Kurzinfo

Was sind denn Boraras?

Fangen wir mal ganz am Anfang an, sie gehören zur Ordnung Karpfenartige (Cypriniformes), Überfamilie Karpfenfischähnliche (Cyprinoidea), Familie Karpfenfische (Cyprinidae), Unterfamilie Bärblinge und da zur Gattung der Boraras. Das sagt uns jetzt erstmal nicht viel, außer, dass sie irgendwie mit Karpfen verwandt sind. Und da gibt es ja eine ganze Menge, von 2 m Länge bis zu den winzigen Boraras ist alles dabei. Früher wurden die Boraras in die Gattung Rasboras eingeordnet. Seit 1993 setzt sich die neue Bezeichnung durch (Boraras ist ein Anagramm von Rasboras). Zu den Boraras gehören derzeit fünf Arten: Brigittae, urophthalmoides, merah (blasser aber mit Längsstreifen), maculatus (orange mit zwei schwarzen Punkten auf dem Körper) und micros (durchscheinend mit schwarzen Flecken). Der deutsche Name für die Boraras Brigittae ist Moskito-Rasbora, ihre ursprüngliche Heimat ist Südborneo. Längsband-Zwergbärbling ist die deutsche Bezeichnung für B. urophthalmoides, ihre Heimat ist Vietnam und Thailand. Beide Arten leben in Sümpfen, Teichen und verkrauteten, langsam fließenden Bächen. Das Wasser dort ist weich, dunkelgelb bis braun und leicht sauer. Obwohl die Fische so klein sind, können sie ein beachtliches Alter von 7 Jahren und ggf sogar bis zu 8 Jahren erreichen. Fische, ja, das sollte ich erwähnen: Boraras sind Fische und zwar sehr sehr sehr kleine Fische. Die kleinsten Fische die im Aquarium gehalten werden, sie werden auch als "Minifische" bezeichnet. Sie sind kleiner als die bekannten Guppies oder Neons und sogar kleiner, als meine Zwerggarnelen.

Ich halte derzeit nur Boraras urophthalmoides (kurz Uros) und Boraras Brigittae (kurz Brigies) und gehe auf dieser Seite nur auf diese beiden Arten ein.

Aussehen:

Die Uros sind sehr hell, glänzen silbrig, haben einen länglich, aber doch etwas rundlichen Körperbau. Sie verfügen über einen schwarzen Längsstreifen und darüber einen goldgelbfarbenen dünneren Streifen, diese ziehen sich über den ganzen Körper. Die Männchen sind leicht rosa und kräftiger gefärbt, die Weibchen sind etwas unscheinbarer.
Die Brigies sind dunkelrot und haben einen dicken Längsstreifen über den ganzen Körper in dunklem Blau, mit einem sehr dünnen leicht hellrotem Streifen darüber, sie haben außerdem einige Flecken auf den Flossen. Sie haben auch etwas größere Augen als die Uros. Sie sind schlanker gebaut als die Uros und ehrlich gesagt sind sie auf jeden Fall dekorativer. Beide Arten sind winzig klein, sie werden nur 2 bis maximal 3 cm groß. Sie sehen aber ansonsten aus, wie komplette kleine Karpfenfische.

Oben und unten Brigitae, Mitte Urophthalmoides
Boraras Brigittae und Boraras urophthalmoides

Haltung

Da diese Fische so winzig sind, sind sie leider auch in der Nano Aquaristik sehr beliebt. Aber nur weil ein Tier sehr klein ist, heißt das nicht, dass es wenig Platz braucht. Die Boraras sind gute Schwimmer und schwimmen auch sehr schnell durchs Becken, dazu brauchen sie eine Beckenlänge von mindestens 60 cm. Die in Nanobecken üblichen 20 oder 30 cm Beckenlänge reichen dafür nicht aus. Es sind Schwarmfische die sich nur in großen Gruppen wohl und sicher fühlen. Zu viele Fische in kleinen Becken belasten allerdings auch das Wasser sehr stark, weshalb es in kleineren Becken dann schwierig wird, die Wasserwerte stabil zu halten. Um die Boraras also halbwegs artgerecht zu halten, wären Becken ab 54 l empfehlenswert, besser sind größere Aquarien. Boraras benötigen sogenanntes "Schwarzwasser", es sollte huminreich sein und über Torfgranulat gefiltert. Huminstoffe werden über Blätter, Schwarzerlenzäpfchen und Torffasern ins Becken eingebracht. Das Wasser wird dadurch gelblich bis bräunlich. Es sieht aus wie schwach aufgebrühter Tee. Die Farben der Fische kommen bei dem Wasser richtig schön zur Geltung. Ein leicht saurer PH Wert wird benötigt, zwischen 5,8 und 7 wäre gut. Eine niedrige Gesamthärte ist sinnvoll, zwischen 0 - 10 wird empfohlen. Die kleinen Fische mögen es nicht zu kalt, Temperaturen unter 20 °C und über 28 °C werden nicht so gut vertragen. Ich halte meine Tiere bei etwa 24 °C.

