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Louis und Loona, die Geschichte zweier Abszesskaninchen

Louis ist Loona's Sohn und die zwei wurden im Sept. 2005 vor dem Tierheim in Hildesheim in einem Pappkarton ausgesetzt.
Louis war zu dem Zeitpunkt noch ein Baby und erst wenige Wochen alt. Ich habe die Zwei durch eine Freundin kennen gelernt, da sie zu der Zeit in dem Tierheim gearbeitet hat.
Die beiden Zwergwidder haben das Herz meiner ganzen Familie im Sturm erobert. Die beiden waren noch bis zum Jahreswechsel in der Obhut von dem Tierheim, da eine Zusammenführung für Louis mit meinen restlichen Kaninchen zu gefährlich war. In der Zwischenzeit wurde ein Herzfehler bei Louis vermutet, der sich aber erst bestätigte, nachdem er einige Monaten bei mir lebte.
Der Lütte hatte ein Loch im Herz und es hieß, er würde nie alt werden damit. Ich ließ ihn auf die Herzmedikamente einstellen und man merkte es ihm zu keinem Zeitpunkt an, dass er so gehandicapt war.

Traumpaar

Das Jahr 2006 verlief sehr ruhig, beide waren topfit und fühlten sich sichtlich wohl bei uns. Im Sommer hatte Louis zwar Probleme mit Wasser auf der Lunge, was auf das Herzproblem zurückzuführen war, aber mit den richtigen Medis, zur Entwässerung ging es ihm wieder prima.

Im Herbst 2007 fing bei uns die schwarze Serie an.
Beide Widder bekamen auf einmal einen Pilz der sich sehr hartnäckig hielt. Wir behandelten den Pilz mit dem üblichen Medikament, was eigentlich als harmlos eingestuft wurde. Allerdings bemerkte ich nach einiger Zeit, dass beide an Gewicht verloren und das Ganze in gefährliches Untergewicht rutschte. Die Vermutung der TÄ war eine Vergiftung durch das Pilzmedikament.
Durch eine Blutuntersuchung stellten meine Tierärzte fest, dass bei Beiden die Leber stark geschädigt war. Durch intensives Päppeln und den passenden Medikamenten, konnte ich den Beiden damals das Leben retten.

Wir hatten uns schon gefreut, dass Beide über den Berg waren, da kam die nächste Hiobsbotschaft. Abends bei der Kontrolle stellte ich bei Louis eine dicke Backe fest. Der Verdacht bestätigte sich am nächsten Tag beim Tierarzt... er hatte einen Abszess. Unter dem Abtasten platzte der Abszess in die Mundhöhle auf und wir hofften, dass er offen bleiben würde und mit Unterstützung eines Antibiotikums abheilt.
Allerdings war die Abszessöffnung am nächsten Tag zu und man entschloss sich, Louis trotz seines Herzfehlers zu operieren, um den Abszess von außen zu öffnen. Es war ein Risiko, aber wir hatten keine andere Wahl. Louis wurde operiert und hat die OP besser überstanden, als gedacht.
Der Lütte war nach der OP topfit und man merkte ihm nicht an, dass der Abszess doch recht groß war.

Jetzt war der Abszess nach außen offen und das hieß für mich, ich musste das Ding täglich spülen. Mir war so speiübel, als mir meine Tierärztin zeigte, wie ich das zu machen hatte. Mir schwirrten viele Gedanken durch den Kopf wie: das tut dem weh, das schaffe ich nicht, das ist ekelig, ich muss brechen, wenn ich das mache usw. Mir ging es gar nicht gut bei dem Gedanken das Ding spülen zu müssen.
Zum Glück hatte ich einen guten Freund, der gelernter Altenpfleger ist und tagtäglich mit Wundbehandlung zu tun hat. Er hat mir in der ersten Zeit unter die Arme gegriffen und gezeigt, wie ich das bei Louis mit dem Spülen mache. Er hat mir auch bestätigt, dass das Spülen in dem Abszess nicht weh tut... sondern eher unangenehm für die Tiere ist.
So kam Marco immer an den Tagen vorbei, an denen ich selber zu Hause gespült habe. Louis musste dreimal die Woche zur TÄ. Dort wurde der Abszess mit einem scharfen Löffel ausgeräumt, um auch der Abszesskapsel auf den Leib zu rücken.

