NagerInfoLemmingHamsterZwerghamsterMeerschweinchenChinchillaRatteMausDeguKaninchenRennmaus

Allergieauslöser bei Kleintieren

Ein bisher viel zu wenig beachteter Krankheitsauslöser beim Kleintier sind die Allergien. Häufig wird einfach von chronischen Krankheiten ausgegangen, wenn eine Tierarztbehandlung nicht anschlägt. Aber längst nicht jede Maus, die sich wund kratzt ist gleich eine chonische Kratzmaus und nicht jedes niesende Kaninchen hat dann eben Kaninchenschnupfen. Wenn Kleintiere wie Kaninchen, Ratten, Mäuse, Meerschweinchen und andere sich häufig kratzen, Durchfall haben, niesen, die Augen tränen oder sie Nasenausfluss haben, dann können auch Allergien der Auslöser sein.

Bei allen diesen Symptomen wird natürlich zuerst ein Tierarzt aufgesucht! Niesen und Nasenausfluss weisen zuerst auf eine Infektion der Atemwege hin. Tränende oder eitrige Augen haben ihre Ursache meist in Bindehautentzündungen, Pilzinfektionen oder auch in Kieferabszessen. Häufiges Kratzen weist auf Parasiten- oder Pilzbefall hin. Durchfall kann viele verschiedene Ursachen, wie Bakterien, falsche Fütterung oder eine Vergiftung haben.

Der Tierarzt wird das erkrankte Tier gründlich untersuchen. Es werden ggf. Abstriche gemacht, Kulturen angelegt, die Ernährung der Tiere wird besprochen und es wird bei Bedarf mit entsprechenden Medikamenten (Antibiotikum bei Infektionen, Parasiten und Pilzmittel) behandelt.

Wenn keine Behandlung einen Erfolg zeigt, dann könnte eine Allergie der Auslöser für die Probleme sein.

Allergieauslöser direkt am Tier/im Gehege

Getrocknetes Futter: Bei Durchfall werden alle vorhandenen Trockenfuttermittel entsorgt und durch neue Futtermittel ersetzt. Alle getrockneten Futtermittel, egal ob Getreide, Sämereien, Trockengemüse, Trockenkräuter etc. können mit Schimmel und Parasiten belastet sein. Eine längere Lagerung sorgt häufig für vermehrten Schimmel und Parasiten im Futter.

Frischfutter: Achten Sie darauf, ob bestimmte Frischfuttersorten zu Problemen führen. Waschen und trocknen, bzw. schälen Sie jedes Frischfutter vor dem Verfüttern! Geben Sie eine Woche lang nur Frischfuttersorten, bei denen Sie sicher sind, dass sie vertragen werden. Haben sich die Symptome verbessert, geben Sie jede Woche eine einzige neue Sorte zusätzlich und achten Sie genau auf z. B. Kotveränderungen, so können ggf. unverträgliche Lebensmittel herausgefunden werden.

Einstreu: Verwenden Sie eine neue Einstreu für das Tiergehege. Gerade Weichholzspäne können zu Haut- oder Atemwegsproblemen führen, da sie häufiger aus schnell nachwachsendem Nadelholz hergestellt werden und diese ätherische Öle enthalten. Staubige Einstreu kann die Atemwege stark reizen, stellen Sie auf staubarme Sorten um. Gut vertragen werden meist Lein-, Hanf- und Maiseinstreu, Miscanthus, und Buchenholzgranulate.

Hölzer und Rinden: Vor allem Nadelbaumhölzer sind nicht nur bei Verzehr teilweise unverträglich, sie enthalten auch verschiedene ätherische Öle, welche die Schleimhäute stark reizen können. Manche Nager reagieren auch auf andere Gehölze, dazu gehört auch Kork, ebenfalls mit Allergien vor allem in Form von Atemwegsbeschwerden.

Heu und Stroh können stark mit Schimmel und Pilzen belastet sein. Diese können zu massiven Atemwegserkrankungen führen. Starke Schimmelbildung kann leicht erkannt werden: Heu und Stroh klumpen, riechen muffig, sind feucht oder stauben sehr stark. Stroh weist bei Schimmel- und Pilzbefall schwarze Flecken auf. Leichter Schimmelbefall ist schwieriger zu erkennen, führt bei empfindlichen Tieren aber ebenfalls zu Atemwegsproblemen. Ein Geruchstest oder stärkere Staubentwicklung beim Aufschütteln geben Hinweise auf Pilzbefall.

Weizenstroh steht im Verdacht, stark mit Pestiziden belastet zu sein, verwenden Sie hier nur Bioware.

Auf Stroh und Heu muss deshalb nicht verzichtet werden, prüfen Sie aber jede neue Ware gründlich und bei Allergien wechseln Sie den Stroh-/Heuballen unverzüglich aus! Es hat sich als sinnvoll erwiesen, bei empfindlichen Tieren nur heißluftgetrocknetes Heu zu verwenden, da in diesem kaum Schimmel vorhanden ist. Weitere Informationen zum Heu finden Sie hier: Allerlei Heu.

