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Aufgasungen/Blähungen beim Chinchilla

Was löst Blähungen aus?

Meist entstehten Aufgasungen, wenn ungewohntes Futter in solchen Mengen gegeben wird, dass der Darm überfordert ist. Falsche Pellets, Mischfutter, ungewohne Grünfuttergaben können Aufgasungen auslösen.

Ebenso kann es auch bei vorhandenen anderen Krankheiten wie Zahnfehlstellungen etc. zu Blähungen kommen, da dann eine Nahrungsumstellung durch die eingeschränkte Fähigkeit, das angebotene Futter aufzunehmen, stattfindet.

Mitunter kommt es zu einem massivem Hefepilzbefall im Darm, auch dieser kann Aufgasungen im Darm auslösen.

Seltener ist eine bakterielle Infektion der Grund für Blähungen.

Meist ist eine grundsätzlich falsche Fütterung mit falschem Trockenfutter, zu wenig oder falschem Heu oder anderweitig einseitige Fütterung der Grund für wiederkehrende Aufgasungen.

Anzeichen von Blähungen?

Chinchilla zeigen eine Blähungen sehr deutlich an. Gut zu ertasten und oft auch zu sehen ist eine Aufblähung des Bauches, die Bauchdecke ist stark gespannt, es klingt ein wenig hohl, wenn man dagegen klopft. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es zu einer massiven Umfangsvermehrung im Bauchbereich. Das Chinchilla verweigert bei akuter Aufgasung die Nahrungsaufnahme. Es sitzt im Anfangsstadium rund in der Hocke, meist mit leicht gesträubtem Fell und atmen stärker (massive Flankenatmung). Bei fortschreitenden oder sehr starken Aufgasungen bekommen die Tiere nicht selten auch Atemnot oder auch eine Kreislaufschwäche, sie liegen / sitzen dann mit starker Flankenatmung, oft mit panisch aufgerissenen Augen oder schon teilnahmslos im Gehege. Mitunter knirschen sie bei starken Kolikschmerzen auch mit den Zähnen.

Hinweis: Krämpfe können auch durch massiven Stress ausgelöst werden, die Tiere benötigen dann unbedingt Ruhe. Auch ein Mangel an Vitamin B, Kalk oder eine Überhitzung löst Krämpfe aus, die den Krämpfen bei Aufgasungen ähneln.

Wichtig:

Stellen Sie massive Aufgasungen bei Ihren Chinchilla fest, müssen Sie unverzüglich einen Tierarzt aufsuchen.
Starke Blähungen können innerhalb weniger Stunden zum Tode des Tieres führen! Der Tierarzt wird etwas entkrampfendes Spritzen und ggf. ein Cortison verabreichen. Häufig wird zur Behandlung ein Spasmolytikum (z.B. Buscopan) angewandt. Dieses Mittel lähmt den Darm der Chinchilla zu stark und führt in vielen Fällen dazu, dass die Darmtätigkeit völlig zum Erliegen kommt. Es sollte also nicht eingesetzt werden! Als Alternative eignet sich zum Entkrampfen ein Schmerzmittel mit Metamizol also beispielsweise Novalgin (Dosierung: 50 mg Metamizol = ~0,1 ml Tropfen) oral, alle 4 - 6 Stunden). Ist das nicht zur Hand, sollte auf jeden Fall ein anderes Schmerzmittel, beispielsweise Metacam (0,2 mg tägl) verabreicht werden. Zur Unterstützung des Kreislaufes wird eine Infusion gespritzt. Außerdem wird grundsätzlich ein Medikament mit dem Wirkstoff Simeticon oral eingegeben (s. U.) um die Gasbläschen im Darm aufzulösen. Colosan kann sich positiv auf den Darm auswirken.

Bei Blähungen sollten ohne genaue Ursachenkenntniss keine Antibiotika angewenden werden. Antibiotika greifen auch die gesunden Bakterien im Darm an und sind meist ohnehin nutzlos bei einer Aufgasung.

Bei extremen Fällen von Aufgasung wird mitunter versucht, den Darm oder Magen zu entgasen. Zur Darmentgasung wird eine Kanüle in den entsprechenden Bereich eingeführt und das Gas wird so langsam zum Entweichen gebracht. Der Magen wird über eine Magensonde entgast. Diese Methoden sind umstritten, denn sie stresst das Tier, ist Schmerzhaft und kann, wenn der Tierarzt nicht sehr geübt darin ist, zu massiven inneren Verletzungen führen.

