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Zwei allein - ein Erfahrungsbericht zur Einzelhaltung

Ich hatte mir aus dem Tierheim zwei kastrierte Rammler geholt, Dill und Bär. Sie lebten bei mir so, wie ich das aus einigen Büchern über Kaninchenhaltung gelernt hatte: in einem 120er-Käfig, mit lecker Marken-Trockenfutter, Heu und Gemüse, und jeden Tag ein bis drei Stunden Auslauf im Zimmer. Meine Jungs schienen sich recht wohl zu fühlen (dachte ich zumindest - dass ihr Käfig nicht gerade ein Kaninchen-Wohlfühlparadies war, wurde mir erst später bewusst) und verstanden sich anfangs auch gut.

Nachdem sich die zwei nach ein paar Wochen jedoch ständig jagten, sich ansprangen und einander Fell ausrissen, sah ich mich gezwungen, sie wohl oder übel zu trennen. Mein Wieder-Vergesellschaftungs-Versuch (ich ließ einfach beide zusammen in dem Zimmer rennen, in dem sie auch normalerweise Auslauf hatten) scheiterte natürlich kläglich, und in meinen "schlauen" Büchern stand ja auch nichts darüber....

Na gut, dann ab jetzt eben einzeln, dachte ich mir. In den Kaninchenbüchern stand ja auch, dass Kaninchen nicht unbedingt einen Partner bräuchten, wenn man genügend Zeit mit ihnen verbringt... also stellte ich ein bisschen Spielzeug ins Zimmer, und ich versuchte, mich mit ihnen während der (jetzt nur noch) jeweils 1-2 Stunden Auslauf zu beschäftigen. Das funktionierte allerdings nicht besonders gut, weil beide noch sehr scheu waren und sich kaum anfassen ließen. Und langsam stellten sich auch die ersten Auswirkungen der Einzelhaltung ein: Dill hatte schon im gemeinsamen Käfig ständig an den Gittern genagt, aber er war sonst (vor allem beim Auslauf) putzmunter und sprang durch die Gegend, also blendete ich das aus. Er war ja schließlich ein glückliches Kaninchen, das sah man doch!

Dagegen war Bär war schon immer der Trägere von beiden gewesen, und so machte ich mir zunächst auch keine großen Gedanken, als er die meiste Zeit in seinem Käfig einfach nur herumlag und döste, mal ganz davon abgesehen, dass er auch mit dem Gitternagen begann. Ich begann mich allerdings zu wundern, als Bärchen immer öfter an seiner Trinkflasche saß und nuckelte. uerst nervte mich das ewige Geklacker einfach nur, aber als er so weit war, dass er am Tag über einen halben Liter Wasser trank, machte ich mir ernsthaft Sorgen. Zusätzlich war er durch das viele Wasser auf einmal auch nicht mehr stubenrein und setzte mir überall Pfützen auf den Teppich, ich traute mich kaum noch, ihn aus seinem Käfig zu lassen... hatte er jetzt etwa eine ernsthafte Erkrankung?

Also schleppte ich den armen Bär mehrere Wochen lang zum Tierarzt. Mit ihm wurden alle möglichen Untersuchungen angestellt, doch nie konnte man herausfinden, was ihm fehlte. Schließlich erklärte die Tierärztin, vielleicht trinke er einfach nur aus Langeweile, manchmal entwickelten Kaninchen solche Zwangshandlungen. Natürlich konnte ich das so recht nicht glauben...mein Bärchen hatte doch keine Langeweile! Er wurde liebevoll umsorgt, und hatte alles, was in den tollen Ratgebern stand, er musste einfach glücklich sein!

Allerdings hatte ich auch selbst ein bisschen im Internet nachgeforscht (weil mir sonst weiter keine Info-Möglichkeit einfiel) und gelesen, dass Kaninchen unbedingt einen Partner bräuchten,kein Trockenfutter bekommen sollten und noch einige andere Dinge, die ich auch nicht so recht glauben wollte... die ganzen Buchautoren konnten doch nicht irren, und dass Kaninchen einzeln gehalten werden können war auch klar, das machte doch jeder so.

Ich wurde meine Zweifel erst los, als bei mir eher zufällig ein drittes Kaninchen einzog und ich mich entschloss, eine erneute Zusammenführung zu versuchen... man konnte es ja mal ausprobieren. Weil ich einsah, dass meine "einfach laufen lassen"-Methode nicht so recht funktionierte, probierte ich es mit der Anleitung aus der Nager Info.

Und siehe da: Noch am ersten Tag der Vergesellschaftung kuschelte Bärchen mit der Neuen und sein Trinkzwang hörte auf. Auch nach der Vergesellschaftung trank er wieder ganz normal, und war auch nicht mehr so bewegungsfaul wie vorher. Das lag aber auch daran, dass die Kaninchen nun mehr Platz und Zeit zum Rennen bekamen, weil ich gesehen hatte, wie viel mobiler sie bei der Vergesellschaftung gewesen waren, als sie einen ganzen Raum für sich hatten. Außerdem erschien mir auf einmal viel glaubwürdiger, was ich im Internet gelesen hatte, und ich verbesserte Stück für Stück die Lebensbedingungen meiner Kaninchen. Bald ziehen sie in ein großes Außengehege, denn Käfighaltung, trotz großem Eigenbau und viel Auslauf, ödet sie ziemlich an.

Bär mit Zimt, Dill mit Momo = glückliche Kaninchen
Bär mit ZimtDill mit Momo

Und nicht nur Bär hat jetzt eine hinreißende (wenn auch etwas hyperaktive) Freundin, auch Dill bekam bald danach eine Freundin, in die er immer noch schwer verliebt ist. Denn leider konnte ich trotz aller Bemühungen meine beiden Jungs nicht wieder zusammen bringen, und Dill ertrug die Einsamkeit auch nicht mehr lange. Er war immer fauler geworden und irgendwann wollte er selbst beim Freilauf nicht mehr hinter der Couch hervorkriechen, nicht einmal gegen ein Leckerchen. Jetzt sind diese Zeiten zum Glück vorbei.

Die Kaninchen haben mir überdeutlich gezeigt, wie sehr sie darunter gelitten haben, partnerlos zu sein - und das, obwohl sie "nur" etwas über zwei Monate allein waren. Vor allem Bär hat mir mit seiner drastischen Reaktion die Augen geöffnet, und das war sein Glück.

Heute zeigen mir die Kaninchen immer wieder deutlich, wie sehr sie aneinander hängen. Nicht nur, dass sie fast alles gemeinsam machen, ständig kuscheln und sich gegenseitig abschlecken. Wenn ein Partner nicht da ist, merkt man dem anderen sofort an, dass er Kummer hat: Dill ging so weit und wollte schon nach einem Tag Trennung (ich musste seine Freundin wegen Krankheit vorübergehend einzeln beobachten) kaum noch fressen. Wenn das nicht Liebe ist, weiß ich auch nicht.

Dieser Erfahrungsbericht wurde uns freundlicherweise von Julia B. zur Verfügung gestellt. Der Text steht unter ihrem Urheberrecht! Es ist nicht erlaubt den Text ungefragt zu kopieren.