NagerInfoLemmingHamsterZwerghamsterMeerschweinchenChinchillaRatteMausDeguKaninchenRennmaus

Das Kaninchenzimmer / Freilauf in der Wohnung

Statt ein Gehege zu bauen, ist es auch möglich, Kaninchen ganz frei in einem Zimmer oder in der Wohnung laufen zu lassen. Es gibt immer wieder Kaninchen, die sich beim Auslauf sehr gesittet benehmen, stubenrein sind und die Wohnungseinrichtung heile lassen, aber man sollte sich darüber im Klaren sein, dass Kaninchen unterschiedliche Charaktere haben, nicht alle sind lieb und unkompliziert. Es gibt auch "die Anderen", die Kaninchen, die einfach alles annagen, markieren, sich in die kleinste Ecke quetschen und jede Möglichkeit finden, irgendetwas anzustellen. Damit diese Kaninchen sich nicht beim Freilauf in der Wohnung verletzen - und damit Ihre Wohnungseinrichtung heile bleibt - muss das entsprechende Zimmer oder die Wohnung "kaninchensicher" gemacht werden.

Der Boden

Wenn die Tiere ganztägig auf Teppichen laufen, sollten diese besonders sorgsam ausgewählt werden. Absolut ungeeignet sind Kunststoffteppiche, auf diesen laufen sich die Tiere schnell ihre Fußsohlen "heiß", das Fell wird regelrecht von den Füßen abgeschmirgelt, es entstehen kahle Stellen an den Hinterläufen (meist anfangs nur kreisrunde kleine Stellen, die sich mit der Zeit ausweiten). Informationen dazu finden Sie hier: Wunde Läufe beim Kaninchen. Auch Mischgewebe oder Kokosfasern sind mit Vorsicht zu verwenden und auszutauschen, wenn sich Probleme zeigen. Gute Erfahrungen wurden mit weichen Baumwollteppichen gemacht und mit Teppichen mit hohem Baumwollanteil. Machen Sie beim Kauf einen Test: Reiben Sie mit der Handfläche ein wenig auf dem Teppich. Wird die Hand schnell heiß oder pikst es, dann ist der Teppich ungeeignet. Schlingenware sollte nicht verwendet werden, in den Schlingen können die Kaninchen mit den Krallen hängen bleiben. Auch sehr hochflorige Teppiche sind nicht immer geeignet, die Kaninchen nagen diese häufig an. Es ist außerdem, aus rein ästhetischen Gründen, darauf zu achten, dass der Teppich farbecht ist, denn auch stubenreine Kaninchen vergessen sich mitunter und die Teppiche müssen z. B. spätestens nach Erkrankungen oder bei Parasitenbefall gründlich gereinigt werden können.

Nicht alle Kaninchen werden stubenrein, deshalb kann es auch sinnvoll sein, PVC, CV, Linoleum oder Laminat als Bodenbelag zu verwenden und waschbare Teppiche darauf zu verteilen. Gut geeignet sind hier die sogenannten Flickenteppiche oder schlichte Baumwollteppiche. Allerdings gibt es Kaninchen, die auf den Teppichen buddeln oder sie benagen, und in den so entstandenen Löchern und Knäueln aus gelockerten Fäden können die Tiere dann beim Laufen mit den Krallen hängen bleiben. Die Teppiche müssen auch vor dem Verrutschen gesichert werden, dazu wird entweder Klettband oder zumindest ein Rutsch- Schutz unter dem Teppich verwendet. Es ist auch möglich, den Boden mit Bettbezügen auszulegen (gründlich ausgewaschen, nur Baumwolle oder Leinen, keine synthetischen Gewebe), diese scheinen den meisten Kaninchen am wenigsten zu schmecken. Es ist nicht sinnvoll, die Tiere direkt auf glatten Böden laufen zu lassen, da sie dabei schnell wegrutschen und sich verletzen können. Zwar lernen die Tiere mit der Zeit, sich auf glatten Flächen vorsichtig zu bewegen, aber was bringt so viel Freiheit, wenn die Tiere sich nicht austoben können, sondern nur vorsichtig hoppeln?

Die Ränder von fest verlegten Teppichen, PVC und anderen Bodenbelägen sollten mit Holzfußleisten gesichert werden, damit die Kaninchen die Ecken nicht annagen.

