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Die Kräuter-Gerüchteküche

Kräuter sind ein unverzichtbarer Bestandteil des Speiseplans von verschiedenen Kleinnagern wie z. B. Kaninchen, Meerschweinchen, Degus und Chinchillas. Sie enthalten viele gesunde Nährstoffe wie sekundäre Pflanzenstoffe, Mineralien und Vitamine. Trotzdem wird im Internet immer wieder davor gewarnt, seinen Kleintieren Kräuter zu geben. Die Begründungen sind vielfältig: Kräuter hätten eine heilende Wirkung, die aber bei regelmäßiger Gabe nachlassen würde, manche Wirkstoffe seien außerdem schädlich oder gar giftig, außerdem seien die Pflanzen alle zu stark gespritzt und das enthaltene Kalzium würde zu Blasen- und Nierensteinen führen. Was ist dran an den vielen Gerüchten, was darf und sollte man als Halter denn nun geben? Anhand der Fragen, die mir immer wieder gestellt werden, möchte ich die Gerüchte hier einmal genauer unter die Lupe nehmen.

Haben alle Kräuter eine Heilwirkung?

Nahezu alle Kräuter, Blätter und Blüten haben die eine oder andere Heilwirkung, hervorgerufen unter anderem durch Schleimstoffe, Gerbstoffe, Flavonoide, ätherische Öle. Diese Stoffe sind in den Kräutern, die auf den Futterlisten für Kleintiere angegeben werden, allerdings nur in geringen Mengen vorhanden. Für die alternative Humanmedizin ("Phytotherapie/Kräutermedizin") wird die Wirksamkeit bereits durch eine besondere Art der Aufzucht und durch eine schonende Weiterverarbeitung, (z. B. zu Tee) gesteigert. Eine noch höhere Wirksamkeit wird durch die Herstellung von Pflanzenauszügen erzielt (Öle, Pulver, Tabletten). Die Heilwirkung der Produkte aus der Human- oder auch Tiermedizin ist daher nicht zu vergleichen mit der geringen Wirkung der Ursprungspflanzen (frisch oder auch getrocknet). Enthaltene ätherische Öle sind meist in geringen Mengen enthalten und wirken deshalb normalerweise auch nicht schädigend.

Wirkt sich die Heilwirkung auf gesunde Tiere negativ aus?

Häufig haben Halter auch große Angst davor, ihren Tieren Kräuter zu geben, da sie diese mit "echten" Medikamenten verwechseln. So wird z. B. argumentiert, dass Löwenzahn harntreibend wirkt, aber das Tier hätte da ja keine Probleme und brauche die Wirkung nicht. Vielleicht sei eine harntreibende Wirkung bei einem gesunden Tier ja sogar gesundheitsschädigend? Hier gilt wie immer: die Menge macht's. Bei einer vielfältigen und abwechslungsreichen Ernährung wird jedes Futtermittel in relativ kleiner Menge aufgenommen, also auch der Löwenzahn. Die harntreibende Wirkung ist somit ebenfalls gering, der Ausscheidungsprozess wird nur leicht unterstützt. So wie wir Menschen gern mal einen probiotischen Joghurt essen, um etwas Gutes für unsere Darmflora zu tun, unterstützen die verschiedenen Kräuterwirkstoffe die Verdauung und die natürlichen Körperfunktionen unserer Tiere. Sie helfen also dabei, ihre Gesundheit zu erhalten.

Kann die Heilwirkung geringer werden durch eine regelmäßige Kräuterfütterung, werden die Tiere immun?

Eine Minderung der Heilwirkung durch Gewöhnung ist bei einer vielseitigen Ernährung nicht zu befürchten. Bei den meisten Wirkstoffen ist eine Immunität sowieso nicht möglich, bei den wenigen Ausnahmen müsste eine Pflanze schon sehr lange in zu großer Menge verfüttert worden sein - was bei einem abwechslungsreichem Speiseplan gar nicht möglich ist. Hinzu kommt, dass jede Pflanze mehrere Wirkstoffe enthält, sodass selbst bei einer Immunität gegenüber einem dieser Wirkstoffe immer noch eine positive Wirkung von der Pflanze ausgehen würde. Eine tägliche, gemischte Kräutergabe ist immer eine Unterstützung für den Organismus, bei Gesundheit und bei Krankheit. Im Krankheitsfall ist eine intensivere Wirkung der Kräuter nötig, dann werden die Wirkstoffe in höherer Konzentration gegeben, also z. B. auch in Form von Tee. Oder der Tierarzt verordnet einen hoch konzentrierten (und allein schon durch die hohe Dosierung wirksameren) Kräuterauszug in Form von Tabletten, Tropfen etc.

