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Rennmäuse miteinander vergesellschaften

Rennmäuse sind sehr soziale Tiere, die niemals allein gehalten werden sollten. Wenn ein Tier einen Partner verliert, wird es aber nicht ohne Weiteres einen neuen Partner in seinem Revier dulden. Sie sollten sich beim Zusammen bringen der Tiere unbedingt an einige Vergesellschaftungsregeln halten.

Rennmäuse sind sehr revierbezogene Tiere, sie verteidigen ihr Revier/also ihr Gehege, gegen jeden Eindringling, auch gegen fremde Rennmäuse. Innerhalb einer Gruppe gibt es eine feste Rangordnung, mit ranghohen Tieren und Tieren, die sich unterordnen. Wird eine fremde Rennmaus in das Revier einer bestehenden Gruppe gesetzt, wird sie von den dort lebenden Rennmäusen nicht einfach angenommen. Sie riecht falsch und wird deshalb bekämpft. Selbst wenn die Rennmaus sich fremden gegenüber aufgeschlossen zeigen, muss das neue Tier sich unterordnen und muss sich ihren Rang innerhalb des Rudels erst erkämpfen.

So nicht!

Rennmäuse sind sehr revierbezogene Tiere, daher ist es nicht ratsam, ein neues Tier einfach so in das vorhanden Gehege zu setzen - das führt häufig zu schweren Rangkämpfen und schlimmstenfalls sogar zum Tod eines Tieres! Grundsätzlich ist davon abzuraten, Gruppen miteinander zu vergesellschaften oder in eine bestehende Gruppe neue Mitglieder einzubringen. Eine Vergesellschaftung ist im Grunde nur dann sinnvoll, wenn Sie einem Einzeltier einen neuen Partner gönnen wollen. Siehe dazu auch: Ideale Gruppengröße.

Partnerwahl

Ideal wäre es, wenn Sie ein gemischtgeschlechtliches Paar halten würden, das ist die natürlichste Variante. Allerdings ist das nur dann sinnvoll, wenn der Bock kastriert ist und das Kastrieren von Böcken ist eine komplizierte Operation die von den meisten Tierärzten noch nicht durchgeführt werden kann. Auf keinen Fall sollten Sie ein gemischtgeschlechtliches Paar Rennmäuse dauerhaft ohne Kastration zusammen halten - siehe auch: Rennmaus Nachwuchs. Erkundigen Sie sich vorab, ob Sie einen Tierarzt finden, der diese OP durchführt.

Sollten Sie diese Möglichkeit nicht haben, raten wir zu gleichgeschlechtlichen Tieren, wobei Böcke etwas friedlicher zusammen leben als Weibchen, aber auch das ist nur ein Erfahrungswert, es gibt auch durchaus friedliche Damen. Relativ einfach ist die Vergesellschaftung von Jungtieren bis 10 Wochen. Diese haben noch kaum Rudelgeruch und finden sich schnell zusammen.

Ein erwachsenes Tier kann ebenfalls leichter mit einem Jungtier von 8 - 12 Wochen vergesellschaftet werden (auf keinen Fall jünger!). Das Jungtier wird sich dann dem alten Tier schnell unter ordnen. Mitunter ist es auch gut möglich, einem erwachsenen Tier gleich zwei Jungtiere unter 10 Wochen dazu zu gesellen. Ich empfehle das allerdings nicht, da Dreiergruppen grundsätzlich instabiler sind.

Zwei erwachsene Tiere aneinander zu gewöhnen ist aufwendig. Aber auch hier kann es zu einer stabilen Paarbildung kommen, wenn der Halter mit viel Ruhe und Zeit an die Sache heran geht.

Folgende Möglichkeiten der Vergesellschaftung gibt es:

Ideal sind meist Kombinationen verschiedener Vergesellschaftungsarten.

Trenngittermethode

Die Trenngittermethode wird angewandt, um ältere Tiere langsam aneinander zu gewöhnen. Ebenso wird sie auch bei Tieren die schon vergesellschaftet waren und ich gestritten haben oder wegen Krankheit getrennt waren eingesetzt um sie wieder aneinander zu gewöhnen. Auch bei Tieren, die sehr unruhig und angriffslustig sind, hat sich das Trenngitter bewährt.