Die Wände

Es gibt mehrere Möglichkeiten, die Wände des Kaninchenzimmers schön und sicher zu gestalten. Im Laufe ihres Lebens kommen die meisten Kaninchen auf die Idee, an den Wänden zu nagen. Manche tun es aus Langeweile, andere mögen die Farbe so gern, und wieder andere scheinen einfach Spaß dran zu haben, die Tapete in Bahnen von der Wand zu ziehen. Deshalb müssen die Wände vor dem Zugriff der Kaninchen geschützt werden.

Die Folie: Eine durchsichtige, selbstklebende Folie wird waagerecht über die Tapete geklebt. Diese Folien sind mit einer Breite von ca. 45 cm und einer Länge von 2 und 5 m zu bekommen. Werden sie am unteren Rand der Tapete längs geklebt, haben die Kaninchen keinen leicht erreichbaren Ansatzpunkt zum nagen (der untere Rand der Folie sollte unter der Fußbodenleiste liegen). Diese Folien fallen kaum auf und Urinspritzer der Tiere können leicht abgewischt werden.

Die Verkleidung: Das sieht sogar recht edel aus. Im Baumarkt werden günstige Hartfaserplatten angeboten, die Sie mit einer ungiftigen, abwaschbaren Farbe dekorativ gestalten können. Diese Platten sollten mindestens 40 cm hoch sein, besonders schick und als Sicherung optimal ist eine Höhe von 80 cm. Da die Platten leicht sind, hält es, wenn sie einfach mit doppelseitigem Klebeband an die Wand geklebt werden. Es ist natürlich auch möglich, ein einfaches Holzgerüst an der Wand anzubringen und die Platten daran festzuschrauben. Wenn am oberen Rand eine schicke Borte angebracht wird, sieht diese Variante richtig edel aus. Allerdings muss darauf geachtet werden, dass die Ränder gut aneinander liegen, sonst nagen die kleinen Biester natürlich direkt an den Rändern der einzelnen Platten munter weiter.

Plexiglas: Es ist ebenso möglich, Plexiglasplatten, Bastlerglasplatten oder andere durchsichtige Scheiben/Platten aus dem Baumarkt zu verwenden. Bastlerglas gibt es in verschiedenen Größen zu kaufen, die Platten können, mit Gewebeband verbunden, auch als variables Gehege aufgestellt werden.

Fenster und Türen

Kaninchen nagen gern mal Türzargen an. Nicht jeder Vermieter ist erfreut darüber, deshalb müssen Türen geschützt werden. Sollen die Kaninchen durchgehend frei in einem Zimmer leben, ist es sinnvoll, den Bereich vor der Tür mit einem verstellbaren Gitter oder der oben beschriebenen Plexiglassicherung abzutrennen. Das hat auch den Vorteil, dass der Halter das Zimmer jederzeit schnell betreten kann und die Tür nicht vorsichtig öffnen muss, weil vielleicht ein Kaninchen dahinter liegt. Die Sicherung vor der Tür sollte gut 80 cm hoch sein. Damit sie von den Kaninchen nicht beiseite geschoben wird, ist es sinnvoll, sie mit Klettband an der Wand zu fixieren. Bei ungesicherten Türen, die sich nach innen öffnen, ist ein Warnschild an der Tür angebracht, das einen immer wieder daran erinnert, die Tür langsam zu öffnen. Denn sonst könnte ein hinter der Tür liegendes Kaninchen verletzt werden. Leider kommt es trotzdem immer wieder zu Unfällen, vor allem dann, wenn die Halter unter Stress die Tür doch schnell aufreißen, sei es, weil sie schnell noch vor einem Termin die Tiere füttern wollen oder weil sie aus dem Raum beängstigende Geräusche hören und schnell nachschauen wollen.

