NagerInfoLemmingHamsterZwerghamsterMeerschweinchenChinchillaRatteMausDeguKaninchenRennmaus

Feldhamster im Innenhof

von Martina Umlauft

Ich wohne in der Stadt. Genauer gesagt in Wien. Die meisten Wohnhausanlagen hier haben Innenhöfe in denen Wiesen sind die man eigentlich nicht betreten darf. Meist stehen da auch noch ein paar Bäume herum und ein paar Hecken. Als Kinder haben wir uns natürlich nicht an das Betretungsverbot gehalten - und uns prompt Ärger mit dem Hausmeister eingefangen. Der Hausmeister ist üblicherweise auch für das Mähen der Wiesen zuständig. Als Erwachsener ist man froh, vom Balkon einen Blick auf ein bisserl Grün zu haben. Eines Tages im Sommer 2008 stand ich also im Wohnzimmer und ließ meinen Blick nach draußen schweifen. Da saß doch was auf der Wiese! Ein rostbraunes... Tier? Als ich die Balkontür öffnete erschrak es und flüchtete so schnell in die Büsche, dass eine Bestimmung umnöglich war.

Tage später sah ich es wieder. Rostbraun und ca. so groß wie ein Meerschweinchen. Etwa einem Nachbarn entlaufen? Neugierig geworden legte ich mir die Kamera schußbereit neben die Balkontür. Und dann, endlich, das Tier war inzwischen etwas mutiger geworden, gelang mir ein Foto. Es hatte dicke Backen! Es musste ein Hamster sein! Also ein entlaufener Goldhamster. Sollte ich ihn einfangen und retten? Aber.... werden die wirklich soo groß? Und haben die überhaupt so lange Schwänzchen? Und schwarze Bäuche? Schnell bei Wikipedia "Goldhamster" nachgeschlagen: 120-165mm lang... hmmm, dieses Tier ist aber größer! Dann der entscheidende Hinweis: "Goldhamster sind deutlich kleiner als der auch in Mitteleuropa heimische Feldhamster". Angeklickt und Bingo! Da war "mein" Tier. Wie bitte? Ein Feldhamster mitten in der Stadt?! Gibt's doch garnicht. Aber Wikipedia macht schlau und die Linkliste am Ende des Feldhamster-Eintrags führte mich doch tatsächlich zu einem Projekt der Uni Wien in dem die Verbreitung von Feldhamstern und Zieseln in der Stadt erforscht wird. Ich war baff.

Tatsächlich Feldhamster?!
Feldhamster

In diesem Sommer beobachtete ich den Feldhamster noch oft. Mit der Zeit wurde er immer mutiger und ließ sich auch von den Geräuschen der Leute auf ihren Balkonen nicht stören. Normalerweise lief er in der Deckung der Büsche bis zu dem Abschnitt der Wiese, den er noch nicht abgegrast hatte und kam dann erst auf die offene Wiese um zu weiden. Besonders die Gänseblümchen hatten es ihm angetan, aber auch große Blätter die von den Bäumen gefallen waren wurden in die Backentaschen gestopft. Oft steckte er auch sein Näschen tief bis in die Grasnarbe und man konnte ihn richtig Rupfen hören. Eines Tages hörte ich etwas quietschen und sah gerade noch, wie etwas aus dem ca. 2m hohen Marillenbäumchen fiel und schnell wegrannte - war das etwa der Feldhamster gewesen? Ich war mir nicht sicher. Zumindest schien er nicht verletzt zu sein als ich ihn später wieder sah. Irgendwann wurde es Winter und er verschwand in seinem Bau für den Winterschlaf.

Hamstermutter beim "grasen"
Feldhamster

Im nächsten Frühjahr (2009) wartete ich schon ungeduldig und freute mich sehr, als ich den Hamster wieder sah. Er war noch da! Und dann sah ich eines Tages zwei Feldhamster über die Wiese tollen. Ich hatte keine Ahnung ob da "mein" Hamster sein Revier verteidigte oder ob das ein Paarungsvorspiel war, aber wenige Wochen später hatte ich Gewissheit - "mein" Hamster war ein Weibchen und stolze Mama geworden! Mit der Zeit ließen sich die Jungen immer öfter am Eingang des Baus, der sich im Schutz der Büsche befand, blicken. Ich zählte 2, 3, dann 4 Stück. Und Mama musste schuften! Teilweise graste sie bis ein Uhr nachmittags um genug Futter für die Kleinen ranzuschaffen. Dann wurde die Wiese gemäht. Wenig Futter, aber die Jungen waren hungrig. Und dann sah ich wie die Mutter vor meinen Augen wie ein Äffchen in die Krone der ca. 2 m hohen Büsche kletterte! Also hatte ich mich im letzten Jahr doch nicht getäuscht! Ich suchte hastig nach meiner Kamera, aber die Mutter war schon im Laub der Buschkronen verschwunden. Auch den Abstieg bekam ich nicht aufs Bild, denn sie hangelte sich in 2 m Höhe von einem Busch zum anderen und kletterte für mich unsichtbar auf der Rückseite der Büsche wieder runter. Zum Glück hat mein Freund die Kletterpartie ebenfalls gesehen, denn das hätte er mir nie geglaubt. Nur eine kleinere Kletterpartie ca. 50cm über dem Boden konnte ich dann noch fotografieren.

