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Wie viel Futter wird gebunkert?

Wiedermal habe ich mein eigenes Haustier für einen Tierversuch missbraucht. Ich dachte mir, dass es vielleicht andere Hamsterhalter interessieren könnte und evtl habt ihr schon ähnliche Beobachtungen - oder ganz andere - gemacht und mögt auch darüber schreiben?

Versuchsgrund:

  1. Ich wollte wissen, ob sich ein Hamster wirklich gesund und ausgewogen ernährt, wenn er die ganze Zeit über die Auswahl hat (also, ob sie trotz eines übermäßigem Angebotes an Fettfutter schlank bleibt - allerdings: vorab hat sie auch immer Vorräte gehabt und auch Fettfutter gebunkert - nur diesmal hatte sie halt wesentlich mehr zum bunkern)

  2. Ich wollte sehen, welche Futterkomponenten bevorzugt gebunkert werden um evtl. Rückschlüsse ziehen zu können, ob bestimmte Futterbestandteile nicht gemocht werden.

  3. Ich wollte wissen, ob meine Zwerghamsterin irgendwann aufhört Futter zu bunkern wenn sie eine bestimmte Menge gesammelt hat.

Versuchsaufbau:

Die Zwerghamsterin bewohnte eine große Voliere: Zwerghamstervoliere. Täglich bekam sie mehr Futter als sie fressen kann (etwa 2 - 3 x so viel). Das Futter wurde selbst gemisch und enthielt sehr viele unterschiedliche Futterkomponenten (Samen, Getreide, Hirse, Trockengemüse, Nüsse, Kerne, Kräuter, Fleischkroketen und Garnelen etc. ). Es gab wöchentliche, stichprobenartike Kontrolle der Vorräte (es wurden von Außen und innerhalb des Futterberges kleine Proben genommen und auf Ungeziefer, Feuchtigkeit und Schimmel untersucht). Das Futter wurde im Gehege verstreut. Vor etwa 4 Monaten began der Versuch, seit dem wurden ihre Vorräte nicht mehr entfernt oder ausgetauscht. Das war allerdings nur möglich, weil Shriek extrem sauber ist, ihre Vorräte nicht verschmutzt und die Vorräte wirklich trocken und sauber blieben.

Versuchstier:

Madame Shriek, bei Versuchsbeginn etwa 24 Monate alt, Dshungarischer Zwerghamster, weiblich - und ganz besonders Mehlwurmbegeistert ;)

Ergebnis:

Madame Shriek hatte die ganze Zeit ihr Optimalgewicht. Soweit ich das beurteilen kann, nimmt sie von allen Futterbestandteilen Komponenten auf und bevorzugt nicht die fetthaltigen Futtermittel. Gerade Shriek kam ja megafettgefüttert (einseitige Ernährung, zu Fett und Zuckerhaltig, keine Auweichmöglichkeit) hier an . Sie mußte die ersten Wochen bei uns auf Diät. Nun ernährt sie sich absolut gesund und bunkert auch Kerne und Nüsse statt sie in sich rein zu stopfen.

Es wurden fast alle Futterkomponenten gebunkert, es gab kein Futter das bevorzugt gesammelt wurde. Allerdings war der Anteil an Grassamen im gebunkerten Futter wesentlich geringer, als der Anteil der Grassamen im Ursprungsfutter (die Grassamen die nicht gebunkert wurden, fanden wir zu einem großen Teil im Gehege, sie wurden also auch nicht verzehrt). Ebenso wurden Kräuter nicht gebunkert, aber teilweise verzehrt und teilweise als Nistmaterial genommen (vor allem Blütenblätter). Und sie hat offensichtlich mehr von der Hirse verzehrt. Grobere Futterbestandteile wurden etwas mehr gebunkert, aber wohl nicht so oft gefressen. Ansonsten waren alle Komponenten gleich (wir haben das gesammelte Futter sortiert und gewogen, ebenso wurde vorab das gegebene Futter selbst gemisch und abgewogen). Nebeneffekt des Versuchs, die Grassamen wurden in unserer privaten Futtermischung reduziert.

Sie hat irgendwann wirklich aufgehört zu sammeln. Etwa vor 2 - 3 Wochen stelle sie das Sammeln ganz ein, ihr Gesundheitszustand war und blieb normal. Sie wurde allerdings auch etwas inaktiver. Sie frass zwar bei ihren Streifzügen durch das Gehege das frisch ausgestreute Futter, bunkerte es aber gar nicht mehr, die Backentaschen blieben auch leer, sie wurden gar nicht mehr befüllt (was mir schon Sorgen machte). Sie hatte auch weniger Interesse am Auslauf und an ihrer Umgebung allgemein. Sie wirkte auf mich fast schon gelangweilt und frustriert.

Sie hat bis dahin ca. 700 g Futter gebunkert (ganz genau konnten wir es nicht abwiegen, da ein Teil des Futters auch an verschiedenen Orten im Gehege gebunkert wurde, 592 g fanden wir in ihrem Labyrinth und davor).

Gestern nun war nicht nur Großreinemachen angesagt, sondern ihre Futtervorräte wurden ihr weg genommen. Sie bekam (wie bis dahin auch üblich) eine gute handvoll frisches Trockenfutter an ihre Bunkerstelle gelegt und nochmal die gleiche Menge im Gehege verteilt. Unverzüglich fing sie wieder an zu bunkern und benimmt sich wieder völlig normal.

Also zumindest mein Hamster hörte auf zu bunkern, als die Futtervorräte extrem wurden. Sie fing aber sofort wieder an, als es weniger wurde. Si ernährt sich offensichtlich ausgewogen und bunkert sogar ihre geliebten Erbsenflocken. Allerdings: sie wirkte sehr müde und gelangweilt, als sie nicht mehr bunkern mußte.

Mein Mann meint nun, wir hätten unserem Hamster seine Rente geklaut und ihr den ruhigen Lebensabend versaut. Aber heute wirkt sie munterer als sonst und ist wieder am Auslauf interssiert. Ich frage mich nun, ob so ein Hamster wirklich unter Langeweile leidet wenn er nicht mehr bunkern muß und ob es ihr tatsächlich aufs Gemüt geschlagen hat? Oder ob sie heute nur so munter ist, weil sie genervt ist und wieder von Vorn anfangen muss?

Tja, und so sahen ihre Futtervorräte aus: (Im Haus/Labyrinth) war nicht viel, darin befanden sich nur 2 tolle Nester aus Hanffasern und Toilettenpapier und Kräutern - und die Vorräte waren in einer Kammer und eben bis Draussen durch die Tür)

Futtervorrat