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Fellwechsel beim Kaninchen

Mindestens zwei mal im Jahr wechseln gesunde Kaninchen ihr Fell. Im Frühjahr wird das Winterfell gegen ein leichteres Sommerfell gewechselt, im Herbst bekommen die Kaninchen ihr Winterfell. Starke Kälteeinbrüche und andere starke Wetterschwankungen können ebenfalls für einen Fellwechsel sorgen. Langhaarige Kaninchen haaren meist das ganze Jahr über - sie benötigen deshalb besondere Pflege.

Während des Fellwechsels haaren Kaninchen sehr stark und können auch teilweise dünnes Fell haben - es kommt aber im Normalfall dabei nicht zu kahlen Stellen! Bekommt das Kaninchen kahle Stellen im Fell oder hat es verschorfte Stellen im Fell, kann es sich um einen Parasitenbefall, Pilzbefall oder auch eine Mangelerscheinung handeln, in dem Fall ist ein Tierarzt aufzusuchen!

Im Normalfall kommen gesunde Kaninchen mit einem normalen Kurzhaarfell relativ gut selber mit dem Fellwechsel zurecht. Allerdings kann es auch zu Problemen kommen, auf die wir kurz eingehen möchten.

Köttelketten:

Die herausfallenden Haare werden vom Kaninchen aus dem Fell geputzt, die Kaninchen putzen sich die Haare auch gegenseitig aus dem Fell. Dabei werden zwar die meisten Haare von den Kaninchen nicht aufgenommen, aber es gelangen trotzdem auf diese Art und Weise viele Haare in den Magen- und Darm. Dort können diese Haare zu Haarballen und somit zu Verstopfungen führen.

Ein erstes Anzeichen für Fellwechsel und ein Warnhinweis für beginnende Verstopfung können sogenannte "Köttelketten" sein. Die Kaninchen kötteln nicht mehr einzelne runde Köttel, sondern die Köttel hängen zusammen, sie wirken ein wenig wie auf die Haare aufgefädelt oder werden sogar von dicken Haarstängen zusammen gehalten. So lange diese Köttelketten lose zusammen hängen und vom Kaninchen leicht ausgeschieden werden, hat das Tier noch keine Probleme, es sollten aber trotzdem unterstützende Maßnahmen ergriffen werden um den Fellwechsel zu erleichtern und einer Verstopfung vorzubeugen.

Hängen die Köttelketten fester zusammen oder müssen die Kaninchen stark pressen, um sie herauszubringen, dann sollte die Verdauung der Kaninchen gut beobachtet werden. Es müssen sofort Maßnahmen ergriffen werden, damit die Köttelketten leicht ausgeschieden werden können. Wird Kaninchen mit solchen Problemen nicht geholfen, kann es zu starken Darmproblemen kommen. Ist die Bauchdecke der Kaninchen angespannt oder kommt es zu Aufgasungen kann es lebensgefährlich werden. Sind die Köttel kleiner und härter, oder werden nur selten große Köttel die viele Haare enthalten ausgeschieden oder/und sitzt das Tier apathisch in der Ecke, dann kann es schon zu einer Verstopfung gekommen sein. Ein Tierarztbesuch ist dann unumgänglich, ein Röntgenbild bringt Gewissheit, ob Haarballen den Magen oder Darm verstopfen.

Köttelketten Kaninchen

Folgendes können Sie als Halter tun um Ihrem Kaninchen den Fellwechsel zu erleichtern:

Bürsten

Zahme Kaninchen die Streicheleinheiten gewöhnt sind und genießen, sollten in der Zeit des Fellwechsels oft gekämmt zu werden um die ausgefallenen Haare zu entfernen. Mögen die Kaninchen die Bürste nicht, ist es ebenso möglich, die Haare intensiv auszustreicheln und mit der (feuchten) Hand abzuziehen. Langhaarige Kaninchen oder Kaninchen mit besonders dickem Fell sollten das ganze Jahr über gekämmt werden. Außerdem sind hier regelmäßige Kurzhaarschnitte sinnvoll!

Gesunde Ernährung

Kaninchen die ohne Trockenfutter, ohne Pellets und in erster Linie mit Gras und Heu, Grünfutter und Gemüse ernährt werden und dazu Wasser aufnehmen, haben weniger Probleme mit Haarballen. Grobe Rohfaser aus Grünfutter und hochwertigem Heu vergrößern das Darmvolumen und sorgen für einen schnelleren Transport der Nahrung durch den Darm.