Die kleinen Fische halten sich gern in dicht bepflanzten Aquariengebieten auf. Das Becken sollte auf jeden Fall zumindest auf einer Seite bis zum oberen Rand Pflanzen aufweisen, die den Boraras als Versteck dienen können. Welche Pflanzen dafür verwendet werden, ist dem Geschmack des Halters überlassen, aber sie sollten nicht zu großblättrig sein. Boraras brauchen ebenso ein Fläche, auf der sie frei schwimmen können. Ein gut bepflanzter Hintergrund wird gern zum Verstecken genutzt. Moose und vor allem bemooste Wurzeln die bis in die Aquarienmitte reichen werden als Laichplätze sehr geschätzt. Ein dunkler Aquariengrund gibt Sicherheit und lässt die Farben der Tiere strahlen. Boraras legen keinen Wert auf viel Licht, das Licht muss den Pflanzen angepasst werden, rotes Tropenlicht lässt nicht nur die Farben noch schöner durchkommen, sondern stört die Tiere am wenigsten. Eine Decke aus Schwimmpflanzen zumindest auf einer Seite des Beckens sorgt für weitere Sicherheit.

Boraras mögen keine Strömung gegen die sie ständig anschwimmen müssen. Deshalb sind Filter mit Düsenrohr sinnvoll, diese verteilen das Wasser auf der Oberfläche und sorgen nur dort für eine stärkere Strömung. Auch Schwammfilter und Hamburger Mattenfilter wären geeignet.

Mehr Infos zu meinem Aquarium bekommen Sie hier: Borara Aquarium

Aquarium

Verhalten

Das Verhalten beider Arten ist zumindest hier im Aquarium sehr unterschiedlich. Die Uros sind relativ scheu, schwimmen fast nur im Schwarm und kommen selbst zur Fütterung eher vorsichtig aus ihrer Deckung. Wenn sie nicht im großen Schwarm unterwegs sind, bilden sich kleinere Gruppen. Ich habe noch nicht oft Uros allein im Becken umher schwimmen sehen und wenn, dann nur kurz.

Die Brigies hingegen sind fast schon frech, sie schwimmen nur selten im großen Schwarm und wenn, dann eher wenn sie verunsichert sind oder sehr nervös sind, meist nach dem Wasserwechsel oder wenn ich im Becken gegärtnert habe. Sie halten sich gern in der Nähe ihrer Laichplätze auf, verteidigen die beliebtesten Laichplätze auch gegen andere - oder tun zumindest so als ob - und erkunden auch in kleineren Grüppchen oder auch allein das Becken. Sie schwimmen auch mit Begeisterung zwischen die schön in Formation schwimmenden Uros und bringen sie durcheinander. Manchmal schwimmen sie aber auch eine Weile im Uroschwarm mit. Manchmal habe ich das Gefühl, es macht ihnen Spaß diesen durcheinander zu bringen, denn sie schwimmen erst mit, wechseln dann die Richtungen, die Uros "verschwimmen sich" geraten durcheinander und die Brigies ziehen ab - lächeln sie dabei? Die Brigies betteln auch regelrecht nach Futter, sobald sie mich sehen, stehen sie am Beckenrand oben und schauen erwartungsvoll. Sie haben ihre Scheu vor mir schnell verloren und sind auch nicht so nervös wie die Uros.