Genau eine Woche nach Louis Abszess-OP habe ich abends einen Abszess bei Loona entdeckt. Ich hab echt gedacht, das ist ein böser Scherz und hab es damit abgetan, dass ich verkehrt gefühlt/getastet habe. Hab dann für mich beschlossen ins Bett zu gehen und am nächsten Morgen aufzuwachen und es als bösen Traum abzutun.
Am nächsten Morgen war die Beule leider immer noch da und Loona durfte mit zum TA. Mein Verdacht hat sich in der Praxis bestätigt und ich hatte das Gefühl, das mir jemand den Boden unter den Füßen wegzieht.

Am liebsten hätte ich zu der Zeit meine Tierhaltung aufgegeben.
Ich hatte in der Zeit noch ein Kaninchen an Magenüberladung verloren. Viele meiner Wellensittiche sind mir an div. schweren Krankheiten verstorben und zu guter Letzt, das Dauerumsorgen von Louis und Loona.
Das war das erste Mal, dass ich massiv an meine Grenzen gestoßen bin und ich ein Stoßgebet zum Himmel geschickt habe, dass nicht mehr passieren möge.

Die Abszesse gestalteten sich sehr schwierig. Die gängigen AB's schlugen bei Louis nicht an. Wir mussten eine Eiterprobe ins Labor schicken um ein Antibiogramm zu erstellen.
In der Zwischenzeit wurde die Backe von Loona immer dicker, aber die TÄ hat sich nicht getraut, den Abszess auf dem Kiefergelenk zu öffnen. Was keiner geahnt hatte, er hatte sich direkt unter der Muskulatur gebildet und hat daher keine klare Abgrenzung gezeigt.
Bei Loona hatte sich dann der Unterkiefer verschoben und sie hat das Fressen eingestellt. Loona wurde dann stationär bei der TA aufgenommen um sie dort zu päppeln, da sie den Brei bei mir aus der Spritze verweigert hatte.

Loona's Zustand wurde zusehends kritischer, so dass die TÄ sich am nächsten Morgen dazu entschieden hat, Loona doch zu operieren... Sie hatte keine Ahnung wo sie nun schneiden sollte, weil immer noch die klare Abgrenzung von dem Abszess fehlte.
Außerdem ist der Bereich gefährlich, da dort große Blutgefäße und Nervenbahnen lang laufen. Nach dem die Wange geöffnet war, hat sie auf gut Glück die Wangenmuskulatur auseinander geschoben und dort den Abszess gefunden. Allerdings ist der sofort aufgeplatzt und die TÄ hatte die Befürchtung, dass Eiter in die Blutbahn gelangt sein könnte.

Nach der OP war Loona wieder die Alte... sie hat gefuttert wie ein Scheunendrescher und hat das Spülen über sich ergehen lassen.

Traumpaar

Die Beiden waren wirklich vorbildliche Kaninchen was die Behandlung anging. Einmal am Tag spülen, nach dem Spülen wurde ein AB in Tablettenform in den Abszess eingebracht und 3x die Woche zum TA, dort wurde der Abszess dann mit dem scharfen Löffel ausgekratzt.

Die Abszessbehandlung zog sich über Wochen hin, trotz des richtigen Antibiotikums. Bei Loona konnte man mit der Zeit feststellen, das es kleiner wurde. Zwischenzeitlich hat der Abszess einen Durchbruch in die Maulhöhle geschafft. Was in unserem Fall nicht ganz so verkehrt war. Dadurch wurde der Abszess von beiden Seiten belüftet und heilte letztendlich doch ganz gut ab.
Aber irgendwie ging es bei dem Abszess bei Louis nicht voran. Im Gegenteil... Louis fing an schwerer zu Atmen und keiner konnte sich erklären, woher das kam.

