Erfahrungsbericht Gino
von Carol Häussermann
Gino hat eine längere Leidensgeschichte hinter sich, die Anfang Oktober 2006
begann. Es fiel uns auf, dass er nicht mehr richtig fressen konnte, er hatte
einfach keine Kraft beim Zubeißen. Ich bemerkte, dass er sich an einem Stück
Karotte sehr abmühte und danach beobachtete ich ihn genauer. Nach dem
Versuch zu fressen zog er sich in seinen Unterschlupf zurück und machte den
Eindruck als hätte er Schmerzen. Wir sind am selben Tag abends zum Tierarzt
gefahren der Zähne und Mundhöhle untersuchte. Es wurde dabei nichts
Auffälliges gefunden. Zähne ok, keine Verletzung im Mäulchen,
Allgemeinbefund unauffällig. Für den nächsten Tag bekamen wir einen Termin
zum Röntgen und weiteren Untersuchungen. Das Röntgenbild und sämtliche
Untersuchungen brachten keinen Befund. Zwei Tierärzte haben ihn untersucht,
sich unter Narkose nochmal die Mundhöhle und Zähne angeschaut, Kiefer
abgetastet, gefunden wurde nichts. Organe unauffällig, kein geblähter Bauch,
kein Fieber - es war ein Rätsel, es wurde absolut nichts gefunden.
Wir bekamen ein Schmerzmittel für Gino (Metacam) und verabreichten morgens
und abends je einen Tropfen. Aber eine Verbesserung des Zustandes war erst
zu bemerken, als der 3.Tierarzt am nächsten Tag Cortison zusammen mit
Pancreas comp. spritzte. Noch am Abend stellte sich ein durchgreifender
Erfolg ein. Nun saß Gino nicht mehr mit Schmerzäuglein in der Ecke sondern
wurde aktiver. Nach dem Absetzen des Cortisons (nach der 3. Spritze) und der
erhaltenen Infusionen blieb sein Appetit und sein munteres Verhalten
bestehen, er nahm aber trotzdem wieder etwas ab. Er versuchte auch immer
wieder selbst zu fressen mühte sich aber meist erfolglos ab. Er wurde und
wird deshalb von uns mit Päppelbrei versorgt. Er bekommt Critical Care,
unter das wir manchmal Baby Frühkarottenbrei und ein paar Schmelzflocken
mischen. Anfangs wehrte er sich total gegen das Päppeln und wir sind fast
verzweifelt weil natürlich sein Gewicht inzwischen von knapp 1100 g auf
gerade mal noch 860 g gefallen war. Inzwischen bekommen wir das aber recht
gut hin und halten ihn so in diesem Bereich. Unser Kerlchen hat auch Appetit
und kann wieder weichere Sachen (Salat, Banane) etwas von selbst fressen und
auch von Gurke und Paprika schabt er sich ein wenig ab. Über Nacht hält er
sein Gewicht und ich habe den Eindruck er knuspert auch ein wenig Heu.
Zwischenzeitlich hat unser Tierarzt vorgeschlagen eine Biopsie des
Kaumuskels zu entnehmen und diese an ein Labor zu schicken um sicher
festzustellen ob Gino an einer Kaumuskeldegeneration leidet. Wir haben uns
dagegen entschieden, werden keine Biopsie vornehmen lassen. Mal ganz
abgesehen vom Narkoserisiko ist uns auch die Gefahr zu hoch, dass er durch
die dann neu entstehende Verletzung im inneren des Mäulchens wieder weniger
bereit ist zu fressen. In den letzten Tagen hatten wir gerade den Eindruck
das es bezüglich des selbstständig Fressens ein wenig aufwärts geht. Was er
mit einer Serie von 4 Tagen noch bekommt sind Enzyme bzw. Vorstufen von
Enzymen die der Appetitanregung dienen und die Verdauung unterstützen. Mit
diesem oral zu gebendem Mittel konnten wir das Gewicht auf ca. 860/870 g
halten. Es war ein homöopatisches Mittel mit dem Namen: Pancreas comp. PLV.
Nach dem Absetzen des Medikamentes mussten wir einen deutlichen
Gewichtsverlust feststellen und haben daraufhin das Mittel nochmals in einer
Serie von 8 Tagen gegeben. Auch nach diesem Absetzen gab es einen
Gewichtsverlust auf ca. 830/840 g, der sich in den weiteren Tagen etwas
abschwächt und wir nun wieder bei ca. 850/860 g pendeln.
Wir wollten Gino Anfang November dann die Schneidezähne richten lassen,
welche durch das nicht richtig nagen können inzwischen etwas zu lang und
auch ein wenig schief abgenutzt waren, dabei wurde dann der Abszess entdeckt.
Der Abszess wurde ausgeleert und gespült und Gino wurde mit einem
Antibiotikum versorgt. Durch die weitere Gabe von Antibiotika und Globuli RV
25 ging die Schwellung weiter zurück und es wurde nochmals ein Röntgenbild
von diesem Bereich angefertigt. Wenn überhaupt etwas erkennbar, dann ein
evtl. leicht angegriffener Kieferknochen im unteren hinteren rechten Bereich
Die Ursache des Abszesses wurde lt. Tierarzt eher in den Weichteilraum
zugeordnet und wird weiterhin mit Antibiotika und Globuli behandelt.
Gino beim Päppeln:

Leider hat sich nun bei der tierärztlichen Nachkontrolle am 18.11. ergeben,
daß sich trotz der bisherigen Behandlung wieder ein wenig Eiter gebildet hat
Da die Sache so offensichtlich nicht in den Griff zu bekommen war,
entschieden wir uns dann doch für eine OP. Idealerweise sollte versucht
werden den ganzen Abszess mitsamt Kapsel komplett zu entfernen. Gino wurde
dann am 23.11 morgens operiert. Schnell sah die Tierärztin, daß es wegen der
problematischen Lage des Abszesses (er lag inmitten vieler Blutgefäße) nicht
möglich sein würde ihn wie geplant komplett zu entfernen. Er wurde also
gespalten, ausgeschabt, ein Leukasekegel in die Wunde gepackt und ein
Drainageschlauch gelegt. Als wir Gino am Abend abholten war er schon wieder
putzmunter und zuhause angekommen stürzte er sich gleich auf die Heuraufe
und fraß mit gutem Appetit. Das Gehege wurde schon vorher für
frischoperierte tauglich gemacht. Wir hatten alles Streu entfernt und die
Bodenfläche mit alten Bettbezügen ausgelegt.
Der lange Drainageschlauch machte uns ein wenig Sorgen, denn wir sahen die
Gefahr, daß Gino evtl. drauftreten oder mit den Beinchen darin hängenbleiben
könnte. Nach telefonischer Absprache mit der TÄ kürzten wir das gelbe
Gummiteil und verknoteten es wieder fest. Der Knoten ist nötig damit der
Schlauch nicht herausgezogen werden kann.
Auf dem folgenden Foto sieht man den Schlauch noch in Originallänge:

Die noch offene Wunde muß nun täglich mit einer Lösung gespült werden und er
bekommt noch zusätzlich oral ein Antibiotikum. Schmerzmittel haben wir
zuhause bisher noch keines verabreicht, da er einen sehr munteren Eindruck
macht und gut frißt. Am 25. November waren wir nochmal zur Nachkontrolle beim Tierarzt der mit
dem Heilungsprozess sehr zufrieden war. Zwei Tage später wurde dann die
Drainage entfernt und gleich danach nochmal gespült. Die Wunde hatte nach
der OP glücklicherweise nie mehr geeitert und die Heilung schritt gut voran,
so dass wir ab Dezember nicht mehr spülen mußten da alles geschlossen war.
Nach der Entfernung der Drainage warteten wir noch zwei Tage dann setzten
wir Gino und die Mädels wieder auf Streu. Das mit den Tüchern muß nach einer
OP zwar sein ist aber doch eine schöne "Sauerei" und auch die Racker waren
froh wieder ihren gewohnten Untergrund zu haben. Am 10. Dezember wurden bei
Gino die Fäden gezogen und nochmals Zähne und Mundhöhle tierärztlich
inspiziert. Alles ist in Ordnung und wir hoffen nun alles auch dauerhaft
überstanden zu haben.
Im Blog von Ginos Besitzerin können Sie die neuesten Entwicklungen von Gino zuerst lesen:

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