Können Pflanzen gesundheitsschädlich sein, z. B. Krebs auslösen oder Babys im Mutterleib schädigen?

Wie bereits erwähnt enthalten frische und getrocknete Futterpflanzen allgemein nur eine geringe Konzentration an Wirkstoffen. Um eine schädigende Wirkung hervorzurufen, müssten schon riesige Mengen aufgenommen werden. Oft kommen kritische Wirkstoffe auch nur in den Samen der Pflanzen vor, oder eine bedenkliche Menge kann nur durch eine hohe Konzentration in Pflanzenauszügen und -ölen erreicht werden. Pflanzen wie Fenchel und Basilikum z. B., die aufgrund ihrer Wirkstoffe bei manchen Internetseiten als angeblich "krebsfördernd und fruchtschädigend" auf der schwarzen Liste landen, sind bei einer ausgewogenen, vielfältigen Ernährung nicht nur unschädlich, sondern sogar sehr gesund. Im Prinzip kann jedes Futtermittel bei einer unausgewogenen Ernährung schädlich sein. Die auf allen Futterlisten als völlig unbedenklich angeführten Möhren können zum Beispiel, im Übermaß gefüttert, zu Gewichtsproblemen und einer kritischen Vermehrung von Hefepilzen führen. Nur durch eine ausgewogene, vielfältige Fütterung kann sichergestellt werden, dass die Tiere einerseits alle Nährstoffe bekommen, die sie brauchen, und andererseits keine gesundheitsschädlichen Mengen einzelner Wirkstoffe zu sich nehmen. Zu einer gesunden Ernährung gehört auch, dass die Tiere selbst bestimmen, was sie fressen. Nehmen sie also einmal nicht alle Futtermittel auf, dann heißt das nicht, dass sie diese generell nicht mögen, sondern nur, dass sie dieses Futtermittel gerade nicht brauchen. Es wäre auch schädlich, die Tiere zu zwingen, ihr Futter aufzufressen, bevor es neues Futter gibt, so verhindert man die gesunde Selektion.

Verursacht das Kalzium in den Kräutern Blasenprobleme?

Der Kalziumgehalt von Kräutern ist relativ hoch, das ist richtig. Anderseits enthalten frische Kräuter aber auch viel Flüssigkeit, sodass überschüssiges Kalzium problemlos mit dem Urin ausgeschieden wird. Gibt man getrocknete Kräuter, müssen die Tiere die fehlende Flüssigkeit allerdings anderweitig zu sich nehmen. Dies gilt aber auch für Heu, denn - was viele Halter nicht wissen: Heu hat einen viel höheren Kalziumgehalt als die meisten Trockenkräuter (1-3 g pro 100 g!). Trotzdem wird es natürlich nicht reduziert. Wichtig ist ein ausreichendes Angebot an (wasserhaltigem) frischem Grünfutter/Gemüse (Ausnahme: Chinchillas) und natürlich der ständige Zugang zu frischem Wasser.

Eine rationierte Fütterung von Trockenkräutern ist angebracht bei Tieren mit einer bestehenden Blasen-/Nierenproblematik und bei Tieren mit einer erhöhten Anfälligkeit (z. B. nach einer Blasenentzündung).

Neben einer ausreichenden Versorgung mit Flüssigkeit ist eine ausgewogene Zusammenstellung jeder Futterration wichtig für den Kalziumhaushalt, denn beim Verstoffwechseln des Kalziums spielen auch andere Mineralien und Vitamine eine Rolle. Wenn täglich viele verschiedene Kräuter und Gemüsesorten verfüttert werden, ist eine ungleichmäßige Nährstoffversorgung oder ein Kalziumüberschüss unwahrscheinlich.

