Zwergflusskrebs Cambarellus Diminutus Kurzinfo

Was ist ein Zwergflusskrebs? Fangen wir mal ganz fachlich an: Er gehört zur Klasse Höhere Krebse Malacostraca, Ordnung Zehnfußkrebse Decapoda, Teilordnung Großkrebse Astacidea, Überfamilie Flusskrebse Astacoidea und dann kommen wir zur Familie Cambaridae zu der die Gattung der Zwergflusskrebse Cambarellus gehören. Und nun wissen wir es ganz genau: Es sind Krebse und zwar sehr sehr kleine Krebse - Zwerge unter den Krebsen. Und der Cambarellus Diminutus ist der Zwerg unter den Zwergen der Zwergkrebse - also wirklich klein. Sie haben auch leider keine sehr hohe Lebenserwartung, je nachdem welchen Quellen man glauben mag, sind 1,5 - 2 Jahre wohl das übliche Alter, das erreicht werden kann. Alle Zwergflusskrebse, die hierzulande in Aquarien gehalten werden, stammen aus Amerika. Die Diminutus bewohnen dort Flüsse und Teiche in Alabama und Mississippi. Bei den anderen Arten verraten die Artennamen mitunter sogar, woher sie kommen, beispielsweise gibt es einen Cambarellus Texanus und einen Louisiana-Zwergflusskrebs, den Cambarellus Shufeldtii.

Aussehen/Geschlecht

Die Männchen werden bis 2 cm Weibchen gut 2,5 cm lang. Sie sind also wirklich sehr klein, die meisten anderen Cambarellus Zwergflusskrebse werden zwischen 2,5 und 4 cm groß. Dabei sehen sie aber aus wie richtige Krebse. Diese Tierchen schauen recht lustig aus, es ist ein Wunder, dass sie ihre ganzen Beine und andere langen Dinger an sich dran koordiniert bekommen und manchmal scheinen sie damit auch Probleme zu haben. Sie haben vorne am Kopf sechs Antennen, zwei sehr sehr lange und vier kurze. Oben am Kopf sitzen zwei große, runde Augen. Vorne im Bereich des Mauls haben sie zwei Beinpaare (Maxillipede), mit denen sie unablässig Futter in sich rein stopfen. Dann folgen die für Krebse typischen zwei großen Scheren an langen Beinchen, damit können sie prima drohen. Am Vorderleib haben sie ihre 8 Laufbeine/Schreitbeine. Die ersten beiden Paare verfügen auch über kleine Scheren, die beiden hinteren Paare nicht. Sie sind damit recht flink unterwegs und können recht gut klettern.

Der Hinterleib ist in mehrere Abdominalsegmente unterteilt, unter diesen sitzen die sogenannten Schwimmbeine. Beim Weibchen sind es fünf Beinpaare, zwischen den vorderen liegt die Annulus ventralis, eine Art Tasche in der das Weibchen den Samen des Männchens speichert. Das Männchen hat drei Schwimmbeinpaare, die ersten beiden Paare sind in die Gonopodien umgewandelt. Den Abschluss bildet eine schön aufgefächerte Schwanzflosse.

Ein Männchen, die Gonopodien sind deutlich zwischen den hinteren Beinpaaren zu erkennen:
Cambarellus Diminutus Geschlecht Männchen

Ein Weibchen, die Annulus ventralis (bläulich) und 5 Schwimmbeine sind gut zu sehen:
Cambarellus Diminutus Geschlecht Weibchen

Die bekanntesten Arten sind übrigens orange Zwergflusskrebse, die CPO, die eine durchgehende orange Farbe haben. Meine Diminutus haben eine beige, über graue bis braune Grundfarbe. Teilweise wirken sie auch etwas bläulich. Sie werden auch "blaue Zwergflusskrebse" genannt. Die Farbe der Tiere hängt wohl auch von ihrer Umgebung ab. Weibchen sollen nachdunkeln wenn sie Eier haben, was auf meine zutrifft. Meine älteren Weibchen sind alle dunkelbraun. Die Männchen bleiben bunter und heller, meist sind sie orange. Sie haben lustige dunkle Sprenkel über den Körper verteilt, diese verlaufen in vier Reihen und manche Tiere sollen auch Streifen haben - meine eher nicht.

