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Ein geschenktes Kaninchen

Ein Erfahrungsbericht von Virginia Korn

Es ist mittlerweile fast vier Jahre her, da telefonierte ich mit der Tante meines Freundes und die fragte mich, ob sie mir ein Kaninchen schenken kann. Ihre haben wieder geworfen (sie hatte eine Hobbyzucht) und sie hatte die Angewohnheit, die Kaninchen zu verschenken - einzeln und vorzugsweise an Kinder. Wie schrecklich das ist, war mir damals nicht bewusst - es war meine erste, eigene Tieranschaffung und die letzte, die so nichtswissend erfolgte.

Ich bekam das Kaninchen geschenkt, es war ein Mädchen und ich nannte es Mucki. Eigentlich wollte der Onkel meines Freundes mir noch ein zweites Kaninchen schenken, daraus ergab sich dann nichts und weil Mucki auch alleine ziemlich laut war (was verständlich war in einem 1m²-Käfig, sie hat an den Gittern geknabbert und an ihrer Trinkflasche) blieb es bei nur einem Kaninchen. Selbstverständlich wurde sie ohne Heu, nur mit Trockenfutter ernährt - ganz genau so, wie ich es in dem Ratgeber gelesen habe, den ich mir gekauft habe. Ab und zu gab es eine Möhre oder ein Stück Paprika, mehr leider nicht. Mittlerweile habe ich den "Ratgeber" in den Ofen geworfen, auf den Flohmarkt würde ich sowas nie tun, wer weiß ob sich da einer ein Beispiel an den "Informationen" nimmt!

Innerhalb von zwei Jahren wurde Mucki nicht nur dick und verhaltensgestört (Gitterknabbern, Flasche ziehen) sondern auch resigniert. Sie schlief nur noch und selbst wenn ich sie auf dem Sofa laufen ließ zeigte sie keine rechte Lust mehr. Nur wenn einer am Käfig vorbeikam sprang sie auf, um ein bisschen Liebe zu erhaschen. Das kam mir auch damals nicht richtig vor und so kaufte ich einen zweiten 1 m² großen Käfig, so dass sie wenigstens fast 2 m² hatte (zwei Käfige aneinandergedrahtet ohne Zwischenteil). Ich merkte, dass sie aktiver wurde und das gefiel mir - auch etwas mehr Frischfutter habe ich zu füttern angefangen und ihr ab sofort täglich frisches Heu angeboten. Irgendetwas fehlte noch immer und so beschloss ich, ihr einen Partner zu gönnen - was ich sofort wieder ausgeredet bekam. Zwei Zoohandelverkäufer und der Onkel meines Freundes verklickerten mir klipp und klar, Kaninchen sind nicht vergesellschaftbar und zerreißen sich. Kaninchen wollen lieber alleine bleiben und man soll sie halt viel streicheln. Das nahm ich hin, weil ich dachte, drei Leute werden wohl nicht irren, einer davon "züchtet" ja selbst auch Kaninchen...

Innerhalb von drei Jahren hatte ich mich soweit weiter entwickelt, dass ich nicht nur Tierschützer sondern auch Veganer war. Und wie es sich für einen Tierschützer gehört, machte ich mich weiter über Tiere schlau. Irgendwann stieß ich dann auf diebrain.

Und nachdem ich die Kaninchenabteilung durchgelesen hatte, wurde mir klar, was für einen Blödsinn man mir erzählt (und im Ratgeber geschrieben) hat und was ich Mucki drei Jahre lang angetan habe. Jetzt, da ich die Anzeichen der Vereinsamung sehen konnte, war es für mich nicht zum aushalten. Zu sehen, wie sie Gitter knabbert und vor lauter Einsamkeit ihr Haus ableckt. Deshalb gab es eine Krisensitzung mit meinem Freund und dann stand die Entscheidung fest: So kanns nicht bleiben!