Dazu wird das Gehege in der Mitte getrennt, hierfür eignen sich nur Gehege ab einer Bodengröße von 100 x 50 cm, also einer Grundfläche von 0,5 m² oder größer. Trennen Sie das Gehege der Tiere in der Mitte mit zwei Gittern - die Tiere sollen sich sehen und riechen, aber noch nicht erreichen können. Das Trenngitter
Ein stabiles Trenngitter wird folgendermaßen gebaut: Messen Sie die Innenmaße des Beckens sorgfältig aus, bauen Sie zwei Holzrahmen die exakt hochkant ins Becken passen, tackern Sie an den einen Rahmen einen engmaschigen Vierkantdraht und nageln sie dann den anderen Rahmen dagegen, so das die Tiere sich nicht an überstehenden Gittern verletzten können. Sichern Sie den Rahmen oben am Beckenrand oder legen Sie beidseitig unten noch einen Ziegelstein dagegen, damit das Gitter nicht verrutscht. Um ganz auf Nummer. Sicher zu gehen, ziehen Sie noch ein zweites Gitter ein - bauen Sie einen 1 cm dicken Zwischenrahmen und tackern Sie beidseitig Gitter an - so können die Tiere sich durch das Gitter auf keinen Fall verletzen.

Seitenwechsel
Wenn die Rennmäuse handzahm und ruhig sind, können Sie einfach jeden Tag die Mäuse von einer Seite zur anderen wechseln. Sie schlafen dann im Nest des anderen und dieser in ihrem und nehmen so einen Rudelgeruch an. Es ist auch möglich, einfach Teile der Einstreu und vor allem das Nest zu wechseln, das wäre für nicht zahme oder sehr nervöse Tiere angenehmer. Bieten Sie das Futter direkt am Gitter an, damit Sie sehen, ob die Tiere ruhig nebeneinander fressen oder ob sie dabei zu nervös werden und das Futter nur weg schleppen.

Wenn sich die Renner durch das Gitter angreifen wollen, das Fell stark sträuben und aggressiv wirken, lassen Sie die Tiere nicht zusammen!

Verhalten sich die Rennmäuse neugierig, schnüffeln sie sich gegenseitig im Gesicht, versuchen sie sogar sich zu putzen, dann können Sie ein Gitter entfernen, so dass die Tiere sich direkt beschnüffeln können. Bleiben die Tiere ruhig, beschnüffeln sie sich und versuchen sie vielleicht sogar sich zu putzen, dann können Sie bald den nächsten Schritt wagen.

Üblicherweise reicht eine Woche Seitentausch und Trennung aus und es kann mit der nächsten Phase begonnen werden. Sie können die Tiere nun kurz in einen Kleinraum setzen oder auf neutralem Boden zusammen bringen. Sind die Tiere auch nach zwei Wochen am Gitter noch immer aggressiv, dann sollten Sie auf weitere Vergesellschaftungsversuche verzichten.

Sie können die Tiere nun kurz in die Kleinraum selzen oder auf neutralem Boden zusammen bringen.

Der Kleinraum

Der Kleinraum, ist zwar eine schnelle, aber auch mitunter gefährliche Variante. Sie eignet sich um Tiere unter 10 Wochen schnell miteinander zu vergesellschaften oder um ein so junges Tier zu einem alten Tier zu gesellen. Die Kleinraummethode ist mitunter auch Teil der länger dauernden Vergesellschaftung von erwachsenen Tieren mit Trenngitter.

Vor der Kleinraum sollte immer ein kurzes Kennenlernender Tiere auf neutralem Boden stehen. Sind die Tiere dort extrem aggressiv und gehen sie wild aufeinander los, dann verzichten Sie bitte auf einen Vergesellschaftungsversuch. Sind die Tiere sehr friedlich und finden sie schon dort zusammen, ist die Kleinraum oft gar nicht mehr nötig und die Tiere können im Auslauf bleiben und bald in ihr Gehege ziehen. Zum Einsatz kommt die Kleinraum, wenn es nicht ganz sicher ist, ob die Tiere sich verstehen oder nach einer längeren Zeit mit der Trenngittermethode. Um ganz sicher zu gehen, dass die Rennmäuse sich vertragen, werden sie vor dem Einsetzen in ihr eigentliches Heim für einige Stunden in die Kleinraum verfrachtet. Bei Jungtieren reicht es oft auch aus, sie für noch kürzere Zeit in die Kleinraum zu setzen, um zu schauen, wie sie aufeinander reagieren, wenn sie sich nicht mehr aus dem Weg gehen können (wie das bei dem neutralem Boden der Fall ist).

