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Zusammenführung von Kaninchen... und ihre Tücken

Verwendete Abkürzungen: TA= Tierarzt, TH= Tierheim, ZF= Zusammenführung

Zwischen Weihnachten und Neujahr 2004 habe ich meine 2 Weiber Speedy und Sammy im Alter von 6 Monaten aus dem Tierheim in Braunschweig übernommen. Ich war blutjunger Kaninchenhalter und war der felsenfesten Überzeugung, mich richtig und ausführlich informiert zu haben, was das Kaninchenherz begehrte. Immerhin hatte ich begriffen, das Kaninchen immer einen Partner brauchen. Was ich aber nicht wusste, das 2 Weiber in einem Käfig und zu dem inmitten der Pubertät, nicht wirklich gut geht. Mir wurde bei der Übergabe der Tiere bestätigt, das es zwei Wurfgeschwister sind und das zu keinen Problemen führt.

Sammy und Speedy
Kaninchen

Es kam was kommen musste, kaum hatten sich die Zwei eingelebt, ging hier die Klopperei los. Ich war ziemlich verzweifelt, da ich ja beide behalten wollte und der Meinung war, alles getan zu haben, dass sie es gut hatten. Ich habe mir dann Informationen aus dem Internet gezogen, wo überall stand, zwei Weiber gehen selten gut und schon gar nicht in Käfighaltung. Es stand überall geschrieben dass man zur Schlichtung einen Kastraten dazu holen sollte. Ok... 3 Tiere in einem Käfig geht nicht, das war sogar mir klar. Vor der Zusammenführung hatte ich aber Schiss und ließ sie in dem Tierheim machen, wo ich den Rammler her hatte.

Ich machte mich nach und nach über die Kaninchenhaltung im Internet schlau und es haben mir div. Foren dabei weiter geholfen. Käfighaltung wurde abgeschafft und ich ging in freie Wohnzimmerhaltung über.

Nach der geglückten Zusammenführung im Tierheim, holte ich Sammy, Speedy und Idefix als Dreiergespann ab und sie zogen bei uns ein.

Mit der Zeit bildeten Sammy und Idefix ein festes Paar und Speedy blieb außen vor. Sie wurde sehr selten geputzt und von kuscheln war keine Rede. Also hieß es die Gruppe aufstocken, damit jeder einen zum kuscheln hatte. So machte ich mich auf die Suche, nach geeigneten Kandidaten.

Sammy, Idefix und Speedy
Kaninchen

Eine Freundin von mir arbeitete zu der Zeit in dem Tierheim, wo ich die erste Zusammenführung gemacht und auch Idefix her hatte. Sie servierte mir 2 Zwergwidder, Mama mit Sohn. Louis war zu der Zeit noch ein Baby und beide hatten noch Vermittlungssperre. Claudia hat mir die Beiden aus dem Tierheim nach Hause gebracht, als Louis alt genug für eine Zusammenführung war. Claudia blieb von Samstag auf Sonntag bei uns, um mir bei meiner ersten Zusammenführung zur Seite zu stehen. Für die ZF habe ich meine Küche gewählt. Dort war noch nie ein Kaninchen und von daher war der Raum neutral. In der Küche standen 2 Pappkartons mit 2 Eingängen, eine Pappröhre wo die Nins sich drin verstecken konnten und zwei Toiletten, jeweils auf der gegenüberliegenden Seite vom Raum. Der Fußboden war übersät mit frischem Gemüse und Kräutern, so das die Nins von dem Futter abgelenkt wurden. Es waren auch zwei Wassercontainer vorhanden, so das die Nins immer die Chance hatten, an das Wasser zu kommen zum trinken.

