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Blähungen (Tympanie) bei Meerschweinchen

Eine leider häufiger bei Meerschweinchen vorkommende Krankheit ist die Tympanie, Umgangssprachlich schlicht "Blähungen". Im Darm der Meerschweinchen entstehen durch den Zersetzungsprozess beim Aufspalten der Nahrung Gase. Diese gehen normalerweise über die Darmwände und über den After ab. Wenn der Darm verstopft ist, der Nahrungsbrei also nicht durchlässig genug ist um Gase abgehen zu lassen, zu viele Gase entstehen oder sich viele Gasbläschen bilden, dann stauen diese sich im Darm. Dies verursacht beim Tier starke Schmerzen, starke Blähungen können die Verdauung nachhaltig stören und im Extremfall kommt es sogar zum Tod des Tieres durch Schmerzen, Futterverweigerung und die gestörte Verdauung. Deshalb ist es extrem wichtig Blähungen umgehend korrekt zu behandeln und natürlich beim ersten Anzeichen einer solchen Erkrankung unverzüglich einen Tierarzt aufzusuchen!

Was löst Blähungen aus?

Der häufigste Grund für wiederkehrende Blähungen ist eine grundsätzlich falsche Fütterung mit Trockenfutter/Pellets, zu wenig Heu und Grünfutter oder anderweitig einseitige Fütterung.

Häufig entstehten Aufgasungen, wenn ungewohntes Grünfutter in solchen Mengen gegeben wird, dass der Darm überfordert ist. Vor allem im Sommer müssen die Tiere vor dem Raussetzen auf die Wiese erst langsam an frisches Gras etc. gewöhnt werden, sonst entstehen diese schmerzhaften Blähungen sehr schnell. Siehe auch: Kleine Graserei / Umstellung.

Stark blähendes/gärfähiges Futter wie Kohl, Hülsenfrüchte, Zwiebelgewächse, Klee und feiner Rasenschnitt sowie angegorenes, gefrorenes oder erwärmtes Gras verursachen, vor allem in zu großen Mengen oder wenn die Tiere nicht daran gewöhnt sind, gefährlichen Blähungen.

Ebenso kann es auch bei vorhandenen anderen Krankheiten wie Zahnfehlstellungen, Infektionen der Atemwege etc. zu Blähungen kommen. Immer dann, wenn eine Nahrungsumstellung durch die eingeschränkte Fähigkeit das angebotene Futter aufzunehmen stattfindet kann die Darmpassage verzögert werden.

Eine Verstopfung, z.B. durch zu wenig Rauhfutter oder eine grundsätzlich falsche Fütterung (viel Trockenfutter, viele Pellets, kaum Heu oder Grünfutter etc.) oder durch teilweise Nahrungsentzug kann ebenfalls Aufgasungen im Darm hervorrufen.

Ein Grund für Blähungen kann auch gespritztes und nur unzureichend gewaschenes Gemüse oder Obst (also eine Vergiftung) oder bei extrem empfindlichen Tieren sogar nicht gut abgetrocknetes Gemüse und Grünfutter sein.

Mitunter kommt es zu einem massivem Hefepilzbefall im Darm, auch dieser kann Aufgasungen im Darm auslösen.

Seltener ist eine bakterielle Infektion der Grund für Blähungen.

Anzeichen von Blähungen?

Meerschweinchen zeigen eine Blähungen sehr deutlich an.
  • Erstes Anzeichen ist normalerweise Futterverweigerung. Die Tiere erscheinen nicht zur Fütterung, bleiben am Schlafplatz und wirken krank oder stark gestresst.
  • Gut zu ertasten und oft auch zu sehen ist häufig eine Aufblähung des Bauches, die Bauchdecke ist stark gespannt, rund und hart.
  • Im fortgeschrittenen Stadium kommt es zu einer massiven Umfangsvermehrung im Bauchbereich. Es sitzt im Anfangsstadium rund in der Hocke, meist mit leicht gesträubtem Fell und atmen stärker (massive Flankenatmung).
  • Bei fortschreitenden oder sehr starken Aufgasungen bekommen die Tiere nicht selten auch Atemnot oder auch eine Kreislaufschwäche, sie liegen / sitzen dann mit starker Flankenatmung, oft mit panisch aufgerissenen Augen oder schon teilnahmslos im Gehege.
  • Mitunter knirschen Meerschweinchen bei starken Kolikschmerzen auch mit den Zähnen.

Wichtig:

Stellen Sie massive Aufgasungen bei Ihren Meerschweinchen fest, müssen Sie unverzüglich einen Tierarzt aufsuchen.