Als er anfing ständig zu röcheln, bin ich wieder zum TA. (das passierte innerhalb von 24 Stunden) Louis wurde notoperiert. Auf dem Röntgenbild vom Vortag war es nicht zu sehen, erst als es akut wurde... der Abszess war von der Kieferseite nach unten auf den Kehlkopf gerutscht und drohte die Luftröhre abzudrücken. Es bestand auch die Gefahr, dass er aufplatzt und der Eiter dann in die Lunge läuft.
Viel Hoffnung machten mir meine TÄ nicht und schickten mich mit dem Gedanken nach Hause, dass Louis das nicht übersteht.

Aber der Lütte zeigte Kämpferherz... wie seine Mama. Er hatte die OP überlebt, wenn auch nur knapp. Er hat unter der Narkose das Atmen eingestellt und die TA musste Mund zu Nase Beatmung bei ihm machen. Abends bekam ich den erlösenden Anruf, dass er lebt und die nächsten 2 Tage entscheiden, ob er es packt.

Die OP hatte den Vorteil, dass die komplette Abszesskapsel endlich entfernt werden konnte. Louis war endlich das wochenlange Spülen los und wir hatten die Chance, dass er endlich gesund werden konnte.

So war es dann auch.
Beide Nins waren nach monatelangem Kampf endlich gesund. Das war ca. Mitte 2008.

Auch wenn man bisher selbst keine so kranken Tiere zu Hause hatte, so kann sich jeder bestimmt vorstellen, dass diese Pflegerei von allen Tieren - da beziehe ich jetzt auch meine Vögel mit ein - eine starke emotionale Belastung darstellt. Ganz zu schweigen von der finanziellen Belastung. Hätte ich nicht meinen Freund gehabt, wäre der Kampf um Loona und Louis nicht möglich gewesen.

Wir hatten ein Haus mit Garten gekauft und ich plante intensiv das Außengehege. Das war im April 2009.

Ich konnte endlich die große ZF mit meinen anderen Kaninchen machen und so wurde endlich mein Traum von einer großen Gruppe wahr... Endlich waren alle 5 Kaninchen vereint, so wie es eigentlich schon lange sein sollte.
Im August 2009 durften dann alle Kaninchen nach draußen ziehen. Sie hatten ein großes Außengehege und aus 5 Kaninchen wurden es dann doch 7. Ich hatte in der Zwischenzeit noch einen Notfall mit 2 Kaninchen bei mir aufgenommen.
Die 7 haben sich draußen sichtlich wohl gefühlt und ich war der Illusion verfallen, das jetzt alle in Ruhe alt werden und dann einfach so sterben.

Das Schicksal war da aber wohl anderer Meinung.
Es war Herbst 2009, als ich bei der Kontrolle von Loona feststellte, dass mit ihr etwas nicht stimmte. Sie nieste etwas und bei genaurem hingucken sah ich, dass ihr Eiter aus dem linken Nasenloch lief und aus dem linken Tränenkanal drückte. Sie hatte auch schlagartig das Fressen eingestellt.

Also Notdienst anrufen... weil die Tiere ja grundsätzlich am Wochenende krank werden. Beim TA konnte aber keine direkte Ursache dafür gefunden werden. Man sah nur, das die Mundschleimhaut nekrotisch war... also OP.

In der OP wurde das Ausmaß sichtbar: Die linke Maulhälfte war hoch entzündet und die TÄ hatte keine Erklärung dafür. Die Zähne sahen gut aus, Röntgenbild ohne Befund. Also Gewebeprobe ins Labor schicken, weil Verdacht auf Mundschleimhauttumor bestand. Loona hat sehr schnell abgebaut und bekam hohes Fieber dazu... keiner konnte sich erklären was die Ursache war.

