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Vergesellschaftung fremder Chinchillas miteinander

Vorab

Es ist nicht ganz leicht, Chinchillas miteinander zu vergesellschaften. Die Tiere haben innerhalb ihrer Gruppe klare Rangordnungen und fremde Tiere werden nicht einfach so ohne Weiteres als Partner akzeptiert. Die Gruppenmitglieder müssen die Möglichkeit haben, sich langsam und in Ruhe kennen zu lernen. Gruppen zusammen zu führen oder ein Tier in eine bestehende Gruppe zu integrieren ist meist etwas aufwendiger, als nur zwei Tiere zusammen zu setzen. Grundsätzlich kann einige Tage oder sogar Wochen dauern, bis alle Chinchillas sich gut vertragen und die Ränge innerhalb der Gruppe geklärt sind. Einige Tiere mögen sich allerdings einfach nicht und werden sich dann auch nie vertragen. Andere sind vielleicht schon so lange alleine, dass sie gar scheinbar keinen Partner mehr akzeptieren wollen. Geben Sie bitte nicht nach dem ersten gescheiterten Vergesellschaftungsversuch auf, Sie mögen sicher auch nicht jeden anderen Menschen. Geben Sie dem Tier immer eine zweite Chance mit einem neuen Partner!

Die Haltung von einem gegengeschlechtlichen Paar hat sich auch bei Chinchillas bewährt, wobei der Bock selbstverständlich kastriert werden sollte, sonst käme es dauerhaft zu Nachwuchs und dieser müsste regelmäßig in gute Hände abgegeben werden, was nicht ganz leicht ist. Chinchillas können allerdings ebenfalls in gleichgeschlechtlichen Gruppen gehalten werden.

Wählen Sie möglichst zwei gleichaltrige Tiere zur Vergesellschaftung aus. Ältere Weibchen haben ein enormes Dominanzverhalten und unterdrücken jüngere Tiere mitunter. Wenn Sie ein jüngeres Tier wählen, ist der Rang im Gehege von Vornherein geklärt und die Tiere akzeptieren sich eher. Allerdings ändern sich die Schlaf- und Spielgewohnheiten mit dem Alter und das würde sowohl für das jüngere als auch für das ältere Tier erheblichen Stress bedeuten. Gleichalte Tiere haben sich auf alle Fälle mehr zu "sagen". Eine Vergesellschaftung von Jungtier mit einem Alttier sollte es nur versucht werden, wenn die Vergesellschaftung mit einem gleich alten Tier fehl geschlagen ist. Bei größeren Gruppen sollte auch immer darauf geachtet werden, dass mehrere Tiere eines Alters in der Gruppe vorhanden sind. Hier sind auch Kombinationen aus mehreren Jungtieren, mit mehreren Alttieren möglich.

Bringen Sie die Tiere so jung wie möglich zusammen, eine spätere Vergesellschaftung ist sehr problematisch und sollte am besten von erfahrenen Chinchillahaltern übernommen werden. Fragen Sie in der Notaufnahme, beim Züchter oder im Tierheim, ob Sie dort Hilfe bei der Vergesellschaftung bekommen. Achten Sie darauf, dass Sie den Chinchilla zurück bringen können, falls eine Vergesellschaftung nicht klappt.

Neue Chinchilla gehören auf alle Fälle, so schwer es auch fällt, für mindestens zwei Wochen in Quarantäne, denn auch wenn Ihr Tier aus einem gutem Stall kommt, kann es Krankheitskeime in sich tragen, die in Ihrem Stall nicht vorkommen. Stellen Sie das Tier Ihrem Tierarzt vor und lassen Sie es gründlich untersuchen. Nur ganz gesunde Tiere sollten vergesellschaftet werden. Ist ein Tier erkrankt, muss der Tierarzt die Vergesellschaftung erlauben.

Vergesellschaftungsmethoden

Es gibt mehrere Möglichkeiten, Chinchillas zu vergesellschaften. Obwohl die langsame Gewöhnung länger dauert, ist sie allen anderen Methoden vorzuziehen. Die schnelle Methode Kleinraum eignet sich für sehr junge Tiere, ältere Tiere sind damit häufig überfordert.