Starke Blähungen können innerhalb weniger Stunden zum Tode des Tieres führen! Der Tierarzt wird etwas entkrampfendes Spritzen und ggf. ein Cortison verabreichen. Häufig wird zur Behandlung ein Spasmolytikum (z.B. Buscopan) angewandt. Dieses Mittel lähmt den Darm der Meerschweinchen stark und führt mitunter dazu, dass die Darmtätigkeit völlig zum Erliegen kommt. Der Einsatz eines solchen Mittels ist also nicht unbedingt immer sinnvoll! Als Alternative eignet sich zum Entkrampfen ein Schmerzmittel mit Metamizol also beispielsweise Novalgin (Dosierung: 50 mg Metamizol = ~0,1 ml Tropfen) oral, alle 4 - 6 Stunden). Ist das nicht zur Hand, sollte auf jeden Fall ein anderes Schmerzmittel, beispielsweise Metacam (Meloxicam 0,2 mg tägl) verabreicht werden. Zur Unterstützung des Kreislaufes wird eine Infusion gespritzt. Außerdem wird grundsätzlich ein Medikament mit dem Wirkstoff Simeticon oral eingegeben (s. U.) um im Darm vorhandene Gasbläschen aufzulösen. Colosan kann sich positiv auf den Darm auswirken.

Bei Blähungen sollten ohne genaue Ursachenkenntnis kein Antibiotikum angewenden werden. Die meisten Antibiotika greifen auch die gesunden Bakterien im Darm an und sind meist ohnehin nutzlos bei einer Aufgasung, da diese nur selten durch Infektionen hervorgerufen werden.

Bei extremen Fällen von Aufgasung wird mitunter versucht, den Darm oder Magen zu entgasen. Zur Darmentgasung wird eine Kanüle in den entsprechenden Bereich eingeführt und das Gas wird so langsam zum Entweichen gebracht. Der Magen wird über eine Magensonde entgast. Diese Methoden sind umstritten, denn sie stresst das Tier, ist Schmerzhaft und kann, wenn der Tierarzt nicht sehr geübt darin ist, zu massiven inneren Verletzungen führen.

Lässt sich die Aufgasund nicht innerhalb eines Tages lösen, ist es nötig, die genaue Ursache heraus zu finden, ein Röntgenbild der Darmregion kann Aufschluss über die Art der Verstopfung geben.

Sofortmaßnahmen bei Blähungen (bis zum Tierarztbesuch und als weiterführende Therapie):

Bis die massive Aufgasung abgeklungen ist, darf das Meerschweinchen vorwiegend Wasser/Tee und Heu, wenig Grünfutter und getrocknete Kräuter zu sich nehmen! Gemüse, vor allem Blattgemüse und Kohlsorten, werden sofort abgesetzt. Heu sollte immer im Käfig vorhanden sein. Getrocknete Kräuter wie Pfefferminze, Dill, Kamille, Melisse und Schafgarbe wirken lindernd und können gern angeboten werden. Wiesengrün und anderes Grünfutter sollte vorerst nur in kleinen Portionen über den Tag verteilt gegeben werden, um einer Verstopfung vorzubeugen. Frische Kräuter, Blätter und Blüten sind ebenso nur in kleinen Mengen erlaubt. Sobald die massive Blähungen sich gebessert hat (der Bauch also nicht mehr hart und aufgebläht ist), wird das Meerschweinchen vorsichtig wieder an Frischfutter gewöhnt. Dazu werden kleine Stückchen Fenchel, Reibeäpfel (kurz zum Anbräunen stehen lassen), dazu (evtl. geriebene) Karotte gereicht. Achten Sie darauf, während der Zeit ohne Gemüse zusätzlich Vitamintropfen bzw. Vitamin C (gut geeignet ist das Präparat Versela-Laga C-Vit ) extra zu geben. Die Diät wird nicht länger als zwei Tage durch geführt, halten die Aufgasungen länger an, muss jede weitere Diät und Behandlung mit dem Tierarzt abgesprochen werden. Frisst das Schweinchen vor Schmerzen nicht freiwillig und helfen Schmerzmittel nicht, darf das Tier natürlich einfach alles fressen, was es gern mag - Hauptsache es frisst überhaupt. Hier wäre jede Form von Diät oder Futtermitteleinschränkung falsch!