Innerhalb von einer Woche kam auch das linke Auge merklich weiter aus der Augenhöhle hervor... Immer noch keine Ursache sichtbar auf dem Röntgenbild.
Inzwischen hatte ich einen Termin bei einem Spezialisten in Bremen. Ist zwar eine lange Autofahrt von fast 2 Std. Aber wenn einer Loona retten konnte, dann der TA. Ich rechnete auch fest damit, dass sie ihr Auge verlor, aber es war mir egal, Hauptsache ich bekam mein Loonchen lebend wieder mit.
Meine Gefühle fuhren Achterbahn und ich spielte alle Szenarien im Kopf durch, was ist wenn. Aber an das Endgültige wollte und konnte ich nicht denken. Ich klammerte mich an den Gedanken fest, dass der TA sie retten konnte. Der TA untersuchte sie ausführlich und legte sie dann in Narkose, da ein weiteres Vorgehen nur in Narkose möglich war.

Der TA machte mir Mut und versprach mir, alles Mögliche für Loona zu tun, so lange sie eine Chance auf ein gesundes Leben hatte. Er wollte sich mit mir in Verbindung setzen, sobald er Ergebnisse hatte, die das weitere Vorgehen zeigte.
Allerdings war alles zu spät.
Der TA rief mich ca. 1 Std. später auf meinem Handy an und erklärte mir, was er bei Loona alles gefunden hatte:
Die Maus war vom Eiter leider komplett zerfressen. Es war ein Wunder, dass sie unter den Schmerzen noch so gefressen hat, bzw. wieder angefangen hatte. Sie hatte einen Abszess im Kiefergelenk, der sich dort in den Hohlräumen breit gemacht hatte. Von da aus hat der Eiter aus der Nase und dem Tränenkanal gedrückt. Zum Schluss hat er sich auch in der Augenhöhle ausgebreitet und hat das Auge aus der Höhle verdrängt, bzw. war dabei das zu tun.

Als ich die ersten Anzeichen für Loona's Erkrankung festgestellt hatte, war sie schon nicht mehr zu retten.

Der Abszess hat mindestens 6 Monate da hinten gebrodelt, ohne entdeckt zu werden. Auch die Beschädigungen am Kiefer waren erst ganz zum Schluss auf dem Röntgenbild sichtbar. Keine Chance für uns, Loonchen zu retten.

Sie wurde am 03.11.2009 in der Narkose erlöst.

So fuhr ich den weiten Weg mit einem erlösten Kaninchen wieder nach Hause. Ich war sauer, enttäuscht, wütend und konnte es nicht verstehen, warum Loona gehen musste. Ich hab bei mir den Fehler gesucht, wo ich versagt hatte. Ich hatte meinem Loonchen schon zweimal das Leben gerettet und ich begriff nicht, warum es dieses Mal nicht geklappt hatte.

Jetzt sind mittlerweile über 7 Monate vergangen und ich lebe damit... aber verstanden habe ich es immer noch nicht.
Der Tod von Loona hat hier eine große Lücke hinterlassen, sowohl bei den Kaninchen, als auch bei uns Menschen.
Die Gruppe musste sich neu ordnen, da Loona ziemlich weit oben in der Rangfolge war. Mein Glück war es, dass wir den harten Winter hatten und die restlichen Nins beschlossen hatten, den Winter lieber kuschelnd zu überstehen.
Im Sommer wäre mir die Gruppe sicherlich auseinander gebrochen.

Der nächste Schock ließ aber nicht lange auf sich warten.
Louis hatte den Winter gut überstanden und ich hatte den Eindruck, dass ihm der Winter sogar gut tat. Er hatte auch gut zugenommen, was wegen seinem Herzen immer etwas problematisch war. Je wärmer es aber wurde und der Frühling nahte, so dünner wurde er auch. Zuerst hatte ich gedacht, dass es an der verringerten Fütterung von frischem Gemüse lag. Die gehaltvollen Sachen reduzierte ich schon zu dem Zeitpunkt. Louis habe ich dann zugefüttert, was aber ohne Erfolg blieb.

