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Handaufzucht von Meerschweinchenwaisen

Meerschweinchenjunge sind zwar von Geburt an augenscheinlich schon fertige kleine Schweinchen, aber sie benötigen in der ersten Woche nach der Geburt unbedingt Muttermilch, um sich vollständig zu entwickeln. Ist die Mutter verstorben oder nimmt sie die Jungen nicht an, haben die Jungtiere ohne entsprechende Pflege und Zufütterung keine Überlebenschance.

Wenn die Mutter die Jungen nicht annimmt

Manche Weibchen sind leider sehr schlecht sozialisiert und haben wenig Mutterinstinkt. Sie nehmen ihre neugeborenen Jungen nicht an und betreiben keinerlei Pflege. Ist dies der Fall, muss sofort gehandelt werden. Die Jungen werden separiert, nicht zusammen mit der Mutter in einem kleinen Käfig - das wird zwar gern empfohlen, bringt aber die Mutterinstinkte nicht zurück, sondern sorgt eher dafür, dass die Mutter aggressiv gegenüber den Jungen wird. Da Muttermilch wichtig ist, wird versucht, ob die Mutter bereit ist, die Jungen zu säugen. Dazu muss die Mutter leider fest gehalten und die Jungen an die Zitzen angelegt werden. Manche ruhige Tiere lassen das mit sich machen. Die Mutter wird rücklings gegen die Beine des im Schneidersitz dahinter sitzenden Menschen gehalten (eine zweite Person legt die Jungen dann zum säugen an). Die Jungen werden dann möglichst alle 3 Stunden angelegt, Nachts kann eine Pause gemacht werden. Ist dies nicht möglich, werden die Jungen ganz von Hand aufgezogen.

Folgende Grundausstattung wird für die Jungenaufzucht benötigt:

  • 1 ml Spritzen oder auch hochwertige Glaspipetten.
  • Katzenaufzuchtsmilch. Besonders gut geeignet ist die Cimi-Lac Aufzuchtsmilch, diese ist nur beim Tierarzt zu bekommen.
  • Spezielles Päppelfutter für Herbivore: "Herbi Care Plus", dieses Päppelmittel ist sehr stark vermahlen und eignet sich damit besonders gut für Jungtierpäppelnahrung Hier kann "Herbi Care Plus" bestellt werden: Aufziehmaus, Tiervitalshop."Critical Care" ist etwas gröber, es geht deshalb nur schwer durch die Spritze und ist eher etwas für ältere Jungtiere, die noch zugefüttert werden müssen. Hier kann es bestellt werden Tiervitalshop, Frau Meier.
  • Wärmekissen (Kirschkernkissen, Moorwärmflasche, Wasserwärmflasche, Snuggle Safe)
  • Schmelzflocken, evtl. Karottenbabybrei
  • Handtücher
  • Kuschelsäcke
  • Gemüse, Heu, Grünfutter

Unterkunft der Jungtiere

Die Babys werden in einem separaten Käfig untergebracht, dort wird auf einer Seite ein handwarmes Wärmekissen angeboten. Dieses wird in ein Handtuch gewickelt, damit es nicht angenagt werden kann. Das Kissen sollte nur so viel Wärme abgeben, dass die Jungen es kuschelig warm haben, aber nicht überhitzen!

Im Käfig sollte es eine isolierende Einstreuschicht geben und darüber eine dicke Lage Heu.

Kuschelsäcke aus reinem Leinen mit Fleecefutter werden von Jungtieren gern genutzt, sie müssen aber entfernt werden, wenn die Jungen diese annagen und sie müssen häufiger gewechselt werden, wenn sie verschmutzen. Einrichtungsgegenstände wie Etagen und Holzbrücken und Weidenbrücken bieten Verstecke und somit Sicherheit.

Die Fütterung

In den ersten Lebenstagen sind Meerschweinchenjungtiere auf Milch angewiesen. Wenn keine Amme zu finden ist, die sich um die Jungtiere kümmern kann, dann muss der Halter die Jungen von Hand aufziehen.

Alle 2 - 3 Stunden bekommen die Jungtiere einen Muttermilchersatz gefüttert. Dazu wird die Cimi-Lac Milch nach Anleitung warm zubereitet und noch einmal mit der gleichen Menge Wasser/lauwarmen Tee verdünnt. Ein Tropfen Sab Simplex sollte jeder zweiten Fütterung zugesetzt werden, um Aufgasungen zu vermeiden. Diese Milch wird in eine 1 ml-Spritze oder Pipette aufgezogen. Dann wird mit einem Tropfen auf der Haut (Puls an der Hand) getestet, ob die Milch die richtige Temperatur hat. Sie darf nur lauwarm sein, auf keinen Fall sollte sie kalt oder heiß verfüttert werden. Zu jeder Mahlzeit wird die Milch frisch angerührt. Die Milch wird entweder mit warmem Wasser oder mit verdünntem Fencheltee angerührt. Zweimal am Tag wird ein Tropfen Speiseöl in die Milch gegeben, damit die Jungen ausreichend Energie zugeführt bekommen.

