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Degus (Octodon degus)

Natürliches Vorkommen

Degus bewohnen trockene Steppengebiete und gemässigte, mediterane Gebiete in Nord- und Mittelchile. Sie leben in offenen Landschaften und meiden dichte Vegetation. Sie bevorzugen sie für ihre Baue Standorte unter Steinhügeln oder grossen Büschen. Sie bevorzugen höhere Siedlungsgebiete und sind bis zu einer Höhe von 1200 m anzutreffen. Degus gelten in ihrer Heimat als Zivilisationsfolger und Schädlinge. Obwohl ich persönlich ja eher meine, die Zivilisation ist in ihr Gebiet eingedrungen und sie passen sich an. Degus sind also auch auf den Feldern der Menschen anzutreffen und nehmen sich dort ihren Anteil. Was für die Degus nicht immer positiv zu bewerten ist, denn die teilweise zu reichhaltige Ernährung durch die "Feldfrüchte" der Menschen wirkt sich sicher auch negativ auf die Degus aus. Man muss sich die Frage stellen, ob die bei wildlebenden Degus teilweise fest gestellten ernährungsbedingten Krankheiten (z.B. Katarakte) nicht sogar auf diese Lebensweise als Feldschädling zurück zu führen ist.

Systematische Zuordnung

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden Degus von Juan Ignacio Molina zum ersten Mal in einem wissenschaftlichem Werk erwähnt. In vielen Arbeiten wird behauptet, sie wurden dann entdeckt, ich bin mir aber sicher, dass die Ureinwohner dieser Gebiete die Degus schon viel früher entdeckt haben. Denn Degus standen auf ihrem Speiseplan. Natürlich hat aber Molina sie zum ersten Mal taxonomische Untersucht und wissenschaftlich eingeordnet.

Da Degus einen behaarten Schwanz aufweisen, eine ähnliche Lebensweise haben und auf einige Entfernung den Hörnchen auch ähnlich sehen, wurden sie anfänglich für Hörnchen gehalten und diesen auch zugeordnet. Allerdings unterscheiden Sie sich anatomisch sehr von Hörnchen und sind eher mit Meerschweinchen und Chinchillas verwandt. Heute zählen sie zu der kleinen Familie (mit ihnen sind gerade 4 Arten sind bekannt) der Strauchratten (Octodon).

Ihre Zurodnung, mal so ganz nüchtern und fachlich, sieht wie folgt aus:

Ordnung:     Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung:    Stachelschweinverwandte (Hystricomorpha)
Familie:     Trugratten (Octodontidae)
Gattung:    Strauchratten (Octodon)
Art:     Degu (Octodon degus)

Wer die näheren Verwandten der Degus kennen lernen möchte, kann hier mehr erfahren:
deguprojekt / ratgeber / Die Verwandtschaft

Aussehen

Wildfarbende Degus sind auf der Oberseite braun/agoutifarben (schwarz/braun/teilweise heller meliert) und auf der Unterseite eher gelblich/weiß gefärbt. Auch in der Heimtierhaltung ist dieser Agoutifarbende Degu weit verbreitet. Der Schwanz der Degus ist vollständig behaart und am Ende mit einer dunklen Quaste versehen. Sie sehen nagerartig aus und haben recht große Ohren. Es gibt mittlerweile auch andersfarbige Degus: bläulich/silbergrau ist eine weitere Farbe, auch sandfarbende sowie weiße und schwarze Tiere wurden teilweise gezüchtet. Allerdings sind diese Tiere selten in reinfarben zu bekommen, meist ist das Fell nur aufgehellt oder dunkler als das Fell der wildfarbenden Tiere.

Wer nun ganz genau wissen möchte, wie so ein Degu aussieht und was er für Besonderheiten hat, der sollte hier weiter lesen:
deguprojekt / ratgeber / Was ist ein Degu?

Wildlife

In freier Wildbahn leben Degus in Gruppen. Innerhalb einer Gruppe gibt es normalerweise nur ein adultes Männchen, und zwei bis drei adulte Weibchen die sich mit dem Männchen fortpflanzen. Es gibt aber auch Gruppen mit zwei Männchen und bis zu fünf Weibchen. Jungtiere leben so lange innerhalb ihrer Gruppe, bis sie geschlechtsreif werden und ein eigenes Territorium erobern. Jede Gruppe verteidigt ein eigenes, kleines Territorium. Es liegen allerdings immer viele dieser Territorien nebeneinander, so dass sich oft sehr große Kolonien bilden. Pro ha kann es eine Besatzdichte von 80 - 300 Tiere geben, ältere Quellen sprechen sogar von bis zu 1000 Tieren pro ha.