Bereiten Sie eine Transportbox oder ein kleines Gehege für die Vergesellschaftung vor. Kleinraum sollte die Maße 40 x 30 cm, also eine Grundfläche von ca. 0,12 m² nicht sehr überschreiten. Achten Sie aber auf Luftlöcher und mindestens ein Guckloch (besser mindestens eine durchsichtige Wand), durch das Sie das Treiben in der Box beobachten können! Streuen Sie die Box neu ein (oder verwenden Sie gebrauchte Streu von beiden Tieren), geben Sie gebrauchtes Nistmaterial aus beiden Nestern dazu und verteilen Sie einen Esslöffel Futter darin. Um den Tieren Flüssigkeit zu zuführen, legen Sie dünne Gurkenscheiben in die Kleinraum.

Setzen Sie die Rennmäuse möglichst gleichzeitig in die Transportbox und schließen Sie den Deckel. Die Tiere werden sich im Normalfall beschnuppern und evtl. auch aufsteigen, d. h. sie werden sich gegenseitig mit den Vorderpfoten anstupsen und Fieptöne von sich geben, sie werden sich auch ein wenig im Kreis jagen. Es kommt meist irgendwann zur Unterwerfung: Ein Tier liegt am Boden auf der Seite, meist mit verengten oder geschlossenen Augen, das andere hält es am Kopf fest und beide bleiben einige Sekunden so stehen. Das ist meist ein erster Schritt zur Rangordnungsfindung. Das Verhalten ist also ganz normal.

Meist schon nach kurzer Zeit wird es ruhiger in der Box. Die Tiere fangen an zu fressen, bauen ein Nest oder schlafen sogar schon zusammen. Dann dürfen sie zusammen in ihr Gehege ziehen. Wie es weiter geht, ist hier nachzulesen: Im Gehege.

Neutraler Boden

Wenn Sie sehr junge Tiere unter 10 Wochen miteinander oder mit einem älteren Tier vergesellschaften ist es mitunter auch möglich, sie einfach auf neutralem Boden zusammen zu setzen, bevor sie in ihr eigentliches Gehege ziehen. Der neutrale Boden ist auch geeignet, um nach der Trenngittermetode zu sehen, ob die älteren Rennmäuse sich vertragen.

Bereiten Sie dafür z. B. die Badewanne oder einen abgetrennten Auslauf vor. Dort sollte ein Häuschen vorhanden sein, in das beide Rennmäuse sich flüchten können, welches aber auch 2 Eingänge aufweist, damit die im Streit unterlegene Maus leichter flüchten kann, besonders gut eignen sich dafür Kork- oder Weidenzweigtunnel. Das gemeinsame im Unterschlupf sitzen fördert das Zusammengehörigkeitsgefühl. Ein Sandbad hilft dem Stressabbau und sorgt für einen gemeinsamen Geruch, wenn beide Rennmäuse es verwenden. Sie sollten das Geschehen für mehrere Stunden im Auge behalten und bei Beißereien sofort eingreifen. Vertragen sich die Rennmäuse für mehrere Stunden im Auslauf, kann der nächste Schritt der Vergesellschaftung in Angriff genommen werden. Die beiden Racker kommen für kurze Zeit in den Kleinraum oder dürfen gleich zusammen ins Gehege.

Wie es weiter geht, ist hier nachzulesen: Im Gehege.

Zusammen im Gehege

Nach der Vergesellschaftung der Tiere mit Trenngitter, oder auf neutralem Boden und nur wenn sich die Racker in der Kleinraum auch gut vertragen und viel kuscheln (sie sollten sich auf keinen Fall mehr kugeln, beißen, stark betrommeln oder massiv jagen; kleine Kabbeleien sind aber normal), sollten die Tiere in ein neues Zuhause umziehen.

Das neue Gehege wird vorab gründlich gereinigt. Um Duftspuren los zu werden, können Essigwasser oder Zitronenwasser verwendet werden, hinterher muss aber alles sehr sehr gründlich abgespült werden. Es sollte möglichst auch ein neuer Standort für das Gehege gewählt werden. In das Gehege kommen erst einmal nur: Einstreu (auch die alte Einstreu aus der Kleinraum und der Badewanne!), Heu, Nistmaterial, Klorollen, Unterschlupf und Sandbad, sowie natürlich Futter und Wasser (dieses kann sauber auf einer Etage angeboten werden)

Ein Streutausch sollte die nächsten Wochen nicht vorgenommen werden. Idealerweise werden nur bei Bedarf Teilreinigungen vorgenommen. Wenn es nötig ist wird verschmutze Einstreu entfernt.

