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Kaninchen (Oryctolagus cuniculus)

Einige Einsteigertipps für neue Kaninchenhalter und solche, die es werden wollen.

Allgemeines über Kaninchen

Kaninchen sind Tiere, die in Gruppen leben, von daher dürfen sie nicht allein gehalten werden. Der Mensch oder ein artfremdes Tier wie z. B. ein Meerschweinchen, kann den Partner nicht ersetzen! Ein Pärchen versteht sich im allgemeinen am besten. Der Rammler (das Männchen) sollte früh genug (bis zur 14. Lebenswoche) kastriert werden, um Nachwuchs zu vermeiden. Zwei frühkastrierte Rammler können dauerhaft Freundschaft schließen. Weibchen sind nach der Geschlechtsreife oft eher unverträglich. Kaninchen können bis zu 10 Jahre alt werden, normal ist ein Alter von 5 - 7 Jahren.

Kaninchen sind keine Spieltiere für Kinder! Es müssen immer Erwachsene die Pflege der Kaninchen überwachen. Kaninchen sind auch nicht immer ruhige Schmusetiere, manche Kaninchen mögen gar nicht schmusen und werden nicht zahm.

Kaninchen ziehen ein, was ist vorab zu beachten?

Bevor Kaninchen einziehen, sollte das große Gehege schon vorhanden sein. Alle Familienmitglieder sollten vorsichtshalber einen Allergietest machen, es sollte auf Heu, Staub und Kaninchenhaare getestet werden. Es ist nicht ratsam, einfach in den Zoohandel zu gehen und die erstbesten Tiere zu kaufen. Oft sind die Kaninchen im Zooladen nicht gesund, zu früh von den Eltern getrennt und vor allem noch sehr klein, so dass man kaum erkennen kann, wie groß die Tiere mal werden. Besser wäre es für einen Anfänger, schon kastrierte und vergesellschaftete Paare aus dem Tierheim oder eine Notstation aufzunehmen. Dann ist der Charakter der Tiere bekannt und die Tiere sind ausgewachsen und man erlebt damit keine großen Überraschungen mehr. Wenn es keine Tiere aus dem Tierschutz sein sollen, dann wäre der Gang zu einem verantwortungsvollen Züchter die nächste Alternative.

Wenn die Kaninchen dann eingezogen sind, sollten sie zum Eingewöhnen erst mal 1 - 2 Tage in Ruhe gelassen werden, damit sie sich an die neue Umgebung gewöhnen können. Damit sich Tier und Halter kennen lernen, sollte erstmal nur mit leiser Stimme zu den Tieren gesprochen werden, dabei kann man die Hand schon hinhalten, damit die Tiere diese kennen lernen. Es kann dann auch schon versucht werden, die Kaninchen mit einem Leckerchen (z.B. getrocknetes Obst oder Gemüse) zu locken. Greift niemals von oben und unvermittelt nach den Kaninchen, das könnte die Tiere nachhaltig erschrecken und sie lernen so die Hand des Menschen als etwas Negatives kennen.

Richtiges Hochheben

Grundsätzlich lassen sich Kaninchen nicht gern hoch nehmen, sie sollten also nur in Ausnahmefällen hochgenommenr werden, dabei wird eine Hand unter die Brust hinter den Vorderpfoten gelegt, die andere Hand stützt das Hinterteil. Ist das Kaninchen sehr zappelig, wird mit der rechten Hand hinter den Schulterblättern am Rückenfell gefasst und mit der anderen Hand wird unter den Hinterbeinen abgestützt. Kaninchen können auf dem Arm sehr zappelig werden. Kinder sollten von daher die Kaninchen nur im Sitzen oder hockend auf dem Arm nehmen.

Auslauf

Wenn die Kaninchen zahmer sind und sich einigermaßen problemlos einfangen lassen, dann sollten sie täglich viel Auslauf in der Wohnung oder im Garten bekommen. Dabei ist darauf zu achten, dass die Kaninchen beim Auslauf keine Kabel, Zigaretten, Zimmerpflanzen und andere giftige Sachen annagen.

Tiergerechte Kaninchenbehausung

Größe

Ein Käfig mit den Maßen 140 x 60 cm ist das absolute Minimum für 2 Kaninchen, aber nur weil es kaum größere Käfige zu kaufen gibt, so ein Käfig eignet sich nur für Tiere, die ganztägig Auslauf in der Wohnung oder im Auslauf im Freien haben!