Viele Halter, die sich über ein Zuviel an Kalzium Sorgen machen, übersehen, dass ein Zuwenig an Kalzium genauso gesundheitsschädlich ist. Zu wenig Kalzium (im Verhältnis zu Phosphor) führt dazu, dass Kalzium aus den Knochen gelöst wird, die Folgen sind z. B. eine Knochenerweichung und Zahnprobleme. Frische und getrocknete Kräuter haben einen Kalzium-Phosphorgehalt von etwa 1,5 : 1, was für die meisten Kleintiere optimal ist. Den Kalzium-/Phosphorgehalt weiterer Futtermittel können Sie z. B. dieser Liste entnehmen: Kaninchen Frischfutterliste (Anmerkung: nicht alle hier aufgelisteten Futtermittel sind für alle Kleintiere geeignet, bitte konsultieren Sie die entsprechende Futterliste Ihrer Kleintierart bezüglich der Verträglichkeit!).

Einige Kräuter werden in manchen Listen als Giftpflanze aufgeführt, in anderen Listen aber als unbedenklich eingestuft, zumindest in kleinen Mengen. Was stimmt denn nun?

Zu den Giftpflanzen werden nicht nur Pflanzen gezählt, die toxische Stoffe in höherer Konzentration enthalten, sondern auch solche, die eine extrem starke medizinische Wirkung haben. All diese Pflanzen gehören nicht auf den täglichen Speiseplan unserer Haustiere. Auf manchen Internetseiten wird argumentiert, Wildtiere würden diese Pflanzen aber teilweise fressen, ohne Schaden zu nehmen. Das ist zwar richtig, aber es ist wichtig, hierbei auf einen entscheidenden Unterschied zwischen der natürlichen Ernährungsweise von Wildtieren und der Fütterung von Haustieren hinzuweisen. Den Wildtieren steht eine riesige Auswahl an Futterpflanzen zur Verfügung, sie können frei wählen, wie viel von was sie wann fressen. Die natürliche Nahrung besteht aus kleinen Mengen vieler verschiedener Futtermittel. Unter anderem werden Pflanzen ausgewählt, die toxische Stoffe aufgenommener Giftpflanzen neutralisieren. Unsere Haustiere können das nicht, sie können nur fressen, was wir ihnen geben. Wir Menschen wissen noch lange nicht, wie eine "neutralisierende Zusammenstellung der Futtermittel" aussehen müsste. Und wir können unseren Tieren in der Regel auch nicht 24 Stunden am Tag eine riesige Futterauswahl zur Verfügung stellen, aus der sie frei selektieren könnten. Es wird argumentiert, dass einige Tierhalter giftige Pflanzen verfüttern und die Tiere dabei keinen Schaden nehmen. Diese Aussagen beruhen auf den Beobachtungen einzelner Tierhalter. Ihre Tiere werden nicht gleich krank, also vertragen sie das Kraut. Aber: Diese Halter können nicht wissen, ob ihre Tiere nicht doch durch das Kraut geschädigt werden, viele "Vergiftungen" durch falsche Fütterung werden erst langsam zu einem Problem und wenn das Tier dann irgendwann einen Leberschaden oder eine andere Erkrankung hat, wir das häufig nicht mit dem über einen langen Zeitraum verabreichtem Futter in Verbindung gebracht. Deshalb sollten wir kein Risiko eingehen und Giftpflanzen generell nicht anbieten.

Sind Küchenkräuter tabu, weil sie gespritzt sind?

Küchenkräuter gibt es mittlerweile in vielen größeren Supermärkten als Bioware. Die Kräuter aus diesen Kräutertöpfen sind für Kleintiere durchaus geeignet. Sie werden meist relativ steril in Gewächshäusern gezüchtet und sind weitgehend frei von Spritzmitteln. Kräuter aus Deutschland unterliegen zudem strengen Kontrollen, es gibt sehr genaue Vorgaben bezüglich der Verwendung von Spritz- und Düngemitteln. Kräuter aus anderen Ländern könnten eher belastet sein.