So viele Beinchen und Scheren und Dinger an so einem kleinen Tier
Cambarellus

Häutung

Wie alle Krebstierchen, haben auch die Cambarellus eine Außenhaut aus Chitin, die in mehrere Segmente aufgeteilt ist. Diese Haut wächst nicht mit, deshalb muss sich eine Krebstierchen ein Leben lang regelmäßig häuten um zu wachsen. Dazu sucht sich der Krebs eine ruhige Ecke und der Panzer bricht am Kopfpanzer, also im Nacken durch und der Krebs schlüpft heraus. Danach ist der Panzer sehr weich und muss erstmal aushärten, in der Zeit sind die Krebse sehr verletzlich und eine leichte Beute. Nach der Häutung können fehlende Gliedmaße wieder vorhanden sein. Mitunter nicht voll entwickelt, gerade bei den vorderen Scheren kann es einige Häutungen brauchen, bis sie wieder die volle Größe haben. Die Haut wird vom Krebs, seinen Artgenossen und auch den Schnecken gern gefressen. Sie nehmen so die Nährstoffe, die sie bei der Häutung verlieren, wieder auf. Ihre Organe sitzen übrigens nur im vorderen Bereich, nur der Verdauungstrakt geht bis hinten durch.

Die Haut eines Cambarellus
Cambarellus

Verlorene Schere wächst wieder nach - nicht zu übersehen nach der ersten Häutung noch kleiner.
Cambarellus

Fortpflanzung

Schon mit drei bis vier Monaten werden diese kleinen Wesen geschlechtsreif. Das Weibchen ist größer und hat im Nackenbereich Eierstöcke. Dort entstehen die Eier in einem sogenannten "Laichansatz". Der eigentliche Akt der Befruchtung ist alles andere als romantisch. Das Männchen dreht das Weibchen auf den Rücken und legt mit seinen Begattungsgriffeln (die Dinger heißen wirklich so - das ist keiner meiner dummen Scherze) sein Sperma an der Geschlechtsöffnung des Weibchens ab. Die Weibchen stehen allerdings rein gar nicht drauf auf dem Rücken zu liegen, die Missionarsstellung ist ihnen gar nicht recht und sie versuchen sich umzudrehen um wieder auf die Beine zu kommen. Das passt den Kerlen natürlich nicht und sie halten die Weibchen fest. Dabei kann sogar schon mal eine Bein des Weibchens verloren gehen. So ein Geschlechtsakt ist für die Weibchen extrem anstrengend. Sie zieht sich hinterher zurück und vermutlich schmollt sie nun eine Weile. Es dauert einige Stunden bis sogar Wochen, bis sie die Eier durch den Samen drückt und dabei findet die eigentliche Befruchtung statt.

Die Eier werden von ihr an den Hinterleib zwischen die Schwimmbeine geklebt. Die kleine Brut reift dann dort so um die vier Wochen heran und Mama schleppt die Eier die ganze Zeit mit sich herum, sortiert sie um, fächert ihnen frisches Wasser zu und hat die ganze Zeit irgendwas damit zu tun. Das ein Weibchen Eier trägt erkennt man nicht nur daran, dass diese hinten heraus schauen (sie sind graubraun), sondern auch dran, dass sie immer wieder schützend ihre Schwanzflosse davor dreht. Irgendwann schlüpfen dann winzige Krebschen und bleiben auch dann noch mitunter eine Weile unter Mutters Rock sitzen. Mit der Zeit lösen sie sich und krabbeln plötzlich durch das Becken. Sie sind beim Schlupf nur wenige mm groß.

Ein eiertragendes Weibchen und Babys (ca. 1 Woche alt)
Cambarellus

Die Eier werden gut geschützt, indem die Mutter Ihre Schwanzflosse um die Eier legt
Cambarellus