Sab Simplex® Tropfen, Lefax oder ein anderes Medikament mit dem Wirkstoff Simeticon oder Dimeticon ist einzugeben. Mehrmals täglich (bei heftigen Fällen alle 2 Stunden) Anfangs einmal 1 - 2 ml, dann etwa 0,3 ml vermischt mit der gleichen Menge Wasser. Anschließend kann der Bauch vorsichtig mit kreisenden Bewegungen massiert werden (eher streicheln, nicht drücken!). Bei starker Aufgasung kann auch wesentlich mehr von dem Mittel eingegeben werden.

Sollten diese Medikamente nicht zur Verfügung stehen, dann geben Sie Fencheltee, Kümmeltee (Kümmel heiß überbrühen und 15 Min. stehen lassen) oder Pfefferminze.

Wärme? Umstritten ist die Zufuhr von Wärme bei Aufgasungen. Kühlen die Meerschweinchen stark aus oder haben sie heftige Krämpfe, kann Wärme sich positiv auswirken. In dem Fall wird ein Snuggle Safe oder ein anderes Wärmekissen unter einem Kuschelsack angeboten, setzen Sie das Tierchen hinein, lassen Sie es aber selbst entscheiden, ob es die Wärme nutzen möchte oder nicht. Wird die Aufgasung durch große Mengen gärendes Grünfutter im Darm verursacht (zu viel Wiese im Frühjahr), dann kann Wärme kontraproduktiv sein, da sie die Gärung des im Darm befindlichen Materials beschleunigt. Sollte das Tier eine Nahrungsaufnahme verweigern, muss Nahrung in kleinen Mengen zwangsweise zugeführt werden. Anweisungen dafür finden Sie hier: Päppeln. In so einem Fall ist allerdings fast alles erlaubt, bieten Sie dem Tier das gesamte Spektrum an Lieblingsfutter an.

Darmflora:

Die beschädigte Darmflora des Meerschweinchens muss wieder aufgebaut werden. Dazu wird vom Tierarzt meist Bird Bene Bac verabreicht, dieses Gel besteht aus gefriergetrockneten Bakterien, welche der Darmflora helfen soll, sich wieder zur regulieren.

Mitunter wird behauptet, Joghurt würde sich positiv auf die Darmflora von Meerschweinchen auswirken - das stimmt nicht. Zwar stimmt es, dass im Joghurt die entsprechenden Bakterienkulturen lebend vorhanden sind und in Präparaten wie Omniflora oder Bird Bene Bac nur gefriergetrocknete Kulturen, die ebenfalls aus Milchprodukten gewonnen wurden, vorhanden sind. Aber: Meerschweinchen vertragen Milchprodukte wegen des hohen Anzeils an Milchzucker (Lactose) nur sehr schlecht. Meerschweinchen haben eine Lactoseintolleranz (sie stellen nur bis zum Abstillen Laktase her, welche die Lactose aufspaltet). Lactose wird von Meerschweinchen im Dünndarm nicht ausreichend in Galactose und Glucose aufgespalten und gelangt unverdaut in den Dickdarm, dort wird sie dann von den Darmbakterien vergoren, was zu Blähungen und Durchfall führt. Auch geringe Mengen Joghurt können diesen Effekt beim Meerschweinchen haben und sind deshalb bei Darmerkrankungen eher kontraproduktiv. Wird ein Joghurt mit vielen Milchsäure-Bakterien angeboten, gelangen diese zu einem großen Teil mit in den Dickdarm und spalten dort weiter Lactose auf - die Gefahr von Blähungen und Durchfall sinkt, deshalb bekommen viele Meerschweinchen zwar von neuartigen Joghurtsorten keinen Durchfall und keine Blähungen mehr, aber der therapeutische Nutzen ist nicht gegeben, da nur ein geringer Anteil Bakterien überhaupt im Dickdarm ankommen und durch die Lactose der Darm zusätzlich belastet wird.

Quellen unter anderem

Gabrisch und Zwart Krankheiten der Heimtiere; Schlütersche; Auflage 2005 (und Studienausgabe 1989)

Anja Ewringmann/ Barbara Glöckner Leitsymptome bei Meerschweinchen, Chinchilla und Degu / Diagnostischer Leitfaden und Therapie

Isenbügel Heimtierkrankheiten

Ilse Hamel Das Meerschweinchen als Patient

Kraft; Hein; Emmerich Dosierungsvorschläge für Arzneimittel bei Kleinnagern, Kaninchen und Frettchen; Schattauer

Peter C. Berghoff Kleine Heimtiere und ihre Erkrankungen

Walter Baumgartner, Klinische Propädeutik der inneren Krankheiten und Hautkrankheiten der Haus- und Heimtiere, Verlag Parey, 6. Auflage 2005

Weitere Quellen hier: Quellen der Nager Info