Selten sorgen verschiedene Kräuter, Samen oder Grassorten für Allergien am Kleintier. Dann sollte der Halter versuchen, verschiedene Grassorten möglichst Sortenrein anzubieten (z.B. Lischengras/Luzerne/grüner Hafer) und getrocknete Kräuter ebenfalls nur Sortenrein anzubieten. Um heraus zu bekommen, welche Sorte zu Allergien führt, müssen verschieden Chargen selektiv angeboten werden. Grundsätzlich ist es sinnvoll, Heu aus verschiedenen Anbaugebieten zu verfüttern, manchmal sind die Allergieauslöser Gräser und Kräuter, die nur in bestimmten Gebieten wachsen. Dann werden z.B. Bioheusorten aus Bergregionen, von Streuobstwiesen und aus dem Flachland nacheinander ausprobiert, häufig werden dann einzelne Heusorten gut vertragen, andere hingegen nicht.

Stoffe / Kuschelsachen: Ein häufig vernachlässigter Allergieauslöser sind Waschmittel, Weichspüler und Duftstoffe. Wenn die Kleintiere Handtücher, Kuschelsachen oder andere Einrichtungsgegenstände im Gehege haben, die regelmäßig gewaschen werden, dann können parfümierte Waschmittel und Weichspüler bei den Tieren starke Atemwegsprobleme und Juckreiz auslösen. Verwenden Sie niemals Weichspüler! Benutzen Sie nur Waschmittel, die leicht oder gar nicht parfümiert sind. Wenn Allergien auftreten, wechseln Sie das Waschmittel. Schlichte Kernseife wird meist gut vertragen. Waschnüsse können auch verwendet werden, allerdings muss dann nach der eigentlichen Wäsche in der Waschmaschine noch einmal ohne Waschnüsse nachgespült werden (da die Waschnüsse auch beim Spülen Tenside abgeben, welche die Haut der Tiere stark reizen können). Neue Stoffe und Kuschelsachen sollten vor der ersten Verwendung unbedingt gewaschen werden, da sie häufig imprägniert sind und diese Stoffe die Atemwege und die Haut der Tiere reizen kann.

Gehegeeinrichtung/Gehege: Die Einrichtung im Kleintiergehege kann Kleintiere krank machen. Häufig werden Hölzer für Häuser und anderes Zubehör sehr stark imprägniert, nicht selten mit Formaldehyd. Es wurden sogar schon schädliche Stoffe in billigem Plastikzubehör gefunden (welches ohnehin nicht in den Käfig gehört, siehe auch: Tierwidriges Zubehör). Kaufen Sie nur Zubehör, bei dem Sie ganz sicher sein können, dass es ohne Schadstoffe her gestellt wird, wie z.B. die Produkte bei Rodipet und Getzoo. Auch das Gehege selbst kann krank machen, Hölzer aus dem Baumarkt, Spanplatten und Co. können behandelt sein und schädliche Stoffe ausdünsten.

Allergieauslöser Mensch

Auch der Tierhalter kann seinem Tier schaden. Parfüm, stark parfümierte Seifen und Handcremes können gerade bei Berührung beim Tier zu Allergien in Form von Hautreizungen und Atemwegsreizungen führen. Verzichten Sie also beim Kontakt mit dem Tier auf Parfüms, cremen Sie sich die Hände nicht direkt vor dem Umgang mit dem Tier ein.

Zigarettenrauch reizt selbstverständlich die Atemwege von Kleintieren massiv. Auch Duftöle, Räucherstäbchen, Raumdüfte, Duftkerzen und Raumsprays können die Atemwege der Kleintiere stark reizen. In dem Raum, in dem Kleintiere leben muss auf Zigaretten und andere Tabakwaren ebenso verzichtet werden, wie auf Raumduft und Räucherstäbchen.

Weitere Allergieauslöser

Zimmerpflanzen können Allergien auslösen. Viele Pflanzen dünsten verschiedene, allergieauslösende Stoffe aus. Auch wenn die Pflanzen bis zur Allergie kein Problem dar stellten, können Sie auch noch nach längerer Zeit zu Problemen führen: Die Erde der Zimmerpflanzen kann schimmeln, Blüten, die sich ja nicht das ganze Jahr an der Pflanze befinden, können allergieauslösende Stoffe hervorbringen. Wenn eine neue Allergie beim Tier auftritt, prüfen Sie die Erde der Zimmerpflanzen, topfen Sie die Pflanzen bei Schimmelbildung (weißer Belag auf der Erde) um, entfernen Sie blühende Pflanzen aus dem Zimmer.

Grundsätzlich kann die gesamte Wohnungseinrichtung Allergien beim Kleintier auslösen. Wenn eine neue Allergie auftritt und der Auslöser nicht im Tiergehege oder beim Menschen gefunden wird, dann überlegen Sie sich, welche neuen Möbel, Teppiche oder anderen Einrichtungsgegenstände Sie angeschafft haben. Neue Möbel, Wandfarben, Lampen und Teppiche können verschiedene Gifte ausdünsten. Häufig ist eine Allergie beim Tier dann ein erster Hinweis darauf. Diese Gifte können auch dem Menschen stark schaden, lassen Sie also ggf. die neuen Möbel auf Schadstoffe testen. Informationen zu Schadstoffen in Möbeln bekommen Sie hier:
Unsichtbare Bedrohung aus Möbeln - Formaldehyd
Stiftung Warentest / Wohngifte
Ökotest Suchfunktion benutzen, hier gibt es mehrere Artikel.

Suchen Sie in der Wohnung auch nach Schimmelstellen an den Wänden - vor allem in der Nähe des Geheges. Auch Wohnungsschimmel kann beim Tier und beim Menschen zu Krankheiten führen.