Wir haben dann das Blut untersucht, weil wir dachten, dass die Leber wieder spinnt. Aber das Blut sagte uns, das irgendwo im Körper eine große Entzündung war, die ihn so abmagern ließ. Ganzkörperröntgen, Aufnahme vom Gebiss... kein Resultat.
Die TÄ hat dann mit dem Maulspreizer etwas genauer die Maulhöhle untersucht. Sie hat dann gesehen, dass der eine Backenzahn gekippt war und die Wange etwas gereizt war. Aber sie meinte, das könne nicht die Erklärung für die schlechten Blutwerte sein. Also Termin für Narkose gemacht um den Backenzahn abzuschleifen oder wenn möglich zu ziehen.
Das war Donnerstag. Der Lütte war zu der Zeit in Einzelhaft bei uns im Wohnzimmer, damit ich genau beobachten konnte, wie viel er frisst und ob er Kot absetzt.

Ich war guter Dinge, weil ich Louis bisher immer gesund bekommen habe... also warum sollte es jetzt anders sein!? Zahn ziehen... keine große Sache und die Narkosen hat er bis jetzt ja auch immer gut überstanden. Zudem hatte er gut zugenommen... alle Zeichen standen auf gutes Gelingen.

Samstag waren wir auf einem Geburtstag und sind spät in der Nacht nach Hause gekommen. Ich hab Louis dann noch mal eine Schale mit Brei hingestellt, weil es das Einzige war, was er wohl ohne große Schmerzen fressen konnte. War ja klar, wenn da so ein blöder Zahn ist der da scheuert.

Beim Abtasten, was ich immer einmal die Woche gemacht habe, hab ich dann auf der gegenüberliegenden Seite das dicke Ohr gefühlt.
Zack und da war es... das déjà Vu.
Es spulte sich alles wie ein Film vor meinem inneren Auge ab... Abszess... spülen... ewiger Kampf... Loona's Tod.
Das wollte ich nicht und von da an war es mit meiner inneren Ruhe vorbei. Sonntagmittag rief ich bei dem Notdienst bei meiner TÄ an. Wir hatten zwar für den nächsten Morgen den OP-Termin, aber ich wusste in dem Moment gar nichts mehr. Was war richtig, kann ich ihn so lassen, besteht akute Gefahr usw. mein ganzes Wissen war auf einmal wie weggeblasen.

Die TÄ beruhigte mich und sagte mir die Dosis fürs Schmerzmedi, falls ich es erhöhen musste, er war eh schon auf Schmerzmedis. Montag wurde er dann operiert und ich war mit Hummeln im Hintern geladen... klare Gedanken konnte ich nicht fassen. Immer diese Angst, dass er die nächste Narkose nicht packt. Um 11.00 konnte ich endlich anrufen und horchen, wie die OP verlaufen war. Die TA konnte den Abszess unterhalb vom Ohr gut öffnen und hat den Eiter so weit es ging entfernt. Auch der Backenzahn konnte gezogen werden. Allerdings wuchs die Wurzel waagerecht Richtung Kiefergelenk. Die Wurzel war entzündet und stieß mit den Spitzen hinten in die großen Blutgefäße. Die TÄ konnten die starke Blutung stoppen und wieder einmal ist Louis dem Sensemann von der Schippe gesprungen.

Allerdings machte der Abszess dieses Mal größere Sorgen. Das Mittelohr war davon betroffen und das "ovale Fenster" war der einzige Schutz den der Gehörnerv und das Hirn noch hatten. Sollte da der Eiter durchbrechen, hätte Louis keine Chance.

Also fieberten wir alle, dass die Membrane standhielt. Mit dem Spülen hatte ich ja keine Probleme mehr. Hatte da ja schon genug Übung mit. Louis war pflegeleicht. Zum Spülen habe ich ihn in ein Handtuch gewickelt, damit er nicht unbedarft zur Seite springt. Damit ich in den Abszess kam zum Spülen, habe ich eine Knopfkanüle benutzt, wenn er dann zur Seite gesprungen wäre, hätte ich ihn mit der Kanüle nur mehr verletzt.

Er hat wohl geahnt, dass ich ihm nur helfen wollte. Er lag immer ganz entspannt in dem Handtuch und auch die Atmung ging langsam... also keine Anzeichen von Panik oder Angst. Die ganze Woche ging es eigentlich gut mit ihm. Am Freitag hat die TÄ festgestellt, dass sich hinten an dem Loch, wo der Backenzahn saß, nekrotisches Gewebe gebildet hat. Also musste wieder mit dem Maulspreizer gearbeitet werden, denn eine erneute Narkose... undenkbar.