Das Jungtier wird zu Anfang vorsichtig in ein Leinenhandtuch gekuschelt, damit es beim Füttern nicht zu arg zappelt. Dabei ist es sehr wichtig, das Jungtier möglichst in der natürlichen Lage zu halten. Es darf nicht zu senkrecht gehalten werden, damit es normal schlucken kann. Im Idealfall sollte es mit allen Vieren auf einem Tischchen oder dem Schoß stehen.

Dann wird die Milch tröpfchenweise ins Mäulchen gegeben. Bevor das Jungtier mit der Spritze gefüttert wird, sollten Sie sich unbedingt mit dem Gerät vertraut machen und erstmal üben, nur kleine Mengen damit abzugeben! Die Jungtiere trinken meist recht gierig und kommen kaum zum Schlucken. Trotzdem muss unbedingt nach jedem Schluck eine kleine Pause gemacht werden, damit das Baby schlucken und auch atmen kann! Wird zu schnell gepäppelt, wird das Tier falsch gehalten und werden keine Pausen eingehalten, dann kann Futter in die Lungen kommen, dies führt zur Aspirationspneumonie - und nicht selten zum Tod des Tieres! Nimmt das Jungtier die Milch nicht freiwillig an, wird die Spritze sehr vorsichtig von der Seite in das Mäulchen geschoben und ein Tropfen Milch wird direkt in das Mäulchen gespritzt. Meist merken die Jungen dann schon, dass es Futter gibt, sonst muss dieser Vorgang evtl. noch ein paar Mal wiederholt werden.

So wird das Baby nur gehalten, wenn es sich noch gegen die Milch wehrt:
Päppelkind

Eine allgemein gültige Mengenangabe kann nicht gemacht werden. Der Magen eines Jungtieres kann allerdings nicht sehr viel Milch auf einmal aufnehmen. Über den Tag verteilt sollte etwa 1 ml pro 10 g Gewicht gegeben werden. Es wird also ein wenig nach Gefühl gepäppelt, nuckelt das Jungtier weniger heftig an der Spitze, wird eine Pause gemacht. Wenn es dann nicht mehr nach der Spritze sucht, sondern sich zum Schlafen zurück zieht, ist es satt. Sucht es noch massiv nach der Spritze, dann sollte es noch ein paar Tröpfchen bekommen.

Irgendwann schmeckt die Milch auch ohne Zwang
Päppelkind

Schon von Anfang an kann einmal am Tag auch ein wenig Haferschleim unter die Milch gerührt werden. Dieser kann auch zur freien Aufnahme im Gehege in einer kleinen Schale angeboten werden.

Ab dem 5. Lebenstag wird die Päppelmilch mit einem speziellen, rohfaserhaltigen Päppelbrei versetzt. Zu Anfang wird nur sehr wenig von dem Herbi Care Pulver unter die Milch gemischt. Wird es gut vertragen, wird die Menge innerhalb von etwa 5 Tagen so weit gesteigert, dass nun nur noch zur Hälfte Milch und zur Hälfte Herbi Care gegeben wird. Nach weiteren 5 Tagen wird nur noch Herbi Care zugefüttert, dieses kann auch ganz oder teilweise durch Critical Care ersetzt werden, auch diese Umstellung muss langsam vorgenommen werden. Einige Mahlzeiten werden zusätzlich mit Haferschleim versetzt. Davon wird immer weniger gegeben, vorausgesetzt das Jungtier frisst selbstständig und verliert kein Gewicht, sondern nimmt kontinuierlich zu.

Um die Milch interessanter zu machen, können auch mal ein paar Tropfen Babykarottenbrei, Bananenmus oder Apfelmus zugegeben werden. Ab dem 7 Lebenstag kann auch versucht werden, den Jungtieren zusätzlich etwas Bananenmatsch, Apfelmus und Karottenbrei in einer Schale extra anzubieten. Auch Critical Care oder Herbi Care mit Mus vermischt kann in einer Schale gesondert angeboten werden.

Jedes neue Futtermittel wird grundsätzlich langsam angefüttert!