Schon geschlüpft, aber immer noch unter Mutters Rockzipfeln
Cambarellus

Haltung

Diese kleinen Wesen sind sehr flink auf dem Aquarienboden unterwegs und deshalb meine ich, dass sie dafür auch Platz brauchen. Die Höhe des Beckens spielt keine große Rolle, denn die Krebse halten sich eher am Boden auf. Sie klettern allerdings gern an Wurzeln hoch, das sollte bedacht werden. Ist das Becken nicht abgedeckt, müssen oben 4 cm bis zum Beckenrand trocken sein, damit sie nicht raus klettern. Als Bodengrund eignet sich Sand oder Garnelenkies. Gobere Kiesarten sollten vermieden werden. Die Einrichtung sollte auf jeden Fall Versteckmöglichkeiten bieten. Lochgesteine, Wurzeln Lavasteine, Tonröhrchen, halb eingegrabene Minitontöpfe oder andere Einrichtungsgegenstände aus Keramik sind gut geeignet. Viele Pflanzen (z. B. Nixkraut, Grasbinse, Harnixe, Hornkraut, Javafarn etc.) bieten verstecke. Mooskugeln und Bodendeckerpflanzen ( Flammenmoos, Neuseelandgras, Teichlebermoos und andere) runden die Einrichtung ab und werden von den Krebschen gern abgeweidet. Die Krebse schaden den Pflanzen aber selbst nicht. Anders als ihre größeren Verwandten buddeln sie keine Pflanzen aus und zerstören die Pflanzen im Becken auch nicht. Größere Blätter/Laub sollten auch nicht fehlen. Ich habe immer Seemandelbaumblätter, Birke und andere Blätter im Becken. An Technik sollte ein Filter nicht fehlen. Die meisten Filter sind allerdings eine Todesfalle für die Babys, wirklich empfehlenswert finde ich nur Schwammfilter, Hamburger Mattenfilter oder spezielle Filter für Garnelenaquarien. Die Beleuchtung muss nur so hell sein, dass die Pflanzen überleben, die Krebse selbst legen keinen Wert auf viel Licht. Eine Heizung wäre nur notwendig, wenn es im Winter dauerhaft zu kalt im Becken wird. Meine haben Temperaturen von 15 Nachts bis 25 °C am Tag. Damit kommen die Krebse gut klar.

Meine Krebse teilen sich ihr Becken mit Garnelen und Schnecken. Da die kleinen Kerlchen sehr friedlich sind und alle ähnliche Futterbedürfnisse haben ist das problemlos möglich. Wenn die Garnelen auf die Krebse treffen, schwimmen sie einfach auseinander. Die Krebse tun den Garnelen nichts.

Hier finden Sie weitere Informationen zu dem Aquarium in dem meine Krebse wohnen: 100 l Becken für Garnelen und Krebse

Futter

Die meisten Krebsarten wohnen in Flüssen und Teichen und fressen dort das, was am Boden zu finden ist. Für gewöhnlich sind das abgestorbene Pflanzen, Dimetrius, vermutlich auch Laub von Bäumen die neben dem Fluss stehen und Kleinstlebewesen. Gefüttert werden die Krebse dementsprechend möglichst abwechslungsreich. Meine Zwerge bekommen handelsübliches Krebsfutter von Tetra und JBL, es gibt aber auch viele andere Sorten die geeignet wären und so richtig begeistert sind meine von dem Futter nicht, sie machen es den Garnelen und Schnecken nicht streitig. Dazu bekommen sie ein bis zweimal die Woche getrocknete Kräuter und Blätter. Meine mögen besonders gern Löwenzahn, Haselnussblätter, Birkenblätter, Seemandelbaum, Buchenblätter, Brennnessel, Schafgarbe, Spitzwegerrich und Apfelbaumblätter. Diese Blättermischung wird vor dem Verfüttern mit kochendem Wasser überbrüht, eine Weile stehen gelassen, mehrfach kalt abgespült und dann ins Becken gegeben. So sinken sie schnell runter und färben das Wasser nicht zu dunkel. Selten verfüttere ich noch normale Fischfutterflocken, um den Tierchen tierisches Eiweiß zuzuführen. Da in meinen Becken viele Wasserflöhe leben, gehe ich davon aus, dass meine Krebse da keinen großen Bedarf haben. Außerdem "mögen" sie wohl auch Posthornschnecken und Quellblasenschnecken und davon gibt es genug. Angeblich verletzen sie keine erwachsenen Tiere, aber so ein Baby kann da schon mal ausgelutscht werden.