Futter

Die Fütterung der kleinen Wesen ist relativ aufwendig und derzeit hier noch ein kleines Problem. Sie haben sehr kleine Mäulchen und es passt wirklich nicht viel da rein. Ich würde ihnen gern das überall empfohlene Lebendfutter zukommen lassen, habe damit aber so meine Probleme. Die üblicherweise im Zoohandel angebotenen Sorten (Mückenlarven, Wasserflöhe, Artemien etc.) sind viel zu groß und werden nicht beachtet. Einzig Wasserflöhe lösen zwar einen Jagdinstinkt aus, aber auch sie sind zu groß um gefressen zu werden. Frostfutter wird nur bedingt angenommen. Nur Cyclops sind klein genug, dass sie gefressen werden können und die Boraras scheinen sie auch sehr gern zu mögen. Bisher habe ich leider noch keinen Cyclopszuchtansatz auftreiben können. Aller anderen Sorten Frostfutter sind zu groß. Einzig Artemiennauplien werden gern gefressen. Die üblichen Zuchtgeräte dafür sind mir aber zu laut und zu nervig, weil sie mit Luft betrieben werden. Ich habe nun eine Artemia Aufzuchtschale von Hobby. Die ist gar nicht übel, mit einem Ansatz kann ich die Boraras 3 Tage lang mit frischen Nauplien versorgen. Allerdings schlüpfen nur viele Nauplien, wenn die Schale auf der Fensterbank steht und die Heizung an ist. Bei gemäßigten Temperaturen ist die Schlupfrate zu gering - also im Frühling und Herbst ist es zu kalt und ich weiß noch nicht, wie ich die Schale dann wärmen soll. Also gibt es bei geringer Schlupfrate auch immer noch dekapsulierte Artemiaeier dazu.

Weil das wenig abwechslungsreich ist, bekommen meine Boraras auch eine Auswahl verschiedener Fischfuttersorten. Am liebsten mögen sie das von mir selbst gemachte Staubfutter, dazu nehme ich JBL Fischfutterflocken, Artemiaflakes und getrocknete Daphnien und mörsere sie zu feinem Staub. Diese feinen Staubpartikel werden gern genommen. Sobald die Flocken noch etwas größer sind, tun sich die Boraras schwer damit, sie lutschen dann dran rum und spucken sie immer wieder aus. Sie bekommen auch noch Dennerle Nanogran, JBL Nano Mix und Sera Micron Aufzuchtsfutter. Alle Futterarten sind klein genug um ins Maul zu passen, aber die Begeisterung bei den Boraras für diese Futtersorten ist mäßig.

Ich füttere drei Mal am Tag eine winzige Menge, dabei fressen die Boraras etwa 2 - 3 Minuten, bevor das Futter abgesunken ist. Da der Stoffwechsel der Fischchen so schnell ist, sollten sie häufiger gefüttert werden. Ich habe im Becken viele Schnecken, Garnelen und Krebs habe, deshalb belastet das Futter, dass die Boraras nicht aufnehmen, bevor es am Boden ist, mein Becken gar nicht, es wird dort sofort entsorgt ;)

Fortpflanzung

Boraras sind sogenannte "Freilaicher". Die Weibchen stoßen den Laich, der sich an ihrem Bauch sichtbar als kleiner dunkler Fleck im hinteren Bereich ansammelt, bevorzugt über Moosen ab, wo die Männchen ihn befruchten. Die Eier sinken dann in das Moos ab und die Jungfische sollen sich dann im Moos geschützt entwickeln. So weit die Theorie. Leider wird es wohl hier im Becken nicht passieren, dass Jungtiere hoch kommen. Denn die Aufzucht von Boraras soll sehr schwer sein. Ihre Eier verpilzen bei PH Werten über 6 wohl recht schnell und entwickeln sich dann nicht. Außerdem sind die eigenen Eltern Laichräuber, sie fressen die eigenen Eier und Jungen. Auch meine anderen Aquarienbewohner haben die Eier und hätten Jungtische zum fressen gern. Um die Tiere erfolgreich zu züchten, müsste ich ein Elternpaar separat setzen, das Becken sollte dann einen PH Wert von genau 5,8 haben (stabile Werte sind allerdings nur schwer zu erreichen), es sollte über Moose und möglichst auch Torffasern zum Ablaichen verfüten. Die Eltern müssten nach dem Ablaichen sofort wieder raus genommen werden. Diesen Aufwand möchte ich aber nicht betreiben, mir reicht mein Schwarm so wie er ist.