Zuerst ging es zum Tierarzt zum Impfen - von einer Impfung hatte ich vorher noch nie gehört. Sie wurde untersucht, ob alles in Ordnung sei und eine Scheinschwangerschaft wurde festgestellt, woraufhin ich ein Medikament bekam, welches ich ihr gewissenhaft "eingeflößt" habe (Kaninchen können so viel Kraft haben, wenn sie wollen!). Das Trockenfutter flog komplett weg (besser gesagt, es wurde dem Tierheim gespendet) und ab jetzt gab es ausschließlich Frischfutter, Heu und Wiese was Mucki mit Freude annahm. Allerdings musste ich auch kürzer treten und mehr Wasserhaltiges füttern, weil sie noch immer übergewichtig war (als Löwenköpfchen schlappe 2,3 Kilo).

Der nächste Gang war zum Tierheim, wo man wirklich unheimlich freundlich und kompetent zu uns war. Wir nahmen Paul mit, ein schwarzes Kaninchen, das fortan Muckis Partner sein sollte. Er wurde kastriert und nahm mit seinem 2 m² Übergangsgehege unser komplettes Wohnzimmer ein, so dass wir nur noch einen schmalen Gang zum Laufen und unsere Couch hatten. Nach 8 Wochen Kastrations-Quarantäne wollten wir die Vergesellschaftung angehen.

Fehlanzeige allerdings, denn alles verzögerte sich wieder um 4 Wochen, denn Mucki war innerhalb dieser 8 Wochen ganze 9 mal Scheinschwanger gewesen (später alle 3 Tage) und musste sterilisiert werden, um Krebs zu verhindern. Nach der erneuten Quarantäne war es endlich ausgestanden.

Schließlich begannen wir mit der Planung. Wo ist Platz für ein 4 m² Gehege? Was Kleineres kam nicht in Frage. Draußen war unmöglich wegen unserem Schäferhund, der sich sofort Zutritt verschafft hätte. Also opferten wir zwei Schränke und einen Thresen aus unserer Wohnung und richteten im Computerzimmer ein 4 m² großes Gehege, mit Gitterelementen und einem gespannten Netz oben drüber (so hoch, dass sie auch springen können) ein. Die Vergesellschaftung fand auf neutralem Boden statt, es gab nur eine einzige kurze Keilerei, die eher ein schnelles aber lautes Wettrennen darstellte (irgendwann morgens um halb sieben, woraufhin ich fast aus dem Bett gefallen bin) und nach etwa. 4 Tagen gab es das erste, gemeinsame Schmusen. Ich hätte heulen können, so froh war ich. Die beiden bezogen am 6. Tag ihr großes 4 m² Gehege und seitdem leben sie dort. Mittlerweile haben wir noch eine Kiste mit Sand reingestellt, in der eifrig gebuddelt wird. Und selbstverständlich gibt es keinen ekligen Trockenfraß sondern frisches Heu, Frischfutter und Äste und Zweige zum Knabbern. Ein Spieltunnel ist auch da, den mögen sie scheinbar ganz besonders.

Zwei die sich gefunden haben
Kaninchen

Mein Fazit ist: NIE wieder Einzelhaltung!

Ich habe mit eigenen Augen gesehen wie sehr die Tiere leiden. Und immer, wenn Mucki und Paul zusammen schmusen tut es mir für sie leid um die 3 Jahre, die sie in Einsamkeit verbringen musste. Es mag Arbeit sein, aber es macht eine unschuldige Seele glücklich, die kein Leid verdient hat. Mein Freund und ich sind sehr stolz über diesen Schritt!

Dieser Erfahrungsbericht, sowie das Foto wurden uns freundlicherweise von Virginia Korn zur Verfügung gestellt. Der Text und die Fotos stehen unter ihrem Urheberrecht! Es ist nicht erlaubt, Text und/oder Fotos ungefragt zu kopieren oder Fotos direkt zu verlinken.