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Fallbericht Tropische Rattenmilbe

Dies ist ein Fallbericht zur tropischen Rattenmilbe von Nicole T.

Tierbestand: Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster, Mäuse.

Vorgeschichte:
Es fing damit an, dass ich jeden Tag vermehrt extrem stark juckende Hautstellen hatte, die wie geschwollene Mückenstiche aussahen - rötlich, ca. 1 mm bis 1 cm groß und meistens ein paar nebeneinander. Hauptsächlich im Schulter-Nackenbereich, an den Hüften und an den Kniekehlen. Die Diagnose vom Hautarzt waren Insektenstiche (Anmerkung: Leider wird hier oft fälschlicherweise eine Allergie diagnostiziert). Der Verdacht fiel allerdings auf Mücken oder Flöhe (auch seitens der Tierärzte, die bislang zwar über die tropische Rattenmilbe durch Fachberichte informiert sind, aber die Verbreitung nach wie vor oft unterschätzen). Die juckenden Hautstellen konnte ich sehr gut mit Hautspiritus und der Anaesthesulf Lotion behandeln, wobei die täglich neuen Stiche sowie leichte Narben/Rückstände der alten Stiche bei mir nicht ausblieben (Anmerkung: Hierzu stellte sich inzwischen heraus, dass diese extreme Reaktion bei mir in Zusammenhang mit meiner Allergie gegen Hausstaubmilben zu sehen ist).

Diagnose:
Letztendlich stellte sich dann durch eine zufällige Entdeckung heraus, dass der Verursacher die tropische Rattenmilbe war, die wahrscheinlich durch meine neuen Farbmäuse eingeschleppt wurden. Als ich die Milben entdeckt habe, waren sie bei den Hamstern und Mäusen bereits gut ausgebreitet. Meine Kaninchen und Meerschweinchen wurden anscheinend verschont - dies lässt sich wahrscheinlich damit erklären, dass die Milben Mäuse und Hamster bevorzugen und diese ja ausreichend vorhanden waren. Die Milben waren bei den neuen Tieren (Mäusen) nicht zu entdecken, da sie nur in einem sehr jungen Status auf dem Wirt leben können - jedoch in dieser Größe noch nicht für das menschliche Auge gut sichtbar sind. Dies ändert sich jedoch, wenn sie zu adulten Milben heranwachsen: In den Farben schwarz, grau und auch vereinzelt knallrot (nach dem Vollsaugen) und in der Größe von einem halben Stecknadelkopf verlassen Sie den Wirt nach ca. 20 Minuten Blutsaugen und sind -in meinem Fall- deutlich auf den Einrichtungsgegenständen des Käfigs + Umgebung zu finden gewesen (bevorzugt auf Holz). Manche krabbeln munter umher, andere bewegen sich nicht vom Fleck. Es bedarf also einer extrem genauen und geduldigen Beobachtungsgabe, die Milben zu entdecken.