Eine werdende Mama futtert einen Tetra Stick
Cambarellus

Verhalten

Selten sind wirklich alle Krebse zu sehen, häufiger sieht man nur wenige während die anderen sich ein wohlverdientes Päuschen gönnen. Dafür suchen sie unterschiedliche Verstecke auf, Bambusröhrchen, Tonunterschlüpfe, Lochsteine und andere Höhlen sind dafür sehr beliebt. Manchmal sieht man einen ihrer Fühler oder die Scheren da raus schauen. Ansonsten klettern und laufen sie über den Bodengrund und über alle Pflanzen und wirken dabei sehr emsig, aber auch etwas... naja, sagen wir mal clumsy. Sie sind keine Kletterkünstler, geben aber das Vorhaben auch nicht auf. Sie fallen schon häufiger mal von Pflanzen, aber im Wasser ist das natürlich kein Problem, sie gleiten dann einfach auf den Boden und rennen da gleich munter weiter. Wenn sie auf Artgenossen oder Garnelen treffen, zucken sie erstmal zurück und versuchen sich auf Abstand zu halten. Ist das nicht möglich, weil der andere nicht aus dem Weg gehen will (was selten vorkommt), dann drohen sie mit ihren Scheren, richten ihren Oberkörper auf und tänzeln umeinander. Sie stoßen dann auch mit den Scheren zu. Es sieht bedrohlich aus, ist aber sehr harmlos, mehr Show als ernster Kampf und ich habe das bisher nur in der Transportbox gesehen, im großen Becken richten sie sich bestenfalls kurz auf und dann wars das schon. Eigentlich, also wenn ich ehrlich bin, wurde bisher da nur einmal richtig gedroht und zwar mit an der Scheibe als ich zu viel mit Blitz fotografiert habe, das hat den kleinen Kerl echt genervt. Wenn sich die Krebschen erschrecken, dann fliegen sie auch mal rückwärts durchs Becken. Ja, Rückwärts, vermutlich weil ihr Hinterteil schlauer ist als ihr Vorderteil.. *hüstel*. Es wirkt so, als würden sie sich im Wasser abstoßen um voran zu kommen - und das geht eben nur Rückwärts. Meine Kerle sind übrigens alle etwas ängstlicher, sie drohen schnell und fliegen noch schneller davon, sogar Garnelenbabys machen ihnen Angst. Die Weibchen sind etwas angriffslustiger, vermutlich liegt es daran, dass sie ihre Brut, ihre Eier, beschützen wollen. Wenn so ein Krebs auf eine Garnele trifft, dann fliegt diese für gewöhnlich schnell davon - ich nenne es Garnelenflitschen. Ich habe noch nie gesehen, dass ein Krebs eine Garnelen fangen konnte, nichtmal eine Babygarnele (hingegen habe ich schon gesehen, dass ein Weibchen ein Krebsbaby gefressen hat). Auch sonst sind die Krebse absolut pflegeleicht. Sie zerstören die Pflanzen nicht (wie fast alle ihre Verwandten ), sie räumen nicht im Becken herum, warten bis sie beim Futter an der Reihe sind, selbst die Schnecken haben nichts vor ihnen zu befürchten. Obwohl gern behauptet wird, dass die Krebse das Becken verlassen, wenn es offen ist, habe ich noch nie beobachten können, das ein Krebs auch nur den Versuch unternimmt höher hinauf zu kommen. Bis zur Wasseroberfläche ging noch keiner - das dürfe ihnen auch schwer fallen. Es sind wirklich tolle, friedlichen und nette Gesellen.

Die zwei bedrohen sich in der Transportbox
Cambarellus

Krebspest

Die kleinen Kerlchen können die sogenannte Krebspest (eine Pilzerkrankung) übertragen. Sie selbst erkranken nicht, die amerikanischen Krebsarten sind resistent, aber sie können die Erreger in sich tragen und weiter geben. Diese Erreger überleben recht lange im Wasser. Deshalb dürfen diese Zwergkrebse nicht mit anderen Krebsarten zusammen gehalten werden, da die Krebspest für andere Krebse wie tödlich ist. Das ist besonders fatal für die einheimischen Flusskrebse. Deshalb ist es extrem wichtig, niemals Cambarellus auszuwildern, in heimischen Teichen zu halten und sie dürfen natürlich nicht mit anderen Krebsarten zusammen gehalten werden. Das Wechselwasser aus dem Krebsbecken sollte nicht einmal im Garten oder im Regenwasserkanal entsorgt werden. Werden Pflanzen oder Tiere aus dem Krebsbecken verkauft, muss darauf geachtet werden, dass diese 4 Wochen in Quarantäne kommen, bis die Erreger abgestorben sind. Erkrankte verstorbene Krebse müssen verbrannt werden um ein weiteres Ausbreiten der Krebspest zu verhindern.