Futterzusätze

Es gibt verschiedene Futterzusätze, die in der Zeit des Fellwechsels gegeben werden können:

Maltpaste

Im Handel gibt es die Nager-Maltpaste (Firma Gimborn). Diese enthält Fette, welche sich als Schicht um die Haare legen sollen, damit diese leichter ausgeschieden werden, außerdem sind Extrakte aus der Papaya enthalten. Kaninchen im Fellwechsel bekommen täglich eine kleine Menge davon verabreicht, eine Wirkung ist nicht wissenschaftlich belegt. Bei manche Kaninchen führt das Nagermalt allerdings zu Durchfällen, dann darf das Produkt nicht angewendet werden.

Bezopet

Da dieses Produkt zusätzlich zum Öl aus Zucker und Getreide besteht, sollte es nur während des Fellwechsels gegeben werden, wenn andere Mittel nicht anschlagen oder nicht vertragen werden. Ob es wirklich wirkt ist zudem umstritten.

Lactulose

(Firma Albrecht) macht den Darminhalt glitschiger und hilft beim Ausscheiden.

Öle/Paraffin

Wenn schon eine beginnende Verstopfung angezeigt wird, die Kaninchen Probleme beim Ausscheiden der Köttelketten haben oder keine Köttel mehr kommen, kann direkt ein hochwertiges Speiseöl (z. B.Rapsöl, Walnussöl, Sesamöl, Sonnenblumenöl, Olivenöl) eingeben werden, 1 ml pro Tag sollte dabei aber nicht überschritten werden. Besteht eine Verstopfung kann bis zu 1 ml alle 4 Stunden gegeben werden. Das Öl legt sich um die Köttel, um die Haarballen und die Haare und macht diese rutschiger, so das sie besser ausgeschieden werden können. Auch verschiedene Tropfen, die speziell für die Verdauung angeboten werden, sind stark ölhaltig und haben sich bei Verstopfungen durch Haarballen bewährt, bsp: Curasal Rodikolan und Herbi Colan Suspension. Vorbeugend sollte Öl nicht durchgehend gegeben werden! Geben Sie das Öl vorsichtig ein, ideal wäre es, wenn Sie es auf einem Salatblatt oder einer Scheibe Gurke "verstecken". Muss das Öl in größeren Mengen mit einer Spritze verabreicht werden, dann achten Sie darauf, dass das Kaninchen in Ruhe schlucken kann und sich nicht verschluckt. Die Anwendung von Rizinusöl ist umstritten, da dieses zu starken Darmreizungen führt. Paraffinöl ist ebenfalls nicht zu empfehlen, da es sich in den Organen anlagert und außerdem mit dem Mageninhalt verbinden kann, so dass es nicht den gewünschten Effekt als natürliches Gleitmittel erfüllt.

Frische Ananas, frische Kiwi?

Die Enzyme (Bromelin und Actinidin) die das Haareiweiß spalten helfen leider nicht. Das Bromelin aus der Ananas und auch das Actinidin aus der Kiwi werden leider von der Magensäure zerstört. Es kommen also keine intakten Enzyme im Dünndarm an, wo üblicherweise die Haarballen für Probleme sorgen. Deshalb ist die Gabe bei Haarballen nutzlos. Es würde nur Präparate wirken, die magensaftresistent verarbeitet sind, diese können aber an Tiere nicht verabreicht werden, da diese die Tabletten zerkauen, womit die resistente Schicht zerstört wird. Ananas enthält 0,27 g Fructose, 0,76 g Saccharose und 0,37 g Glucose, also weniger Zucker als viele andere Obstsorten (Äpfel, Bananen, Beeren enthalten mehr), kann also trotzdem gern gegeben werden. Kiwi enthält 4,4 g Fructose, 1,34 g Saccharose und 4,7 g Glucose und ist damit extrem Zuckerhaltig. Kiwi sollte also eine absolute Ausnahme bleiben! Getrocknet sollten beide Früchte nicht angeboten werden.

Sonnenblumenkerne, Samen

Fenchelsamen, Leinsamen und Sonnenblumenkerne führen dem Kaninchen hochwertge Fette zu, bis zu einem Teelöffel pro kg Kaninchen pro Woche können zusätzlich gegeben werden. Die Fette und enthaltene Enzyme helfen beim Ausscheiden von verschluckten Haaren.

Bewegung

Bewegung hält den Darm in Schwung. Kaninchen die viel Auslauf haben, viel Laufen und sich bewegen haben seltener Darmprobleme. Ist bereits eine Verstopfung vorhanden, ist Bewegung lebenswichtig!