Bekämpfung der Milben in der Wohnung:
Zuerst habe ich ein paar Milben auf einen Tesastreifen geklebt und zur Parasitologie zur genauen Definition gebracht. Die 20,- Euro sind gut investiert, da es besonders bei Milben schnell zu Verwechslungsmöglichkeiten kommen kann und die Behandlung variiert. Da ich sehr viele Nager besitze, war die Bekämpfung bei mir entsprechend aufwendig. Hier meine Vorgehensweise, die bei mir zur erfolgreichen Bekämpfung gereicht hat: Den Zimmerboden abdecken. Zum eigenen Schutz Latex-Handschuhe anziehen. Den Käfig/Aquarium auf den Boden stellen, das Tier herausnehmen und mit einem Anti-Parasitenmittel behandeln (siehe Beschreibung unten) und für 30 Minuten in einen extra Behälter setzen. Die Einrichtungsgegenstände vom Käfig behandeln: Plastik in eine Wasserschüssel tauchen und mindestens 30 Minuten drin lassen - anschließend gut abwaschen, abtrocknen und mit Bactazol-Spray einsprühen, trocken lassen (evtl. auch in die Gefriertruhe für 3 Tage). Holzgegenstände: auf denen es krabbelt sofort wegwerfen bzw. in den vorbereiteten Müllsack. Holzgegenstände, auf denen es nicht krabbelt für 45 Minuten bei 125 Grad im Backofen rausbacken. Die komplette Einstreu vom Käfig vorsichtig in den Müllsack kippen. Indorex-Spray in den Müllsack nachsprühen und sofort in die externe Mülltonne bringen (möglichst weit weg vom Haus). Den Käfig in der Badewanne/Dusche mit starkem Wasserstrahl gründlich auswaschen und abtrocknen. Mit Bactazol einsprühen, trocknen lassen. Nach ca. 30 Minuten neue Einstreu und die behandelten Einrichtungsgegenstände in den Käfig geben (Anmerkung: Neue Einstreu kaufen und ganz frisch verwenden - da hier die Chance besteht, dass diese noch nicht von den Milben befallen ist - alte Einstreu sowie geöffnetes Futter ebenfalls in die Mülltone!). Das Tier kann nun zurück in den Käfig - diesen aber noch in einem anderen Raum der Wohnung aufstellen! Die komplette Behandlung und Vorgehensweise gilt übrigens für alle Tiere, die in diesem Zimmer waren, auch wenn sie als "nicht-befallen" eingeschätzt werden (also ggf. auch Hund und Katze sowie deren Schlafplätze). Nun folgt die Behandlung der Umgebung. Ich habe den kompletten Umkreis sowie die Möbel abgesaugt und großzügig mit Indorex Spray behandelt (besonders Ritzen!!). Anschließend gut lüften und mindestes 3 Stunden das Zimmer nicht betreten bzw. das Tier natürlich auch noch nicht reinstellen.

Behandlung der Tiere:
Siehe die genaue Beschreibung in den Parasiteninfotexten dieser HP! Meine Kaninchen, Meerschweinchen und Hamster habe ich mit Stronghold behandelt (muss nach 3 Wochen wiederholt werden). Hier ist die genaue Dosierung wichtig (beim Hamster max. 1 Tropfen!). Bei Mäusen empfiehlt sich Frontline, da dies deutlich besser vertragen wird (Wiederholung nach 1 Woche). Allerdings auch hier nochmals der Hinweis, dass im Gegenzug Frontline von Kaninchen NICHT vertragen wird und auf keinen Fall bei Kaninchen angewendet werden darf. Stronghold ist leider viel teuerer als Frontline, aber hat (laut dem Hersteller) den Vorteil, dass Milben in jedem Status (auch Eier) abgetötet werden, was bei Frontline leider nicht der Fall ist.

Sonstige Anmerkungen:
Die genannte Reihenfolge der Bekämpfung empfiehlt sich, da die Milben ein behandeltes Tier meiden (!) und sich dadurch erst recht in der Wohnung verbreiten bzw. auf der Suche nach einem neuen Wirt umherwandern. Die Milben können dort recht lange ohne Nahrung überleben. So lange das Tier noch nicht behandelt ist, bleibt die Milbe im Regelfall in dessen direkter Nähe und die Auswanderung ist normalerweise nicht zu befürchten.

In meinem Fall hat mich ein FTA für Parasitologie zu Hause besucht, der div. Fälle fotografiert und für Aufklärungs- und Bekämpfungszwecken sammelt. Von ihm wurde mir berichtet, dass die tropische Rattenmilbe extrem verbreitet ist und sehr viele Zoogeschäfte und Züchter betroffen sind. Eine sofortige und gründliche Behandlung und Bekämpfung ist unumgänglich (!), da sich die Milben sonst extrem vermehren. Der Parasitologe hat von einigen Todesfällen unter den betroffenen Haustieren berichtet sowie von sämtlichen Fällen, bei denen die kompletten Wohnhäuser evakuiert werden mussten! In einem Fall haben sich die Milben wohl sogar in einem Faxgerät eingenistet.

Ein interessanter Link mit Bildern: Wieland Beck: Nachweis der Tropischen Rattenmilbe (Ornithonyssus bacoti) beim Menschen in München

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