Das Gehege für Tiere mit wenig Auslauf sollte pro Tier mindestens 2 Quadratmeter Grundfläche haben. Kaninchen bewegen sich hoppelnd vorwärts und da kann es nicht tiergerecht sein, wenn sie nach einem Sprung gleich am Gitter landen!

Einrichtung

Etagen und Korkröhren sind eine willkommene und tiergerechtere Alternative zu den handelsüblichen Häusern. In einem herkömmlichen Käfig kann man problemlos eine Spanplatte (ca. 40 x 70) als Etage anbringen. In Eigenbaugehegen ohne Gitter wird die Etage einfach mit 4 Beinen versehen und wie ein Tischchen ins Gehege gestellt. Sollten es doch Häuser sein, müssen diese ausreichend groß gewählt werden, das Kaninchen muss sich drinnen ganz ausstrecken können (Für Zwerge mindestens 40 x 40 cm). Verwendet keine Häuser aus Plastik, darin herrscht keine ausreichende Luftzirkulation! Kaninchen bevorzugen eine bestimmte Ecke, um ihr Geschäft zu erledigen. Dorthin kann eine Ecktoilette gestellt werden.

Zubehör

Unentbehrlich ist ein Platz für das tägliche Heu. Für Gitterkäfige gibt es Heuraufen, die außen am Käfig angebracht werden, in Heuraufen ohne Abdeckung besteht Verletzungsgefahr durch hineinspringen und hängen bleiben. Die meisten Kaninchen mögen ihr Heu lieber direkt vom Boden, auch wenn Sie es dort verschmutzen und es täglich 2 x ausgetauscht werden muss, freuen sich die Tiere sehr über frische Heuberge im Gehege.

Die richtige Einstreu

Geeignet sind z. B. Hanfstreu, Strohpellets, Buchengranulat oder das normale Kleintierstreu. Über die Einstreu kommt immer eine dicke Lage Stroh oder auch Heu. Pellets und grobe Einstreu dürfen niemals ohne eine Lage Heu oder Stroh angeboten werden, Pellets sind zu hart für die empfindlichen Kaninchenfüße, ohne weiche Auflage sorgen Pellets oft für Abszesse an den Hinterläufen.

Verwendet kein Katzenstreu: Klumpstreu kann im Magen der Tiere verklumpen. Jedes Katzenstreu kann bei Verzehr giftig sein, denn sie sind oft chemisch behandelt!

Mindestens einmal pro Woche muss das Gehege gründlich gereinigt werden, die Toilette alle 2 Tage.

Ernährung - was fressen pelzige Langohren?

Vorab, das sollte nicht auf dem Speiseplan stehen: Leckerlies, welche im Fachhandel angeboten werden! Knabberstangen, Joghurtdrops, Nagergebäck und ähnliche Knabbereien enthalten viel Zucker und Getreide und machen die Kaninchen krank und fett.

Grundnahrungsmittel Gras / Heu

Das natürlichste Nahrungsmittel für Kaninchen ist sicher Gras, im Sommer kann es nach langsamer Gewöhnung gern in großen Mengen angeboten werden.

Da Gras nicht ungegrenzt angeboten werden kann, ist die Alternative Heu. Es sollte immer unbegrenzt zur freien Aufnahme angeboten werden. Durch das ständige Heumahlen nutzen sich die Backenzähne gut ab. Gutes Heu ist leicht grünlich, langstielig und riecht frisch. Staubiges, muffiges, schimmeliges und feuchtes Heu kann Krankheiten hervorrufen.

Frischfutter

Mindestens einmal am Tag sollte Frischfutter in Form von Gemüse und wenig Obst verfüttert werden, ca. 80 pro 1 kg Kaninchengewicht, wäre die richtige Menge.

Gemüse täglich/Obst nur als Leckerchen

Das schmeckt den Tieren und ist gesund:
Fenchel, Möhren (mit Grün), Sellerieknolle, Sellerie, Petersilienwurzel, Pastinaken, Gurken, verschiedene Salatsorten (selten), Kohlrabi, Kürbis, Chicoree, Äpfel, Topinamur (ganze Pflanze und Knolle).