Manche Halter hängen auch einfach gleich die Tür aus und bringen stattdessen ein halbhohes Gitter an. Jüngere Tierhalter überklettern dieses einfach, wenn sie zu ihren Kaninchen gelangen wollen, ältere Semester bringen das Gitter so an, dass es sich öffnen lässt ;)

Die Fenster sind ein geradezu magischer Anziehungspunkt für manche Kaninchen. Es gibt durchaus kleine Springmäuse, die gern auf die Fensterbänke hüpfen und sich dort die Zeit damit vertreiben, aus dem Fenster zu schauen, oder im ungünstigeren Fall den Fensterrahmen zu zernagen. Stellen Sie keine Einrichtungsgegenstände so an die Wand unter dem Fenster, dass die Kaninchen über diese auf die Fensterbank kommen. Möchten Sie den Tieren erlauben, auf die Fensterbank zu gehen, dann müssen Sie zumindest beim Lüften dabei bleiben, damit die Kaninchen nicht regelrecht aus dem Fenster fliegen. Ein Gitter als Absicherung wäre sinnvoll, mindestens ein Fliegengitter sollte im Sommer ohnehin angebracht werden. Bei Kipplüftung ist darauf zu achten, dass die Kaninchen nicht durch den Spalt kommen, bringen Sie eine Fenstersicherung für Katzen an. Die Heizung, die sich ja meist unter dem Fenster befindet, kann übrigens mit Katzen-Heizungsliegen auch für Kaninchen interessant werden. Hat die Heizung auf der Oberseite dünne Lüftungsschlitze, sollte auch hier eine Sicherung angebracht werden, damit die Kaninchen darin nicht mit ihren Krallen hängen bleiben.

Einrichtung

Achten Sie bei der Einrichtung des Kaninchenzimmers auf eine kaninchengerechte Gehegestruktur. Die Einrichtungsgegenstände müssen denen eines normalen Geheges entsprechen, angefangen von Tränken und Futternäpfen bis hin zu den Toiletten, Schlafplätzen und Spielsachen. Viele Ideen für eine abwechslungsreiche Gehegeeinrichtung sind hier zu finden: Einrichtungsideen für Wohnungskaninchen.

Hier können Sie sich ein solches Kaninchenzimmer anschauen:
25 m² Kaninchenzimmer für vier Kaninchen

20 m² Kaninchenzimmer für zwei Kaninchen


Freilauf in der ganzen Wohnung

Manche Halter möchten ihre Kaninchen in der Wohnung frei laufen lassen. Immer wenn sich Mensch und Kaninchen den Lebensraum teilen, sind besondere Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen, und vieles ist zu beachten.

Kaninchen sind Fluchttiere. Wenn sie sich erschrecken, flüchten sie am liebsten in ihren Bau, deshalb sollte ihr Gehege wärend des Auslaufs immer frei zugänglich sein. Die Kaninchen müssen ebenfalls immer selbst entscheiden, wann sie ihr Gehege verlassen, erzwungener Auslauf (indem die Tiere aus dem Gehege genommen werden) ist für die Tiere mit Stress verbunden. Achten Sie beim Auslauf immer darauf, dass die Kaninchen jederzeit Unterschlüpfe, Futter und Wasser zur Verfügung haben.

Kaninchen springen. Auch wenn die Kaninchen noch nie irgendwo drauf gesprungen sind, einmal ist immer das erste Mal. So mancher Kaninchenhalter hat schon verwundert festgestellt, dass Hoppel nach Jahren nun plötzlich doch auf den Schreibtisch springen kann, oder dass Fleckchen den Tag damit verbracht hat, das scheinbar unerreichbare Bücherregal leerzuräumen. Lassen Sie also niemals irgendetwas auf den Schränken, Tischen oder sonst wo liegen, was den Kaninchen gefährlich werden kann oder was Ihnen lieb und teuer ist, irgendwann kommen die kleinen Langohren doch daran.

Kaninchen nagen. Sofas, Tischbeine, Gardinen und alles, was sich annagen lässt, wird von den meisten Kaninchen früher oder später auch mal probiert. Morle hat zwar vier Jahre gebraucht, um die Designergardinen im Wohnzimmer meiner Eltern als Nagespaß zu entdecken, aber dann waren die Gardinen innerhalb kurzer Zeit massiv eingekürzt - quasi umdesignt.