Montag war ich wieder bei meiner TÄ um alles säubern zu lassen. Da die Heilung so nicht vonstatten ging wie erhofft, habe ich in Bremen bei dem TA einen Termin ausgemacht. Wenn uns einer helfen konnte, dann hoffentlich er. Egal wie das Helfen aussah. So wollte ich Louis nicht länger quälen. Nachdem ich mit Louis zu Hause war, fing er mit extremen Speicheln an und roch auch auf einmal nach Eiter.

Ich bei der TÄ angerufen und sie war der Meinung, dass Louis wegen dem Reinigen des Loches hinten, den Eiter durch das Speicheln nach vorn abtransportieren wollte. War ja auch nahe liegend, da sie das Loch hinten auch gespült hatte. Sollte aber den nächsten Tag noch mal in die Praxis kommen, wenn das Speicheln nicht besser werden würde über Nacht. Das war die Sorge die ich in dem Moment noch weniger gebraucht habe... man war ich froh, dass der Termin bis Mittwoch in Bremen nicht mehr weit war. Es war Rettung in Sicht. Louis war Dienstagmorgen noch nasser als den Montagabend. Mein armer Stinker Louis... Er litt zusehends unter der Situation und ich benahm mich immer mehr wie ein kopfloses Huhn. Keine klaren Gedanken, die Angst im Nacken, dass er genauso erlöst werden müsste wie Loona. Die Vorstellung war unerträglich und ich war wieder am heulen.
Musste mich aber doch zusammen reißen, dass das mein Sohn nicht so mitbekam. Er sollte jetzt noch nicht sehen, wie viel Angst ich um Louis hatte... ich wollte ihn bei anderer Gelegenheit darüber aufklären, wie ernst es um Louis stand.

Die TÄ hat noch eine Röntgenaufnahme vom Schädel gemacht um evtl. jetzt noch eine Ursache festzustellen, warum er so speichelt.
Auch diese Aufnahme war ohne Befund. Wieder alles negativ... wieder keine definitive Aussage was die Ursache ist... wieder mit der Ungewissheit nach Hause. Also blieb alles an dem TA in Bremen hängen.

Abends habe ich meinen Sohn erzählt, was ich am nächsten Tag vorhatte. Ich habe ihm erklärt, was der TA in Bremen mit Louis machen würde und dass das die einzige Chance für Louis wäre und wenn ihn einer helfen könnte dann der TA. Ich habe meinem Sohn auch gesagt, dass wenn der Louis zu dolle krank ist, er dort erlöst wird, wie es mit Loona passiert ist. Aber ich habe zu ihm gesagt, dass wir daran erst mal nicht denken wollen, sondern die Daumen ganz stark für Louis drücken müssen und immer an einen guten Ausgang denken müssen.
Pascal ist den nächsten morgen 5.30Uhr aufgewacht um Louis noch einmal zu streicheln und ihm alles Gute zu wünschen. Natürlich waren hier alle am heulen und die Belastung war bei allen zu spüren.
Louis war der erklärte Liebling von meinem Freund. Auch er war in sich gekehrt und wünschte mir nur eine gute Fahrt.

Sonst habe ich immer von meinen Männern zu hören bekommen, mach mir meinen Louis heile... pass mir auf meinen Louis auf.
Den Morgen hat wohl jeder geahnt was bevor stand, was aber keiner mehr aussprechen wollte. Punkt 8.00 war ich am Mittwochmorgen in Bremen bei dem TA. Er untersuchte Louis und sichtete die Röntgenaufnahmen.
Das gleiche Spiel wie bei Loona, ab in Narkose um weitere Untersuchungen zu machen und Louis dabei die Schmerzen und Angst zu ersparen.
Der TA beschloss, die verbliebenen Backenzähne zu entfernen, um so der Entzündung entgegen zu wirken, die sich dort mittlerweile ausbreitete. Er hatte die Hoffnung, da auch Nins ohne Backenzähne leben können, so Louis zu retten.