Degus legen unterirdische Erdbauten an. Diese sind meist relativ einfach struckturiert, häufig bestehen sie nur aus einem Nest, mitunter verfügen sie über eine gesonderte Vorratskammer und einen Abort. Jeder Bau hat einen Eingang, es können bei großen Bauten aber auch Nebeneingänge vorhanden sein. Zwischen den einzelnen Bauen legen Degus oberirdisch regelrechte Wege/Trampelpfade an. Meist im Zentrum eines Degureviers legen die Degus Hügel an. Diese dienen als Reviermarkierung und bestehen aus Ästen, Steinen, Erde oder was sonst zum Bauen geeignet scheint. Das ranghohe Männchen bewacht diese Hügel, sie werden auch als "Feldherrenhügel" bezeichnet. Die Höhe des Hügels soll angeblich die Ranghöhe des Männchens wiederspiegeln, ranghohes Männchen = höher Hügel. Ihr Revier markieren Degus außerdem mit Urinduftmarken. Der Urin der Degus reflektiert ultraviolettes Licht - so können Degus ihre Reviermarkierungen nicht nur erschnuppern, sondern auch sehen!

Wärend der warmen Sommermonate sind Degus in den sehr frühen Morgen- und Abendstunden aktiv auf Futtersuche und meiden die Mittagssonne. Im kühlen Winter verlassen die Degus ihre Baue später und genießen teilweise die warme Wintersonne. Die Nächte verbringen Degus in einem sicheren Bau, in welchen sie sich auch bei Gefahr schnell zurückziehen. Während der Nahrungssuche stellen die Degus Wachposten auf, diese sichern von einem erhöhtem Standpunkt aus das Revier. Auf verschiedene Arten signalisieren diese Wachposten ihren Gruppenmitgliedern, dass Gefahr droht. Mit einem schrillen Pfiff und dem aufgestelltem Schwanz signalisieren sie ihren Gruppenmitgliedern, dass eine massive Gefahr droht. Ertönt der entsprechende Warnruf eines Artgenossen, verschwinden sie pfeilschnell in ihre Höhlen. Geht die Gefahr aber eher von einem kleineren Beutegreifern aus, werden andere Warnrufe ausgestoßen und die Degus reagieren nicht sofort mit einer Flucht sondern halten in ihren Tätigkeiten inne und sondieren nur gründlich ihre Umgebung. Grundsätzlich sind Degus aber Fluchttiere, wird es also ernst, laufen sie schnell zu ihrem Bau um sich in Sicherheit zu bringen.

Soziales

Ihre soziale Lebensweise impliziert, dass Degus absolute Gruppentiere sind. Ein Degu würde niemals allein leben, in freier Wildbahn hätte er so auch keine Überlebenschance. Einzelhaltung ist für einen Degu also schlicht grausam, er hat keine Sicherheit, lebt in Angst, hat keine sozialen Kontakte, wird nicht geputzt und dazu kommt noch gähnende Langeweile ohne Partner. Es trifft keinesfalls zu, dass einzeln gehaltene Tiere schneller zahm werden. Degus brauchen einen Artgenossen zum Spielen, Rangeln, gegenseitigem Putzen, Kuscheln, um sich sicher zu fühlen und auch zum Kommunizieren.

Degus dürfen niemals allein gehalten werden!

Optimal sind Gruppen aus 2 - 5 gleichgeschlechtlichen Degus. Vor allem gleichgeschlechtliche Geschwistertiere aus einem Wurf vertragen sich gut. Pärchen sollten von Laien nicht gehalten werden, da die Tiere sich geradezu explosiv fortpflanzen (siehe dazu auch: Nachwuchs bei Degus). Die Kastration von Degus ist wegen der innenliegenden Hoden nicht leicht und sollte eine Ausnahme bleiben. Degus zu vergesellschaften ist wegen ihrer klaren Rangstruckturen mitunter schwer, vor allem Böcke zu vergesellschaften ist nicht leicht. Deshalb sollte der Deguanfänger sich von vornherein für zwei oder mehr Degus entscheiden.