Dann war es soweit. Alle Transportkisten in die Küche und gleichzeitig aufmachen... Nins raus und warten was passiert.
Alle stolperten erst mal über das reichhaltige Angebot von dem Futter und jeder schlemmte vor sich hin. Bis dahin hatte noch keiner gemerkt, das da ja fremde Kaninchen sind. Das ganze dauerte ca. 20 Minuten bis die erste Jagerei los ging. Jeder hinter jedem her und keiner wusste so genau wer Freund noch Feind war. Zwischendurch wurde gefressen, gejagt und Fell gerupft, aber es war recht friedlich. Zumindest hatte ich bis dahin noch keinen Herzinfarkt erlitten. Die ersten 24h verliefen relativ ruhig, zumindest so ruhig, das ich nicht in Panik geriet. Die Kaninchen hatten stellenweise schon Kahlschlag am Po und man konnte sehen, wo die anderen Fell gerupft hatten.

Claudia fuhr Sonntagabend nach Hause und die Kaninchen waren jetzt über 24h zusammen. Ich hatte die Hoffnung, dass die ZF recht friedlich laufen würde und ich eine nette Gruppe bald haben würde.

Pustekuchen, hier ging der Punk ab, sobald Claudia nicht mehr da war. Hier ging der Krieg zwischen neu und alt los. Heftiges jagen mit Fell ausreißen...leider mit Haut dran... in der Luft anspringen, alles nicht sehr nett. Die Kaninchen waren alle sehr aufgewühlt und am meisten hab wohl ich gelitten...keine schöne Sache, wenn die ach so süßen Kaninchen zu Bestien mutieren. Die Nächte verliefen recht ruhig, ab und zu hab ich es aus der Küche klopfen gehört und ab und an gab es auch heftiges gejage.

Im laufe des Montags wurde es etwas ruhiger. Die Kaninchen sprangen sich nicht mehr an, zumindest hab ich nichts mehr in der Richtung gesehen und beschloss, Dienstag schnell meine Einkäufe zu erledigen. Ich war Dienstag ca. eine Stunde später wieder zu hause und meine Mutter sagte mir, in der Küche hätte es gepoltert und sie meint etwas schreien gehört zu haben. Ich nach oben in die Wohnung gesprintet um nach den rechten zu schauen. Auf dem ersten Blick sahen alle heile aus. Es lag auch nicht mehr Fell rum wie vorher, was ich so einschätzen konnte.

Louis habe ich dann mit einer Augeverletzung aus dem Gehege gefischt.

Als ich vom Tierarzt wieder da war, wurde die anderen genau beobachtet.

Nach ca. 30 Minuten konnte ich dann auch endlich Loona von der anderen Seite sehen und sah die Bescherung. Sie hatte ein feuerrotes Auge und knipperte damit.

Also einpacken und ab zum Tierarzt.

Sie hatte die gleiche Verletzung wie Louis, bloß der Schnitt im Ober und Unterlid war um einiges größer. Da die Wunden schon vereitert waren, konnte das nicht mehr genäht werden. Es wurde so gelassen, in der Hoffnung, dass die Schnitte von allein wieder verheilten und die Schnitte dann nicht mehr zu sehen waren. Die verletzten Nins hab ich in der Gruppe belassen, da die Verletzungen nicht so schwer waren. Sie konnten sich ja trotz allem bewegen und sich auch wehren. Also kein Grund um die ZF abzubrechen.

Es ging hoch her und ich dachte, die werden nie Freunde. Zwischenzeitlich war ich immer kurz davor die ZF abzubrechen, weil ich Angst hatte, dass sie sich bei der Jagerei schwer verletzen könnten. Ich habe in der Zeit in einem Forum Rückendeckung bekommen und ich wurde beruhigt, dass das vollkommen normal ist. Zum Glück gab es immer mal Ruhepausen, so das jedes Nin fressen und trinken konnte. Es blieben hier auch weitere Verletzungen aus. Die Kaninchen belagerten nun schon seit über einer Woche unsere Küche und es wurde für mich sichtbar ruhiger, zumindest ein klitzekleines Stück. Die Verletzungen von Louis und Loona waren abgeheilt und nach fast 2 Wochen Küchenknast, habe ich sie ins Wohnzimmer umgesiedelt.

