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Tiergerechte Chinchillabehausung

Chinchillas sind sehr bewegungsfreudige Tiere. Sie klettern, springen und laufen gern und viel. Handelsübliche Chinchillakäfige bieten den Tieren keinerlei Abwechslung oder gar die Möglichkeit, zu laufen. Auch viele Eigenbauten bieten den Tieren gerade mal genug Platz, dass sie von einer Etage zur nächsten hüpfen können und richtig laufen können die Tiere dann nur beim täglichen Auslauf. Eigentlich kann das kaum tiergerecht genannt werden, denn die Tiere können darin kaum alle ihre üblichen Verhaltensmuster ausleben. Realistisch betrachtet müssten jedem Chinchillapaar ein Gehege mit 5 m² Bodenfläche und einer Höhe von mindestens 1,5 m zur Verfügung stehen. Im Folgenden geben wir trotzdem die leider noch immer gängigen Mindestmaße für Chinchillabehausungen an - aber offen gestanden: eine optimale Haltung ist das nicht und jeder Halter sollte dringend darüber nachdenken, ob er seinen Tieren wirklich ein Leben in einem kleinen Käfig zumuten will.

Größe

Im 2014 erschienene "Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren" vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft heißt es: "Eigentliche Chinchillas 1 m² für ein Paar, für jedes weitere Tier 0,5² zusätzlich, Höhe 1,50 m." (Seite 149, Abs. 15.10.1 Gehegeanforderungen für Chinchillas). Also sollten jedem Chinchilla 0,5 m² Bodenfläche bei einer Höhe von 1,50 cm zur Verfügung stehen, 0,75 m³ pro Tier!

Generell gilt aber, je größer, desto besser!

Gehege mit einer Bodenfläche ab 2 m² können besser eingerichtet werden und bieten den Tieren mehr Platz zum Laufen. Zu beachten ist, da die Chinkäfige immer höher als 1,5 m sein sollten (die Tiere halten sich gern auf höheren Etagen auf), muss eine Zwischenetage eingebaut werden, um gefährliche Abstürze zu verhindern. Auf den richtigen Gitterabstand ist zu achten, ein Gitterabstand von ca. 1 - 1,5 cm ist richtig. Es gibt im Handel keine Kaufkäfige, die groß genug für Chinchillas wären. Daher muss ein Chinchillahalter in der Lage sein, sein Gehege selber zu bauen. So schwer ist das nicht: man kann z. B. die Rück- und Seitenwände aus beschichteten Spanplatten bauen und an den Vorderseiten Gittertüren anbringen. Welche Materialien geeignet sind und was noch zu beachten ist, können Sie hier nachlesen: Kleine Materialkunde. Volieren bekommen Sie beispielsweise hier: Zooplus.

Ideal wäre es allerdings, wenn die Chinchillas eigene, kleine Zimmer hätten. Beispiele für solche Chinchillazimmer finden Sie hier:
Chinchillazimmer
Zimmer Rune und Janne
Zimmer Ole und Feivel
Einrichtung und Baubeschreibung
Grundsätzliche Überlegungen zur Chinchillahaltung

Einrichtungsideen für das Chinchillagehege (Etagen, Häuser, Spielzeug) sind hier zu finden:

Tiergerechte Einrichtungsideen für Chinchillagehege

Standort

Die ideale Raumtemperatur für Chinchillas liegt bei ca. 18 - 21 °C, die Luftfeuchtigkeit sollte dauerhaft nicht über 50 % liegen, 20 - 40 % wären ideal. Tagsüber sollte das Gehege in einer ruhigen und nicht zu hellen Ecke des Raumes stehen. Morgen- oder Abendsonne wären gut, eine dauerhafte Sonneneinstrahlung tagsüber sollte vermieden werden. Ein eigener Raum nur für die Chinchillas wäre natürlich ideal, damit die Tiere selbst wählen, wo sie sich aufhalten. Mindestens eine Seite des Käfigs sollte geschlossen sein oder an der Wand stehen. Chinchillas sind besonders schreckhaft, weshalb Sie unbedingt darauf achten sollten, dass es keine lauten, plötzlichen Geräusche in ihrer Umgebung gibt (Tür knallen, Geschrei, laute Musik, laute Filme im Fernsehen etc.). Das in dem Raum, in dem Chinchillas leben, nicht geraucht werden soll, versteht sich von selbst, auch Raumdüfte und Ähnliches sind tabu.

Die richtige Einstreu

Im Fachhandel werden viele Einstreuarten angeboten, die für Chinchillas geeignet sind, z. B. Hanfsteu, Leineinsteu (aus Flachs/Euro Lin), Maisstreu oder auch die normale Holzeinstreu (die allerdings sehr stark staubt). Mindestens einmal pro Woche muss das Gehege gründlich gereinigt werden. Die Pinkelecken öfter.

Verwenden Sie kein Katzenstreu. Das Klumpstreu wird evtl. gefressen und kann im Magen der Tiere verklumpen und zum Tode führen. Der Staub von Klumpsteu kann eingeatmet werden und verklumpt mit der Lungenflüssigkeit, was zu Lungenproblemen führen kann. Das normale Katzenstreu kann bei Verzehr giftig sein, weil auch die Ökostreusorten chemisch behandelt sind. Außerdem ist Katzenstreu unnötig, da es bei einem regelmäßig gereinigten Käfig zu keiner Geruchsbelästigung kommt.

Verwenden Sie auch keine Pelleteinstreu! Sie ist zu hart um darauf zu laufen. Von der harten und groben Pelleteinstreu können die Tiere Schmerzen bekommen. Die Einstreu wird unter Umständen auch gefressen, und kann dann im Magen aufquellen und zur tödlichen Verstopfung führen.

