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RHD/Chinaseuche (Rabbit Haemorrhagic Disease)

RHD (Chinaseuche) ist eine gefährliche Erkrankungen, die jeder Kaninchenhalter kennen sollte. Es handelt sich hier um eine Viruserkrankung, die immer wieder eine hohe Ausbreitungs- als auch Sterberate verzeichnet.

Das RHD Virus (Calicivirus, RHD-1) befällt Haus- und Wildkaninchen, auch auf Hasen ist er übertragbar. Andere Tiere und Menschen sind gegen RHD immun. Die meisten Erkrankungen gibt es in den Sommermonaten, nur vereinzelt werden Fälle im Winter gemeldet. Die Seuche breitet sich schnell aus und Endet in 80 - 100 % der Fälle tödlich. Seit 2010 existiert eine neue Virusvariante (RHD-2) die zuerst in Frankreich, seit 2013 auch in Deutschland nachgewiesen wurde und sich hier seit dem massiv ausbreitet. Der Erreger ist sehr resistent und kann bei +4 °C mehr als 7 Monate aktiv bleiben!

Übertragung

Die Inkubationszeit (Ansteckungszeitraum) beträgt 24 bis 72 Stunden (1 bis 3 Tage). Übertragen wird das Virus auf viele Arten. Durch blutsaugende Insekten wie Stechmücke und Kaninchenfloh wird es häufig übertragen, vor allem der Kaninchenfloh ist hier als Hauptüberträger zu nennen. Ebenso kann das Virus durch Milben, Zecken und Läuse übertragen werden. Eine Übertragung durch Futter ist ebenso möglich, vor allem gesammeltes Grünfutter steht in Verdacht RHD zu übertragen. Fliegen können ebenfalls RHD übertragen. Aber auch von Kaninchen zu Kaninchen oder von Mensch zu Kaninchen wird es übertragen, eine Tröpfcheninfektion ist möglich. Es ist also auch mit Hygiene kaum möglich, sich vor dem Virus sicher zu schützen. Nur eine Impfung bietet sicheren Schutz.

Krankheitszeichen

Die Krankheitsanzeichen sind wenig charakteristisch: Eine beschleunigte oder erschwerte Atmung, Fressunlust (Inappetenz), Apathie (Teilnahmslosigkeit), allgemeine Störungen des Wohlbefindens, Fieber, Einblutungen.

Es gibt drei mögliche Verlaufsformen der Infektion.
Die akute Verlaufsform: 2 - 4 Tage nach der Ansteckung kommt es zu Unruhe, Benommenheit, Atemnot oder Flankenatmung. Fieber, Fressunlust und blutiger Durchfall können ebenfalls auftreten. Die Tiere ersticken meist qualvoll innerhalb sehr kurzer Zeit.
Die perakute Verlaufsform: Das Tier zeigt keine Krankheitsanzeichen, es bricht plötzlich zusammen und erstickt und Atemnotkrämpfen, meist mit weit zurückgebogenen Kopf und Bluttaustritt aus den Nasenlöchern, Einblutungen in die Schleimhäute. Es wird auch von Schreien und anderen Lautäusserungen berichtet.
Die "sanfte" Verlaufsform: Das Tier leidet unter Unwohlsein, bekommt Durchfall und erholt sich nach einigen Tagen wieder, diese Verlaufsform ist sehr selten.

Üblicherweise verstirbt das befallene Tier innerhalb von drei Tagen an inneren Blutungen.

Nur durch regelmäßige Impfungen können Sie Ihr Tier schützen!

In Deutschland und Österreich ist eine Impfung gegen RHD erlaubt und es existieren zugelassene Impfstoffe. Österreich gilt jedoch als weitgehend RHD frei, deshalb haben die meisten Tierarzt den Impfstoff nicht vorrätig. Informieren Sie sich selbst, in welchen Gebieten evtl. RHD ausgebrochen ist und fragen Sie Ihren Tierarzt gezielt nach der RHD Impfung.