Die langsame Gewöhnung

Der neue Chinchilla bekommt erst einmal sein eigenes Gehege (die Mindestmaße für Chinchillagehege sollten möglichst bei dem eingehalten werden. Das absolute Mindestmaß für einen Vergesellschaftungskäfig für den Neuankömmling ist L 80 x B 50 x H 80 cm, oder ein Meerschweinchenkäfig L 100 x B 50 x H 40 cm, damit darf das Tier nicht länger als zwei bis drei Wochen untergebracht werden und häufiger Auslauf ist Pflicht.

Der Käfig wird in einem anderen Raum aufgestellt und die Tiere treffen nur im Auslauf zusammen. Diese Methode ist langwieriger, aber meist auch ruhiger für die Tiere. vor dem gemeinsamen Auslauf steht hier das Kennenlernen über den Tierhalter. Die zu vergesellschaftenden Chinchillas werden von zwei Personen auf den Arm genommen und näher gebracht, sie sollten sich im Gesicht und an den Ohren beschnuppern dürfen. Bleiben sie dabei ruhig oder reagieren sie sogar freundlich, können sie zusammen in den Auslauf gesetzt werden. Reagieren die Tiere sehr aggressiv, sollte von einem gemeinsamen Auslauf abgesehen werden, hier wäre dann ggf die Käfig an Käfig Methode eine Möglichkeit.

Wechseln Sie jeden Tag die Sandbäder zwischen den Käfigen. So riecht der jeweils andere dann nicht mehr so fremdartig.

Käfig an Käfig?
Diese Methode ist möglich, sorgt aber durch das Eindringen des neuen Chinchillas mit seinem Käfig in das Revier der alteingesessenen Tiere oft für mehr Stress. Stellen Sie den Käfig/das Gehege des neuen Tieres neben den der bereits vorhandenen Tiere und zwar so, dass die Tiere sich sehen und riechen können. Lassen Sie zwischen den Käfigen/Gehegen mindestens 10 - 15 cm Platz, damit die Tiere sich nicht durch das Gitter beißen können. Dann sollten sie beobachten, wie die Chinchillas aufeinander reagieren. Sind sie neugierig aufeinander und beschnuppern sie sich? Reagieren sie nervös oder ruhig? Oder fauchen sie sich gleich durch das Gitter an? Nur wenn die Tiere freundlich und neugierig aufeinander reagieren, darf die eigentliche Vergesellschaftung statt finden.

Gemeinsamer Auslauf
Wenn am Gitter oder auf dem Arm alles ruhig bleibt, dann sollten die Tiere gemeinsam ihren Auslauf genießen können. Bei der Käfig an Käfig Methode sollten die Chinchillas von ihrem Gehege aus selbstständig in den Auslauf gehen können. Der Auslauf sollte viel Platz bieten, damit die Tiere sich aus dem Weg gehen können. Eine Fläche von mindestens 5 m² wäre ratsam, größer ist besser. Achten Sie darauf, dass sich dort und in den Käfigen keine Häuser mit nur einem Eingang befinden, diese können zu Fallen werden, wenn ein unterlegenes Tier darin sitzt und ein überlegenes Tier hinein geht. Dort kommt es nicht selten zu massivem Streit. Alle Unterstände müssen so geschaffen sein, dass die Tiere gut hindurch laufen können (Korkröhren, Weidenbrücken, Häuser mit mehreren Eingängen).

Die Tiere werden hintereinander her laufen, sich beschnuppern und mit den Pfoten antrommeln. So lange alle Chinchillas dabei munter bleiben, ist das Verhalten normal und dient der Rangordnungsfindung. Es kann auch dazu kommen, dass sie sich regelrecht jagen, auch anpinkeln, bespringen, anfauchen. Dies sollte immer nur kurz statt finden, hält das Verhalten länger als wenige Minuten an, sollte der Auslauf abgebrochen werden. Geraten die Chinchillas zu sehr unter Stress und sitze nur noch mit starker Flankenatmung in herum, fallen um oder zeigen große Panik, ist der gemeinsame Auslauf ebenfalls abzubrechen. Eine Annäherung der Tiere sollte schnell freundlicher werden, gegenseitiges ruhiges Beschnuppern, gemeinsam fressen, zusammen sitzen oder sich ignorieren sind die ersten Zeichen einer beginnenden Freundschaft.