Wenn möglich, bieten Sie frisch vergesellschafteten Tieren erst einmal nur ein 100 x 40 cm großes Becken an, bei unsicheren Tieren, die sich noch viel kabbeln wäre ein kleineres Becken, oder ein abgetrennter Bereich im Becken sinnvoll (einfach ein passendes Holzbrett hochkant ins Becken stellen, gut von oben mit Haken sichern, auf der nicht verwendeten Gehegeseite das Brett mit Ziegelsteinen stützen). Erweitern Sie das Gehege dann schrittweise. Vertragen sich die Tiere im neuen Gehege, können Sie das Laufrad anbieten und dann Schritt für Schritt immer nur ein neues Spielzeug und einen neuen Einrichtungsgegenstand. Beobachten Sie gut, ob sich die Tiere weiterhin vertragen. Gibt es wieder Zoff, müssen die Tiere wieder kleine gesetzt werden. Schlimmstenfalls, also wenn es wieder zu starken Streitereien oder gar Bisswunden kommt muss wieder von Vorne - also mit Kleinraum und Trenngitter - angefangen werden.

Trennen von inneinander verbissenen Tieren

Solange die Tiere während den Vergesellschaftungsversuchen, nicht länger als 5 Sekunden als Knäuel zusammensitzen und sich beißen, sollten Sie nicht einschreiten, danach jedoch sofort.

Versuchen Sie nicht mit der bloßen Hand dazwischen zu greifen wenn die Tiere sich verbissen haben! In der Aufregung beißen die Tiere zu, auch in Ihre Hand. Die Methode, sie mit Handschuhen auseinander zu ziehen ist auch sehr umstritten, denn oft werden die Rennmäuse durch das Auseinanderziehen stark verletzt, wenn eine Rennmaus sich in die Andere verbissen hat.

Versuchen Sie statt dessen, mit einer dicken Pappe zwischen die streitenden Tiere zu kommen und sie so zu trennen.

Eine weitere Möglichkeit der Trennung: Rascheln sie neben den Streithähnen in der Einstreu, das lenkt ab. Lassen Sie etwas Heu oder ein paar Schnipsel Nistmaterial auf die Tiere fallen - natürlich nur ganz leichte Sachen, es soll die Tiere irritieren, nicht verletzen!

Abschließend:

Damit die Tiere sich schneller "riechen" können, wird leider immer noch empfohlen, Duftstoffe einzusetzen. Oft werden Parfüms empfohlen, allerdings enthalten diese für eine Menge für Rennmäuse giftige Stoffe (ätherische Öle, Alkohol etc. ), diese werden von den Rennmäusen abgeleckt und können zu Vergiftungen führen. Auch andere Duftstoffe (Puder, parfümierte Einstreu etc.) sollten nicht eingesetzt werden. Sie enthalten ebenfalls häufig schädliche Stoffe. Außerdem verfliegt der Duft bald und der Eigengeruch kommt durch - da die Tiere in der Zeit keinen Gemeinschaftsgeruch durch ihren Eigengeruch entwickeln konnten, wird es dann stressig - also kommt der Streit nur Zeitversetzt.

Bei älteren Tieren kommt es öfter vor, dass sie kurz nach dem Verlust des Partners noch nicht bereit sind, sich neu vergesellschaften zu lassen. Nach Möglichkeit sollten Sie Ihr älteres Tier, z. B. wenn es den Partner verloren hat, erst ein paar Tage alleine lassen (ca. 5 Tage). Erfahrungen haben gezeigt, dass eine Vergesellschaftung dann meist friedlicher abläuft, scheinbar freut sich die Rennmaus dann über einen neuen Artgenossen. Sehr aggressive Tiere müssen ggf. auch mal ein paar Wochen ohne Partner leben, aber dann freuen auch sie sich meist wieder über einen Partner.

Nicht alle Tiere passen zusammen! Wenn die Tiere sehr aggressiv aufeinander reagieren und überdeutlich eine Abneigung gegen den, von Ihnen gewählten, Partner zeigen, nach zwei Wochen am Trenngitter nicht ruhig werden, dann sollten Sie nicht versuchen, diese Tiere zusammen zu zwingen!

Links

Ausführliche Berichte von Rennmausvergesellschftung können Sie hier nachlesen:

Tagebuch einer Vergesellschaftung von zwei älteren Böcken

Forum-haustiere.de/Vergesellschaftung erwachsener Weibchen

Sollten Sie Probleme mit der Vergesellschaftung von Rennmäusen haben, finden Sie hier kompetente Ansprechpartner und weitere Tipps und Artikel zum Vergesellschaften:
Mausebande Forum