Fazit:

Kräuter sind ein natürlicher und wichtiger Bestandteil einer gesunden Ernährung. Eine heilende Wirkung ist vorhanden, bei frischen und getrockneten Kräutern jedoch nur in geringem Maße. Unterstützt wird die Gesundheit der Tiere durch die Kräuter aber auf jeden Fall. Eine Minderung der Heilwirkung durch Gewöhnung ist bei einer vielseitigen Fütterung nicht zu befürchten, die in den Futterlisten aufgeführten Kräuter können täglich angeboten werden. Auch größere Mengen gemischter Kräuter schaden nicht, solange die Ernährung ausgewogen ist und die Tiere selektieren können. Giftpflanzen sind auch in kleiner Menge tabu (Ausnahme: Bei Tieren die wirklich frei auf Wiesen selektieren können, besteht bei den meisten Giftpflanzen keine große Gefahr). Beim Kauf von Küchenkräutern sollte auf einheimische Bioware geachtet werden. Trockenkräuter sind vor allem im Winter, wenn frische Kräuter schlechter zu beziehen sind, eine wichtige Nahrungsergänzung. Bei Tieren mit einer Blasen-/Nierenproblematik müssen sie aufgrund der hohen Konzentration von Kalzium zwar rationiert verfüttert werden, man sollte aber auch dann nicht vollständig auf sie verzichten. Eine gleichzeitige Fütterung wasserhaltigen Frischfutters senkt die Kalzium-Konzentration, Trockenkräuter (und auch stark kalziumhaltige Frischfuttersorten) sollten daher immer in Kombination mit wasserhaltigem Frischfutter wie Salat, Gurke etc. gegeben werden. Für den Kalziumstoffwechsel (und allgemein für die Gesundheit) spielen viele verschiedene Ernährungsfaktoren eine Rolle, die sich gegenseitig beeinflussen.

Mit einer vielfältigen und ausgewogenen Ernährung, und dazu gehört u. a. eine bunte Mischung verschiedener Kräuter, ist dem Tier besser gedient als mit dem Weglassen oder dem Rationieren von Futtermitteln.

Links und Bücher

Informationen zum Grünfuttersammeln bekommen Sie hier:

Kleine Graserei

Empfehlenswerte Bücher zu dem Thema:

   

Pflanzen für Heimtiere gut oder giftig?

Autorin: Marlies Busch

Verlag: Ulmer; ISBN: 3-8001-5738-9

Jede Pflanze hat eine eigene Seite und ist gut zu finden, das Stichwortregister enthält die lateinischen und deutschen Namen. Die meisten Bilder sind aussagekräftig und somit sind die meisten Pflanzen leicht wieder zu erkennen. Unter dem Bild der Pflanze finden sich kleine Icons der vier im Buch berücksichtigten Tierarten (Nager/Kleinsäuger, Reptilien, Katzen, Vögel) als erste Orientierung, mit dem Hinweis, ob die Pflanze eine gute Futterpflanze, schwach giftig oder stark giftig ist. In der Beschreibung der Pflanzen finden sich der deutsche und der lateinische Name, eine Pflanzenbeschreibung, Vorkommen der Pflanze, Giftige Pflanzenteile, Bestandteile, Toxische Substanzen und sogar eine Beschreibung der Vergiftungserscheinungen die es geben kann und ggf ein erste Hilfe Hinweis. In Kästen oder im Text werden dann noch Besonderheiten erwähnt, beispielsweise, mit welcher Pflanze eine Verwechslung möglich ist, die Verwendung als Heilpflanze oder was bei einzelnen Tierarten zu beachten ist.

 

   

Handbuch der Futterpflanzen

Autorin: Marion Minch

Verlag Kirschner & Seufer; ISBN: 3-9403-7600-0

Das "Handbuch der Futterpflanzen" bildet eine Zusammenfassung über die wichtigsten heimischen Futterpflanzen für herbi- und omnivore Reptilien. Dabei berücksichtigt M. Minch nicht nur Landschildkröten, sondern u. a. auch Leguane, Dornschwanzagamen und sogar Chamäleons.

Angefangen von den Grundlagen der Pflanzenbiologie über heimische Wildkräuter bis hin zu geeigneten Futterpflanzen für winterwache tropische Reptilienarten stellt dieses umfassendste Werk die Basis für eine artgerechte Haltung dar.

Dabei wird nicht nur ein vielfältiges Angebot, welches den Tieren gereicht werden kann, beleuchtet. Das Handbuch soll vielmehr auch dem Laien eine Bestimmung der vorgestellten Pflanzen ermöglichen.

Zwar geht die Autorin nicht explizit auf die Bedürfnisse von Nagern ein, das Buch ist aber trotzdem zu empfehlen.