Beim Ziehen wurde aber die nächste Katastrophe sichtbar. Die Wurzeln waren kreuz und quer gewachsen und hatten dadurch den Kiefer zusammen gehalten. Beim Ziehen ist der Kiefer gesplittert und eine Spontanfraktur ist eingetreten. Der Kiefer war so zerstört von dem Eiter, dass der TA keine Chance hatte, die Zähne aus dem Kiefer zu bekommen, so dass er heil blieb.
Auch in Louis Fall hab ich einen Anruf von dem TA auf mein Handy bekommen, dass er Louis gern erlösen möchte, da er so keine Chance auf ein gutes Leben hat... Ich stimmte dem TA schweren Herzens zu, denn ich wollte, dass das Leiden von Louis endlich ein Ende hatte. Er hatte ja keine Chance...

Also fuhr ich wieder mit einem toten Kaninchen nach Hause...

Der Kopf war so leer, dass ich noch nicht mal mehr heulen konnte. Wieder diese Frage... wo habe ich versagt, dass ich es nicht eher erkannt habe. Hätte ich ihn früher erlösen lassen müssen!? War es mein Egoismus der ihn am Leben halten wollte!?
All diese Fragen von Loona und Louis beschäftigen mich, mal mehr, mal weniger. Louis ist noch sehr präsent in meinem Kopf... OK, ist auch kein Wunder. Er ist ja erst am 9.6.2010 über die RBB gegangen.

Loona geb. 2004 am 03.11.2009 erlöst

Louis geb. Aug.2005 am 09.06.2010 erlöst

Beide haben ihren Platz bei uns im Garten gefunden, neben all den anderen Tieren, die vor ihnen gingen.
Pascal und ich haben Louis neben seiner Mama begraben und er geht zum Glück ganz gut mit dem Thema Tod um. Er findet es zwar doof, dass die Kaninchen nicht mehr da sind, aber versteht und akzeptiert, dass sie nicht zu retten waren.
Immer mal wieder kommt er mit Blümchen an, die dann auf die Gräber gelegt werden. Er hält dann einen Moment kurz inne, dreht sich um und geht spielen.

Ich habe die Geschichte von Louis und Loona niedergeschrieben um anderen Mut zu machen, um ihre Kaninchen zu kämpfen. Um zu zeigen, dass all die Gedanken die man dabei hat, vollkommen normal sind. Auch die Ängste gehören zum Kämpfen dazu. Für mich selber ist es ein Weg, das ganze Erlebte zu verarbeiten und irgendwann kein schlechtes Gewissen mehr zu haben.

Es ist zwar schmerzlich, die Tiere dann doch so zu verlieren, aber ich werde den Einsatz immer wieder zeigen... egal welches Tier krank ist.
Wer soll denn sonst unsere armen Nasen pflegen, wenn nicht wir als Halter!? Sie haben ja nur uns und wir sind es ihnen schuldig.

Auch wenn keine Genesung in Sicht ist, haben wir den letzten Gang mit ihnen zu gehen.

Auf diesem Wege möchte ich bei folgenden Leuten bedanken:
Meinem Freund, ohne ihn, wäre das Ganze nie möglich gewesen. Meiner Familie, die mich nie verspottet hat, wenn ich um meine Tiere gebangt habe. Meinen Tierärzten für ihren tollen Einsatz.

© Andrea Oschmann Juni 2010

Diese Geschichte soll anderen Haltern Mut machen, deshalb soll sie im Internet verbreitet werden, wenn Sie diese Geschichte auch veröffentlichen möchten, dann wenden Sie sich bitte per Mail an mich: diddi-pascal@htp-tel.de

Der Text und Bilder dieser Seite wurden uns freundlicherweise von Andrea Oschmann zur Verfügung gestellt und stehen unter ihrem Urheberrecht! Es ist nicht erlaubt den Text ungefragt zu kopieren und zu veröffentlichen, ebenso ist es untersagt Fotos zu kopieren oder direkt zu verlinken.