Vertragen sich die Tiere beim Auslauf gut, dann gehen die Tiere nach dem Auslauf irgendwann zusammen in eines der Gehege. Lassen Sie das Gehege des neuen Chinchillas im Auslauf offen stehen. Wenn die Chins dann nach dem Auslauf einträchtig zusammen in ein Gehege gehen, dann vertragen die Tiere sich auch sehr wahrscheinlich weiterhin. Aber auch wenn beide Chinchillas zusammen in ein Gehege gehen, sollten Sie auf jeden Fall mehrere Stunden beobachten, ob alles gut geht und auf keinen Fall die Tiere sofort zusammen sperren, dann könnte es wieder zu Problemen kommen. Lassen Sie also die Tür zum Auslauf immer offen und achten Sie darauf, dass kein Tier im Käfig "gefangen" wird, sonst könnte es dort zu blutigen Beißereien kommen.

Sie sollten bei jeder Begegnung der Tiere auf jeden Fall dabei bleiben um eingreifen zu können. Das ein paar Haare fliegen werden ist ganz normal, aber sollten die Tiere aufeinander losgehen und sich auch richtig blutig beißen, müssen sie sofort getrennt werden. Einige Tage später sollte ein neuer Versucht gestartet werden. Wenn das nach drei bis vier Versuchen gar nicht klappt, dann ist der Vergesellschaftungsversuch fehlgeschlagen und es sollte mit einem anderen Tier noch einmal versucht werden.

Für diese Methode gilt: Sie brauchen viel Platz, am besten sollten sie über mehrere Tage nicht in ihre Gehege gesperrt werden, sondern die ganze Zeit selbst entscheiden können, ob sie im Auslauf oder im Gehege sein wollen. Nur wenn das Gehege größer als 5 m² ist, können die Chins in einer Kleingruppe schon nach zwei bis drei Tagen zusammen dort wohnen, sobald sie freiwillig nach dem Auslauf dort zusammen gezogen sind.

Die Panikbox

Die Panikbox soll hier auch erwähnt werden, sie wird auch Kleinraummethode genannt. Allerdings drückt der Name Panikbox recht gut aus, was in der Box mit den Tieren passiert: Sie haben Panik. Werden Chinchillas in einen sehr engen Raum gesperrt, haben sie Angst. Durch diese Angst finden sie schnell zum Partner, denn jeder Partner ist in so einer Situation besser, als kein Partner. Im Fall der Panikbox werden die noch fremden Chinchillas in einen handelsüblichen, kleinen, eingestreuten und mit Futter bestückten Transporter gesteckt. In diesem Transporter verbleiben die Tiere so lange, bis sie sich gut vertragen (maximal zwei bis drei Stunden, nicht länger!).

Zwar ist es richtig, dass durch das Zusammensetzen zweiter Chinchillas in so eine Box diese Tiere hinterher wahrscheinlich zusammen gefunden haben und sie sich dann auch dauerhaft vertragen. Trotzdem sollte diese Methode im Normalfall nicht angewendet werden. Auch wenn die Vergesellschaftung durch die Box schnell geht, ist es für die Tiere unnatürlich und mit großem Stress verbunden. Nicht selten kommt es in der Box auch zu massiven Beißereien - mitunter wird sogar dazu geraten, bei Streit die Box zu schütteln - das dies für die Tiere mit massivem Stress verbunden ist, muss wohl kaum erwähnt werden.

Die Panikbox wäre sicher die letzte Möglichkeit, Chinchillas die sich nicht vertragen, aneinander zu gewöhnen - aber eine solche Zwangsvergesellschaftung ist abzulehnen und es wäre sinnvoller, für die entsprechenden Chinchillas passendere Partner zu suchen.

Der "Crash-Kurs"

Die Tiere werden einfach in einem Raum / im Auslauf zusammen gesetzt. Bei sehr jungen Tieren klappt es mitunter, da sie mehr miteinander spielen als um Ränge zu kämpfen.

Ältere Tiere werden bei dieser Methode allerdings aufeinander los gehen. Dabei kann es zu massiven Beißereien kommen.