Sofortmaßnahmen bei Blähungen (bis zum Tierarztbesuch und als weiterführende Therapie):

Bis die massive Aufgasung abgeklungen ist, darf das Chinchilla vorwiegend Wasser/Tee und Heu sowie getrocknete Kräuter zu sich nehmen! Getrocknete Kräuter wie Pfefferminze, Dill, Kamille, Melisse und Schafgabe wirken lindernd und können gern angeboten werden. Pellets werden nur in geringen Mengen angeboten. Ist das Chinchilla an Frischfutter gewöhnt, muss es trotzdem weg gelassen werden.

Sab Simplex® Tropfen, Lefax oder ein anderes Medikament mit dem Wirkstoff Simeticon oder Dimeticon ist einzugeben. Mehrmals täglich (in heftigen Fällen alle 2 Stunden) Anfangs einmal 1 - 2 ml, dann etwa 0,3 ml vermischt mit der gleichen Menge Wasser. Anschließend kann der Bauch vorsichtig mit kreisenden Bewegungen massiert werden (eher streicheln, nicht drücken!). Bei starker Aufgasung kann auch wesentlich mehr von dem Mittel eingegeben werden.

Sollten diese Medikamente nicht zur Verfügung stehen, dann geben Sie Fencheltee, Kümmeltee (Kümmel heiß überbrühen und 15 Min. stehen lassen) oder Pfefferminze.

Mitunter wird zu einer Wärmflasche geraten, wir raten aber eher von zusätzlicher Wärme ab. Zwar entspannt Wärme, aber ebenso bringt die zusätzliche Wärme den Darminhalt stärker zum gären, so dass die Blähungen stärker werden.

Sollte das Tier eine Nahrungsaufnahme verweigern, müssen Sie es päppeln, Anweisungen dafür finden Sie hier: Päppeln. In so einem Fall ist allerdings fast alles erlaubt, bieten Sie dem Tier das gesamte Spektrum an Lieblingsfutter an.

Darmflora:

Die beschädigte Darmflora des Chinchillas muss wieder aufgebaut werden. Dazu wird vom Tierarzt meist Bird Bene Bac verabreicht, dieses Gel besteht aus gefriergetrockneten Bakterien, welche der Darmflora helfen soll, sich wieder zur regulieren.

Alternativ kann Pro Pre Bac gegeben werden.

Mitunter wird behauptet, Joghurt würde sich positiv auf die Darmflora von Chinchilla auswirken - das stimmt nicht. Zwar stimmt es, dass im Joghurt die entsprechenden Bakterienkulturen lebend vorhanden sind und in Präparaten wie Omniflora oder Bird Bene Bac nur gefriergetrocknete Kulturen, die ebenfalls aus Milchprodukten gewonnen wurden, vorhanden sind. Aber: Chinchilla vertragen Milchprodukte wegen des hohen Anzeils an Milchzucker (Lacotose) nur sehr schlecht. Chinchilla haben eine Lactoseintolleranz (sie stellen nur bis zum Abstillen Laktase her, welche die Lactose aufspaltet). Lactose wird von Chinchilla im Dünndarm nicht ausreichend in Galactose und Glucose aufgespalten und gelangt unverdaut in den Dickdarm, dort wird sie dann von den Darmbakterien vergoren, was zu Blähungen und Durchfall führt. Auch geringe Mengen Joghurt können diesen Effekt beim Chinchilla haben und sind deshalb bei Darmerkrankungen eher kontraproduktiv. Wird ein Joghurt mit vielen Milchsäure-Bakterien angeboten, gelangen diese zu einem großen Teil mit in den Dickdarm und spalten dort weiter Lactose auf - die Gefahr von Blähungen und Durchfall sinkt, deshalb bekommen viele Chinchilla zwar von neuartigen Joghurtsorten keinen Durchfall und keine Blähungen mehr, aber der therapeutische Nutzen ist nicht gegeben, da nur ein geringer Anteil Bakterien überhaupt im Dickdarm ankommen und durch die Lactose der Darm zusätzlich belastet wird.