Besonders Kabel sind als Nagematerial beliebt, die weiche Ummantelung übt auf manche Kaninchen einen großen Reiz aus. Damit die Tiere keinen Stromschlag bekommen und Ihre Elektrogeräte weiter funktionstüchtig bleiben, sollten alle Kabel gesichert werden. Kabel werden in Kabelkanälen oder unter dem Teppich/den Fußleisten verlegt. Kabel hinter Schreibtischen oder Fernsehern werden zusammengebunden und in eine schlichte Holzverkleidung gesteckt. Oder die Möbel werden so gesichert, dass die Kaninchen nicht dahinter kommen können.

Kaninchen buddeln. Zimmerpflanzen werden sehr gern ausgebuddelt.

Kaninchen fressen. Giftpflanzen werden leider auch angenagt. Kaninchen können zwar teilweise Giftpflanzen selektieren und nagen nicht alle Pflanzen an, aber gerade exotische Pflanzen werden leider doch verspeist, vor allem, wenn die Tiere nicht ad libitum gefüttert werden und schlicht Hunger haben. Hungrige Kaninchen könnten Dinge fressen, die ausgesprochen ungesund oder sogar giftig sind, sogar Zigaretten wurden schon von Kaninchen angenagt. Auch die dekorative Obstschale auf dem Tisch ist nicht sicher vor den Kaninchen und so eine zuckersüße Mahlzeit ist nicht unbedingt gesund. Gefährlich wird es, wenn es sich um Süßigkeiten oder sogar Kerzen handelt, auch das wird angenagt und leider auch gefressen.

Kaninchen sind neugierig. Sie schauen überall rein und schnuppern an allem. Deshalb muss alles gesichert werden, was ihnen gefährlich werden kann. Allem voran sind da natürlich Steckdosen zu nennen, die mit Kindersicherungen gesichert werden sollten.

Auch enge Spalte hinter Schränken oder unter Möbeln sollten verschlossen werden. Wenn ein Kaninchen in Panik ist, z. B. weil es Rangstreitigkeiten gibt oder es noch nicht zahm ist und vor dem Halter fliehen will, quetscht es sich in der Panik auch in Ritzen, die zu eng sind. Da können sich die Tiere regelrecht verkeilen und sich dabei böse Quetschungen zuziehen. Nicht immer ist es dann möglich, die schwere Schrankwand einfach beiseitezuschieben, um das Tier zu retten. Sorgen Sie also von vornherein dafür, dass solche Ecken nicht zugänglich sind.

Kaninchen klettern auch gern in Waschmaschinen, abgestellte Körbe und sogar in einen unbeaufsichtigen, offengelassenen Kühlschrank - alles schon da gewesen. Auch offene Schranktüren und große Schubladen können interessant werden - und so ist das Kaninchen nach dem schnellen Schließen der Türen eingesperrt und verschwunden, nicht alle Tiere machen sich dann durch Klopfen bemerkbar.

Türen sind bei ganz freier Wohnungshaltung immer ein Problem. Sie müssen so gesichert sein, dass sie bei Durchzug nicht einfach zufallen, denn eine zufallende Tür kann ein Kaninchen regelrecht durch die Wohnung schleudern. Eine schnell aufgerissene Tür kann das Tier ebenfalls verletzen.

Kaninchen klettern. Eine Fußbank die zu nahe am Fenster steht, ein Stuhl der vom Tisch abgerückt ist, ein unachtsam abgestellter Karton, Regale und alles, was sich sonst noch eignet - all das wird zur bequemen Kaninchentreppe, über welche die kleinen Mitbewohner höher gelegene Gefahrenzonen erreichen können.

Auch der Mensch selbst ist gefährlich. Gerade wenn die Tiere immer frei laufen, gewöhnt sich der Mensch daran und wird unaufmerksam. Schnell passiert es dann, dass er sich auf das Kaninchen setzt, das eben noch nicht da auf der Couch war , oder dass der Fuß direkt auf dem Kaninchen steht, welches eben gerade bettelnd angehoppelt kam. Schnell wird eine Tür geschlossen, durch die ein Kaninchen aber gerade neugierig heraus schaut, oder die Wohnungstür bleibt kurz offen, weil man ja nur eben (...) und schon ist das Kaninchen fröhlich in die Freiheit spaziert und im schlimmsten Fall wird es nicht wieder gefunden!

Ich bedanke mich bei Rotraud Hellhake für das Lektorat.