Sandbad

Unentbehrlich für die Fellpflege und zum Wohlfühlen ist für Chinchillas das Sandbaden. Verwenden Sie ausschließlich speziellen Chinchillabadesand. Vogelsand ist zu grobkörnig und schädigt das empfindliche Fell, im Vogelsand sind ausserdem oft für Chinchillas schädliche Zusätze (wie z. B. Aniskörner) enthalten.

Speziell abgerundeter Quarzsand eignet sich ebenso, wie verschiedene Bimsstein- ,Ton- oder Terrariensande. Attapulgus- oder auch Sepiolith-Sand können durch spitze Spliter zu Lungenproblemen/Lungenkrebs führen. Hier finden Sie mehr Informationen dazu: Badesand für Hamster. Guter Sand nimmt Feuchtigkeit auf und dient so ebenfalls der Fellpflege.

Weniger gut geeignet sind: grober Bausand, Sandkastensand, grober Quarzsand oder auch Vogelsand, diese Sandarten reinigen das Fell zwar auch, sorgen aber durch die rauen Kanten, welche man unter dem Mikroskop gut erkennen kann bei ständiger Verwendung evtl. für Spliss. Vogelsand enhält außerdem oft Anis, welches die Tiere nicht gern riechen und scharfkantigen Muschelgrit, der zu Verletzungen führen kann. Quarzsand nimmt keine Feuchtigkeit auf.

Feiner Vogelsand kann verwendet werden, wenn er kein Anis enthält und kein Muschelgrit (dieser kann allerdings ausgesiebt werden). Feiner Terrariensand ist ebenfalls für die Fellpflege geeignet.

Der Sand sollte in einer großzügigen Sandbadewanne angeboten werden. Diese kann aus Keramik oder auch Metall und mindestens 20 x 20 cm groß sein. Spezielle Sandbadehäuser ab einer Größe von 20 x 30 x 20 cm sind ebenfalls geeignet, aus ihnen fällt der Sand nicht heraus und muss seltener erneuert werden. Wenn Sie die Sandbadewanne den ganzen Tag im Käfig stehen haben, sollten Sie den Sand jeden Tag aussieben. Hierbei bleiben dann auch die Urinklumpen und der Kot, sowie Heu und Einstreu im Sieb zurück. Gut geeignet sind Küchensiebe aus Aluminium. Aquarienkescher sind nur bedingt geeignet, die Maschen vergrößern sich hier schnell und der Dreck fällt mit zurück ins Sandbad .

Zubehör

Unentbehrlich ist ein Platz für das tägliche Heu. Für Gitterkäfige gibt es Heuraufen, die außen am Käfig angebracht werden, bei großem Gitterabstand eine sinnvolle Alternative, die den Chinchillas keinen Platz im Käfig wegnimmt und das Heu sauber hält. Normale Holzraufen eigenen sich aber auch, wenn diese mit einem Deckel abgedeckt sind, damit die Chinchilla nicht hineinspringen.

Wasserschalen dürfen nicht fehlen. Das Trinken aus einer Schale ist für Chinchillas wesentlich natürlicher, als das Trinken aus einer Flasche. Nur beim trinken aus der Schale können sie ohne Anstrengung leicht Wasser aufnehmen. Wasserschalen sind sogar mit grobem Schmutz darin sauberer als Wasserflaschen. Ein Napf verschmutzt zwar mit groben Schmutzteilen, dafür ist er sehr leicht zu reinigen und wenn er täglich unter fließendem Wasser ausgespült wird, kommt es nicht zu einer Verschmutzung mit Bakterien und Algen. Wenn Sie kein Streu auf den Etagen haben, können Sie dort eine Wasserschale anbieten (diese wird vor dem Herunterstoßen rundherum mit Holzklötzchen auf der Etage gesichert). Im Auslauf können die Wasserschale erhöht auf einem Stein angeboten werden, so bleibt auch dort das Wasser sauber. Eine saubere Trinkflasche kann im Gehege zusätzlich angeboten werden. Die Wasseraufnahme aus einer Tränke ist für die Tiere unnatürlich, Tränken geben das Wasser nur tropfenweise ab und so ist es für das Tier schwer, seinen Durst zu stillen, außerdem ist die Körperhaltung mit dem nach oben gestrecktem Kopf unnatürlich. Auch wenn uns das Wasser in Nippeltränken sauber erscheint, gerade hier sammeln sich Bakterien und Algen in den Röhrchen und Nippeln und meist auch an den Tränkenrändern. Die Trinkflasche muss fest am Käfig befestigt sein, trotzdem muss sie natürlich täglich leicht zum Auswechseln des Wassers herrausgenommen werden können. Die Chinchilla sollten in einer möglichst geraden Haltung aus der Tränke Wasser bekommen. Empfehlenswert sind Tränken mit einem Stempel, der von den Tieren hochgedrückt wird und dann läuft das Wasser heraus, Tränken mit Kugelventil geben nicht genug Wasser ab.

Feste, schwere Futternäpfe aus Keramik, die nicht umgestürzt oder heruntergeworfen werden können sind unentbehrlich. Werden diese auf Etagen aufgestellt, sollten sie durch zusätzliche Leisten auf den Etagen gesichert werden.

Außenhaltung?

Chinchillas sollten in unseren Breitengraden nicht im Freien gehalten werden, es ist bei uns zu feucht und kalt. Feuchtigkeit ist tödlich für Chinchillas. Das Fell der Tiere ist nicht wasserabweisend, es saugt sich mit Feuchtigkeit voll, die Tiere kühlen dadurch stark aus und erkälten sich. Chinchillas dürfen deshalb auch niemals gebadet werden.