Pflege

Nach dem Füttern wird der Bauchbereich der Jungtiere vorsichtig in Richtung After massiert um die Verdauung anzuregen. Dabei bleibt das Baby wieder in der normalen Haltung, es wird nicht auf den Rücken gelegt! Es wird lediglich mit Zeige- und Mittelfinger oder dem Daumen unter das Tier gefasst und vorsichtig in kreisenden Bewegungen gestreichelt. Dabei kann auch ein leicht warmes Tuch helfen. Wenn die Jungen es sich gefallen lassen, kann der Bauch auch schon bei der Fütterung vorsichtig gestreichelt werden. Auf keinen Fall wird in das Tier gedrückt, das Massieren sollte immer mehr einem Streicheln als einer Massage gleichen! Das Streicheln ersetzt das Ablecken des Muttertieres, stärker als dieses sollte auch die Bauchmassage nicht sein.

Die Jungen werden mindestens einmal am Tag gewogen. Sie müssen immer zu einer bestimmten Zeit und entweder immer vor dem Füttern, oder immer nach dem Füttern gewogen werden. Das Gewicht wird notiert. Nehmen die Jungen ab, müssen sie häufiger mit Milch versorgt werden, außerdem wird etwas mehr Haferschleim in die Milch gerührt.

Verpflegung mit Grundnahrungsmitteln

Die Jungen müssen überall Heu vorfinden, da sie schon in den ersten Tagen anfangen, dieses zu probieren. Trockenkräuter, Blüten und Blätter sollten ebenfalls im gesamten Gehege verteilt werden. Mehrmals täglich werden verschiedene Gemüsesorten angeboten. Das Gemüse wird für sehr junge und schwache Tiere geraspelt oder in sehr kleine Stückchen geschnitten. Für Babys ab einer Woche kann das Gemüse auch mit einem Sparschäler in schmale Streifen geschnitten werden, wenn die Jungen es so annehmen. Im Sommer sollte frisches Grün von der Wiese ebenfalls mehrmals täglich angeboten werden, Gras, Löwenzahn und Co regen zur selbstständigen Nahrungsaufnahme an. Ein Teelöffel Haferflocken wird den Jungtieren ebenfalls zur freien Aufnahme im Käfig angeboten. Die Jungen haben so die Möglichkeit, von Anfang an feste Futtermittel kennenzulernen und werden nicht zu einseitig auf ein Futtermittel geprägt.

Vergesellschaftung der Jungtiere

Wenn die Jungtiere gut zunehmen und sich ihr Fläschchen freiwillig abholen, dann kann versucht werden, sie mit erwachsenen Meerschweinchen zusammenzubringen, damit sie dort Geborgenheit finden und das Sozialverhalten lernen. Allerdings dürfen die Kleinen nicht einfach in eine Gruppe gesetzt werden, nicht alle Meerschweinchen können mit Jungtieren umgehen und es besteht kein Welpenschutz bei Meerschweinchen!

Ideal wäre ein Weibchen, das schon Jungen aufgezogen hat und sehr sozial gegenüber Jungtieren ist. Dieses wird zu den Jungen in den Käfig gesetzt. Wenn sie vorsichtig mit den Jungen umgeht und erlaubt, dass die Jungen sich an sie kuscheln, dann bleibt sie dauerhaft im Gehege. Allerdings wird es dann mit den im Käfig verteilten Futtermitteln etwas schwer, das erwachsene Weibchen würde sich damit rund fressen. Den Jungtieren muss dann noch häufiger frisches Futter in kleinen Mengen vorgesetzt werden, das erwachsene Tier muss für die Zeit mit anderem Futter abgelenkt werden. Die Jungtiere bekommen dann auch häufiger Haferflocken direkt aus der Hand und nicht mehr zur freien Aufnahme.

Wenn die Jungen etwas kräftiger sind und selbstständig fressen, können sie langsam an die anderen Gruppenmitglieder herangeführt werden. Es wird dann gemeinsamer Auslauf gegeben. Die Kleinen müssen dabei Sozialverhalten lernen, dürfen aber nicht gemobbt werden.

Wichtig: Das Gehege muss auf jeden Fall wirklich groß genug für eine Kleingruppe sein (mindestens 1 m² Bodenfläche, besser 2). Gerade in kleinen Käfigen oder Gehegen werden Jungtiere immer wieder von erwachsenen Tieren regelrecht umgerannt. Es ist dabei auch sehr wichtig, das die vorhandenen Unterschlüpfe sehr groß sind. Am besten eigenen sich hier Etagen oder sehr große Pappkartons mit mehreren Eingängen. Handelsübliche Häuser sollten auf keinen Fall angeboten werden.

Abschließend

Manche Jungen müssen noch sehr lange zugefüttert werden. Meist holen sie sich ihre Spritzen mit dem Critical Care oder Herbi Care am Gehegerand ab. Sobald sie allerdings ein Gewicht von etwa 350 - 400 g erreicht haben, ist das Zufüttern normalerweise nicht mehr nötig.


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