Neugierige Jungtiere am Baueingang
Feldhamster

Auf der anderen Seite der Büsche schließt direkt der zum Haus gehörige Parkplatz an. Also besorgten wir uns Camping-Klappstühle, schnallten die größten Objektive und Telekonverter an unsere Kameras, bewaffneten uns mit Stativen und setzten uns auf den Parkplatz. Wir saßen eine Weile mucksmäuschen still da und warteten, dann kamen die Hamster vorsichtig aus ihrem Loch. Die Mutter zielstrebig und mutig, lief immer auf der Suche nach Futter zur Wiese, die Jungen blieben noch scheu in der Nähe des Baus sitzen und spielten miteinander.

Da ich sie gerne mit ein wenig Futter bestechen wollte um bessere Fotos zu bekommen suchte ich im Internet nach weiteren Informationen über Feldhamster - und fand erschreckend wenig. Die meisten Seiten die ich fand befassten sich mit der Zerstörung des Lebensraums der Feldhamster und Schutzprojekten. Aber konkrete Hinweise zu Ernährung und Verhalten fand ich eigentlich nicht. Schließlich meldete ich mich bei www.das-hamsterforum.de an und orientierte mich an den Hinweisen zu Goldhamstern. Mit der Zeit verloren die Feldhamster etwas ihre Scheu - wenn man sich anschlich und ganz ruhig sitzen blieb konnte man aus drei Metern Entfernung gute Fotos machen. Die Jungen lebten erstaunlich lange mit ihrer Mutter zusammen bis die Mutter eines Tages verschwand. Jemand aus einem Fotoforum in dem ich meine Fotos zeigte schrieb mir, dass in einer seiner alten Jagdzeitschriften stünde, dass der Bau von der Mutter an die Jungen vererbt würde. Ich kann nicht sagen ob sie überfahren wurde oder freiwillig ausgezogen ist oder von ihren Kindern verjagt wurde. Ich habe sie nicht wieder gesehen. Die Jungen lebten dann noch recht lange in einer Gruppe zusammen, allerdings verschwanden irgendwann zwei der vier Jungen, die restlichen beiden lebten in einem Bau zusammen - bis diese beiden dann offensichtlich selbst Junge hatten!

Baby am Baueingang
Feldhamster

Am 1. September sah ich das erste mal einen winzigen Baby-Feldhamster mit nur ca. 10 cm Länge ganz vorsichtig aus dem Bau kommen. Es müssen seine ersten Schritte aus dem Bau gewesen sein, so tapsig und vorsichtig wie er war. Er war zuckersüß! Da sie ja nun schon bald in den Winterschlaf gehen würden war mir klar, dass ich dem Kleinen und seinen Geschwistern ein wenig helfen musste, wenn sie wenigstens eine Chance haben sollten. Also kaufte ich Hamsterfutter und Kolbenhirse-Stangen sowie Joghurt und Babybrei und von da an saß ich abend für abend "vor dem Loch" und filmte und fotografierte alles, was bei drei nicht im Bau verschwunden war. Ich konnte auch beobachten, dass die Mutter der Kleinen recht mitgenommen war. Ein großer starker Feldhamster aus einem benachbarten Bau (eine Tante? der Vater? ich konnte es nie so genau feststellen) scheuchte sie vom Futter weg und plünderte auch frech die Bauten der kleinen Familie. Leider konnte ich ihnen nicht mehr helfen als ihnen möglichst viel Futter zur Verfügung zu stellen. Der (die?) große, freche Hamster kam zum Schluß bis auf wenige Zentimeter an mich heran und schnüffelte an meinen Füßen. Mir blieb das Herz stehen - vor freudiger Aufregung und auch ein wenig Angst. Ich hatte nur Sandalen an. Wenn der mir in die nackten Zehen gebissen hätte...! Anfang Oktober sah ich die Hamster dann das letzte Mal, dann ließen sie sich nicht mehr blicken. Jetzt warte ich sehnsüchtig auf den Frühling um zu erfahren ob sie den Winter gut überstanden haben.

Der zweite Wurf
Feldhamster

Mehr zu den Feldhamstern finden Sie hier:

Feldhamster in Wien

Ich hatte vorher nie geplant ein Haustier zu halten, aber seit ich mich in diesem Sommer 2009 in die süßen Fellnasen verliebt habe, war mir klar, dass ich einen Hamster halten möchte. Und am 7. September 2009 ist mein Traum wahrgeworden und ein kleines Zwerghamstermädchen zog bei uns ein. Da ich ja über die Naturbeobachtung "auf den Hamster gekommen" bin ist mein Hobby jetzt die Gestaltung von naturnahen Hamstergehegen und ich führe zu diesem Thema auch ein Blog:

Naturnahe Hamstergehege

Die Fotos und Texte dieser Seite wurden uns freundlicherweise von Martina Umlauft zur Verfügung gestellt und stehen unter ihrem Urheberrecht! Es ist nicht erlaubt, Texte oder Fotos zu kopieren oder Fotos direkt zu verlinken.