Ausnahmslos alle Tiere, auch Tiere in Wohnungshaltung, alte Tiere und trächtige Tiere müssen geimpft werden. Die Impfung wird meist problemlos vertragen. Es kommt selten zu lokalen Impfreaktionen an der Einstichstelle. Die Impfung erfolgt subkutan. Für Rassezüchter: in Deutschland ist eine RHD Impfung Pflicht für Ausstellungstiere. Auch wenn es in einem Jahr kaum RHD Fälle gibt, müssen Sie trotzdem impfen lassen. Durch Impfmüdigkeit kann sich die Seuche weiter ausbreiten und wird im nächsten Jahr umso heftiger zuschlagen! Zusätzlicher Schutz bieten Sauberkeit und Vorsicht.

RHD ist nicht heilbar, auch wenn Antibiotika und andere Medikamente unterstützend eingesetzt werden, sterben die meisten Tiere an der Krankheit. Überlebt ein Tier, überträgt es auch noch Monate nach der Erkrankung das Virus und wird nicht immunisiert.

Die Stiko empfiehlt eine Impfung zweimal im Jahr. Im Frühjahr vor der warmen Jahrezeit und im Herbst. Die Impfung kann in Kombination mit Myxomatose oder Kaninchenschnupfen erfolgen, allerdings sollte an verschiedenen Stellen am Körper geimpft werden. Die Immunisierung gegen den RHD 1 Stamm hält 9 - 12 Monate vor. Wegen dem neuen RHD 2 Stamm hilft nur ein sehr hoher Antikörper-Titer, der nur durch eine zweimalige Impfung erreicht wird.

Impfschema
Bei Jungtieren und Tieren die zum ersten Mal geimpft werden, ist eine Grundimmunisierung nötig. Die Erstimpfung findet bei Jungtieren ca. ab der 4. bis 6. Lebenswoche statt, ältere Tiere können ihre Erstimpfung jederzeit bekommen. Die Wiederholungsimpfung nach der Erstimpfung findet nach 3 - 4 Wochen statt.

Impfstoffe
RHD: CUNIVAK COMBO® (RHD und Myxomatose), CUNIVAK RHD®, Lapimed RHD®, Nobivac Myxo-RHD ®(RHD und Myxomatose), RIKA - VACC RHD®, RIKA-VACC Duo® (RHD und Myxomatose).
RHD2: Seit September 2016 ist gegen RHD 2 ein Impfstoff, ERAVAC®, in Deutschland zugelassen, andere Impfstoffe (Filavac VHD KC +V®) können aus der EU bezogen werden.
Der Impfstoff CUNIVAK RHD® hat beim Versuch mit Jungtieren gezeigt, dass er vermutlich auch gegen RHD 2 immunisiert, zumindest den Krankheitsverlauf abschwächen kann. Nobivac® Myxo RHD ist ein Kombiimpfstoff gegen Myxomatose und RHD, der ebenfalls wirksam sein soll.

Ihr Tierarzt wird Ihnen sagen, wann und wie zu impfen ist, bitte achten Sie auch selber auf die nächste fällige Impfung und führen Sie einen Impfpass!

Mehr Informationen zu RHD2 bekommen Sie hier:

Aktualisierte Stellungnahme zur Immunisierung von Kaninchen gegen RHDV-2

Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) am FLI/ Leitlinie zur Impfung von Kleintieren und weitere

Weitere Quellen unter anderem

Gabrisch und Zwart Krankheiten der Heimtiere; Schlütersche; Auflage 2005 (und Studienausgabe 1989)

Anja Ewringmann Leitsymptome beim Kaninchen / Diagnostischer Leitfaden und Therapie

Wenzel/Albert Kaninchenkrankheiten

Winkelmann Kaninchenkrankheiten Ulmer Verlag

Isenbügel Heimtierkrankheiten

Kraft; Hein; Emmerich Dosierungsvorschläge für Arzneimittel bei Kleinnagern, Kaninchen und Frettchen; Schattauer

Peter C. Berghoff Kleine Heimtiere und ihre Erkrankungen

Walter Baumgartner, Klinische Propädeutik der inneren Krankheiten und Hautkrankheiten der Haus- und Heimtiere, Verlag Parey, 6. Auflage 2005

Kathy Smith; Rabbit Health in the 21st Century, second Edition; iUniverse. Jörg Grünwald, Christof Jänicke Grüne Apotheke GU Verlag

Astrid Gall: Etablierung, Validierung und praktische Anwendung einer multiplex real-time RT-PCR zum Nachweis des Rabbit Haemorrhagic Disease Virus

Weitere Quellen hier: Quellen der Nager Info