Dort ging die ZF sehr schleichend voran. Über Wochen habe ich keinen Fortschritt dabei gesehen. Jagen und ständiges verbeißen war hier an der Tagesordnung, aber alles ohne schwerwiegende Verletzungen *puh*

Ende März Anfang April war die ZF dann soweit fortgeschritten, das alle mal hin und wieder auf einen großen Kuschelhaufen gelegen haben. Auch gegenseitiges abschlecken konnte ich beobachten

Als ich das dann öfters gesehen habe, war ich der Meinung die ZF sei gelungen . Aber da hatte ich mich wohl zu früh gefreut. Es war Anfang/Mitte Mai und war gerade bei meinem Sohn Pascal im Zimmer, als ich aus dem Wohnzimmer, eines der Kaninchen hab schreien hören. Ich rüber und was sehe ich, Idefix hing in Loona´s Ohr und sie versucht wegzulaufen. Ich habe dann laut Idefix´s Namen gerufen und er muss dann wohl vor lauter Schreck losgelassen haben. Das erste was ich gesehen habe war, das Loona ein recht großes Loch im Ohr hatte. Natürlich fand diese Aktion abends statt. Ich hatte aber noch Glück, das die TA in der Praxis war. Also Loona einpacken und ab.

In der Praxis hat man dann das ganze Ausmaß gesehen. Das Ober und Unterlid war mal wieder gespalten und zusätzlich war der Tränenkanal kaputt. Das große Loch im Ohr war dagegen halb so wild. Das Ende vom Lied war, Loona wurde mit 14 Stichen genäht und hat einen Kragen verpasst bekommen, damit sie sich die Fäden am Auge nicht rausreißt. So hockte Loona dann über 2 Wochen in Einzelhaft bei mir im Büro. Anfang Juni kamen dann alle Nins zu Claudia ins TH zur Pflege, da wir in den Urlaub fahren wollten.

Mitte Juni alle einsammeln und zu Hause die 2 ZF gestartet.

Die Zf lief noch schlechter als die Erste, das einzigste Positive an der ZF war, ich brauchte keinen TA wegen Bissverletzungen aufsuchen. Speedy hat sich hier als Boss aufgespielt und hat alle gnadenlos verjagt, der nicht nach ihrer Nase tanzten. Nach ein paar Tagen hat sich das alte Team (Speedy, Sammy & Idefix) wieder gefunden und von da an hatten Louis und Loona nicht viel zu lachen. Speedy hatte es ständig auf die Beiden abgesehen, sie wurden so lange gejagt bis sie sich in einer Ecke versteckt hatten.

In der Zeit wo die Nins im TH zur Pflege waren, wurden auch die letzten beiden Weiber kastriert.

Mit der Zeit litt Louis dann doch unter der Situation, er konnte sich nicht wirklich in Ruhe irgendwo hinlegen, ohne von Speedy vertrieben zu werden. Ich habe dann mit meiner TA gesprochen, was man noch tun könnte. Ich habe dann Bachblüten gegen Aggressionen eingesetzt. Was nach Wochen keine Wirkung bei Speedy zeigte. Wir haben dann auf ein homöopathisches Medikament gewechselt, was auf die Hormonproduktion im Gehirn wirken sollte. Nach dem einige Ampullen leer waren, konnte man eine Entspannung in der Gruppe merken, ob diese allerdings vom Medikament herbei geführt wurde, mag man bezweifeln. Speedy jagte immer weniger Louis und die ganze Situation entspannt sich hier allmählich. Ich ertappe sie immer öfters dabei, dass alle beisammen lagen.

Sammy, Louis, Idefix, Speedy und Loona
Kaninchen

Ende Juli, Anfang August war die Gruppe soweit, das ich sagen konnte dass diese Zusammenführung endlich geglückt war. Es waren harte 7 Monate für alle, aber im nachhinein hat sich mein Durchhaltevermögen ausgezahlt.

Ich hatte endlich meine Großgruppe, die letztendlich sehr harmonisch war. Es wurde kreuz und quer gekuschelt/geputzt und keiner mehr, war außen vor.

Dann beschloss ich noch einen Kaninchenbock aufzunehmen und was dann passierte, ist hier nachzulesen:
Zusammenführungen von Kaninchen ... und ihre Tücken Teil 2

© Andrea Oschmann Juni 2010

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