nichts. Einige Tage wühlte ich mich durch dass Netz um nach glücklichen Schweinen mit drei Beinen zu suchen, nach Erfahrungsberichten oder im Zweifelsfall auch nach dem Hinweis, das die OP unzumutbar ist. Auf Youtube fand ich ein Video eines herumflitzenden Dreibeins. Endlich hatte ich den Mut die OP machen zu lassen, nicht zuletzt, weil ich ja wusste ich habe ein Kämpferschwein. Nach der OP war ich hin und hergerissen zwischen dem schlechten Gewissen, was ich meinem Schwein alles zumute und der Erleichterung, das sie alles gut überstanden hat.

Röntgenbild Meerschweinchen

Die ersten Tage waren schwer. Yuki kam kaum vorwärts, mochte sich auch nicht bewegen. Es hat keine Woche gedauert, da hoppelte sie wacklig durch die Gegend. Die OP ist nun rund 5 Monate her. Ihre Muskulatur hat sich stark verändert, sie ist deutlich bulliger an den Schultern geworden. Das rechte Hinterbein balanciert den Körper komplett aus. Beim normalen Gehen hoppelt sie, wenn sie rennt, ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen, das ein Bein fehlt. Sie rennt viel durch die Gegend, nutzt komplett den Auslauf und fühlt sich sichtlich wohl.

Das einzige echte Handicap ist, dass sie sich nicht mehr am linken Ohr kratzen kann. Regelmäßige Kontrolle und Ohrreinigung sind Pflicht. Ab und an kommt sie zu mir und lässt sich am Ohr kratzen. Der Einstieg in den EB wurde ausgeschnitten und mit einer Rampe verbunden, ansonsten ist alles beim Alten geblieben.

Ich schreibe diesen Text um anderen Haltern Mut zu machen. Die Amputation eines Hinterbeines bedeutet nicht dass Ende eines zufriedenen Schweinelebens. Es ist unglaublich was unsere Fellmurmeln alles mitmachen und wie sie sich nicht unterkriegen lassen. Heute bin ich froh und weiß dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe.

Dieser Erfahrungsbericht wurde uns freundlicherweise von Anne zur Verfügung gestellt. Sie ist im hier unter dem Nicknamen Pardona zu erreichen: Meerschweinchen Ratgeber Forum. Der Text und das Bild steht unter ihrem Urheberrecht, sie dürfen nicht ohne ihr Einverständnis kopiert werden.