Augen:   Degus haben durch ihre seitlich angebrachten Augen einen guten Rundumblick. Sie haben kein ausgerprägtes räumliches Sehvermögen, Bewegungen nehmen sie gut wahr, aber unbewegte Objekte nehmen sie eher schlecht wahr. Sie können Entfernungen aber abschätzen. Da sie nur zwei Farbrezeptoren im Auge haben, wird angenommen, dass sie die meisten Farben nicht sehen können und ihre Umwelt eher in Grautönen sehen. Sie können allerdings UV Licht warnehmen, frischer Deguurin reflektiert dieses Licht und wird von Degus so auch gesehen.
Ohren:    Degus haben ein sehr gutes Gehör. Sie nehmen auch Töne wahr, die der Mensch nicht mehr wahrnehmen kann. Sie verständigen sich auch im Ultraschallbereich.
Nase:   Degus haben einen ausgesprochen guten Geruchssinn. Sie nehmen ihre Umwelt über sehr differenzierte Gerüche wahr. Sie verständigen sich über gelegte Duftspuren, markieren ihr Revier mit Düften und orientieren sich auch bei der Partnerwahl und innerhalb der Gruppe am Geruch
Gleichgewicht:   Degus haben einen hochdifferenziertes Gleichgewichtsorgan im Innenohrbereich, so können sie relativ gut auf Seilen oder an Kanten entlangbalancieren.
Tasthaare:    Degus besitzen Tasthaare (Vibrissen) mit denen sie ihre Umgebung auch ertasten können. Diese Tasthaare sitzen an der Schnauze, sowie auch teilweise am Körper. Die Tasthaare reagieren stark auf Berührungen, so können Degus auch in Dunkelheit ihre Umgebung gut wahrnehmen.

Daten

Zähne:   Degus haben 4 ständig nachwachsende Schneidezähne (Nagezähne), diese Zähne haben Vorne eine starke Zahnschmelzauflage, die gelblich bis orange ist (nur neugeborene Babys haben noch helle Zähnchen). Sie besitzen dazu noch 16 Backenzähne (genaugenommen 4 Vorbackenzähne und 12 Backenzähne), welche ebenfalls Zeitlebens nachwachsen und durch ständiges Heumahlen abgeschliffen werden müssen.
Füße   Degus haben vorne an den Füßchen 4 Zehen, der Daumen am Vorderfuß ist verkümmert. An den Hinterfüßchen haben sie 5 Zehen. Sie haben ständig nachwachsende scharfe Krallen, die sie vor allem beim Graben benötigen. Degus in Heimtierhaltung haben meist nicht die Möglichkeit ihre Krallen durch Graben ausreichend abzunutzen, deshalb muss hier mit Steinen dafür gesorgt werden, dass die Krallen sich gut abnutzen können.
Gewicht    170 - 350 g
Körpergröße    ca. 13 - 19 cm + Schwanzlänge ca. 10,5 - 16,5 cm
Geschlechtsreife   Früheste Geschlechtsreife: Weibchen mit sieben, Männchen mit zwölf Wochen
Zuchtreife    mit ca. 6 Monaten sind die Tiere Zuchtreif
Alter   durchschnittlich 5 - 6 Jahre
Körpertemperatur:    ca. 36 - 39,5 °C

Geschlecht

Die Geschlechtsbestimmung beim Degu ist durch die innenliegenden Hoden beim Männchen für einen Laien nicht ganz leicht. Beide Geschlechter haben eine hautfarbendes Zäpfchen in der Genitalregion. Beim Weibchen ist es der Harnröhrenausgang (Länge ca 4 - 8 mm), das Zäpfchen des Männchens ist etwas größer (Länge ca. 5 - 10 mm), aber trotzdem nicht eindeutig als Penis zu erkennen. Die Scheide des Weibchens liegt quer zwischen dem After und der Harnröhre, sie ist allerdings mit einer Membran fest verschlossen und von daher kaum erkennen. Eine Geschlechtsbestimmung läßt sich am ehesten anhand des Abstandes von After und Zäpfchens durchführen. Das Männchen hat einen größeren Abstand als das Weibchen, im Schnitt beträgt der Abstand hier 8 - 10 mm, beim Weibchen beträgt der Abstand 3 - 6 mm. Eine Geschlechtsbestimmung wird im Idealfall durch einen direkten Vergleich mehrere Tiere durchgeführt - im Vergleich sind die Abstände und Unterschiede am ehesten zu erkennen.