Kohlrabi, Chinakohl, Grünkohl/Wirz, Paprika, frischer Mais mit Blättern und Brokkoli sollten nur in geringen Mengen verfüttert werden.

Andere Kohlarten, Zwiebelgewächse, Avocados und Kartoffeln sind eher unverträglich

Grünfutter

Grünfutter sollte ebenfalls regelmäßig frisch angeboten werden. Unter dem Begriff Grünfutter werden alle grünen Pflanzenteile zusammengefasst. Gemeint sind vor allem Kräuter wie Löwenzahn, Kohldistel, Beifuß, Kamille, Ackerminze, auch Küchenkräuter wie Petersilie, Basilikum, Dill und Melisse. Blumen (mit Blüten) wie Sonnenblumen, Ringelblumen. Kraut und Blätter von Kulturpflanzen wie Möhrenkraut, Fenchelgrün, Kohlrabiblätter.

Kräuter und Blüten können und sollten im Winter auch getrocknet in geringen Mengen angeboten werden.

Trockenfutter, Pellets, Fertigfutter, Alleinfutter

Ausgewachsene und abwechslungsreich ernährte Kaninchen in Wohnungshaltung benötigen kein sogenanntes Trockenfutter!

Tragende, kranke Tiere oder Tiere im Wachstum oder in Winter Kaltstallhaltung können zusätzlich ein wenig Trockenfutter bekommen, höchstens 1 Teelöffel pro 1 kg Tier und Tag!

Wichtig ist dabei, dass nicht irgendeine bunte Mischung aus dem Zooladen genommen wird. Es ist darauf zu achten, dass das Futter kein Getreide (Hafer, Weizen, Kleie), keine Sonnenblumenkerne, Mais und keine Melasse/Zucker enthält (achtet auf die Zusammensetzung der Pellets!)

Gutes Trockenfutter sollte aus Kräutern, reinen Heupellets und getrocknetem Gemüse bestehen.

Zweige

Damit Kaninchen ihre Schneidezähne gut abnutzen können, sollten ihnen Zweige zum Benagen zur Verfügung stehen. Besonders geeignet sind Zweige von ungespritzen Apfelbäumen, Haselnussbäumen, Birnenbäumen, Birken, Erle, Weiden sowie Johannisbeerbüsche, Heidelbeerbüsche. Ebenfalls werden Tannen vertragen.

Giftg sind unter anderem Thuja und Eibe!

Altes, hartes Brot dient nicht der Abnutzung der Zähne - es enthält Salze und Backtriebmittel und zu viel Stärke und ist somit schwer verdaulich. Es sollte also nicht verfüttert werden.

Wasser

Frisches Wasser sollte immer in einer nicht tropfenden Tränke oder tiergerechter im Napf zur freien Verfügung stehen. Das Wasser muss täglich gewechselt werden.

Eine zusätzliche Vitamingabe, Salzlecksteine und Kalksteine sind bei abwechs­lungsreicher Ernährung nicht erforderlich!

Kaninchen vertragen eine schnelle Futterumstellung nicht, stellt also nur langsam auf andere Futtersorten um.

Gesundheitscheck

Kaninchen verbergen Krankheiten vor dem Halter und dem Rudel, um nicht ausgeschlossen zu werden, darum sollte regelmäßig sehr genau nach Krankheitszeichen Ausschau gehalten werden!

Täglich wird Folgendes gut überwacht:

  • Kommen alle zum Fressnapf und fressen sie normal?
  • Sind sie wach und an ihrer Umgebung interessiert?
  • Bewegen Sie sich normal und sind sie aktiv?

Regelmäßig sollten die Tiere genauer untersucht werden, ein wöchentlicher Gesundheitscheck ist also wichtig!

Mindestens einmal die Woche sollte dieses Programm durchgezogen werden:

  • Die Kaninchen sollten gewogen werden, ein deutlicher Gewichtsverlust weist auf eine Krankheit (Zahnprobleme, Infektionen, Stress) hin.
  • Das Fell wird auf kahle oder schorfige Stellen kontrolliert, werden solche Stellen gefunden, weist das auf einen Pilz-, Milben-oder Haarlingsbefall hin. (Kaninchen wechseln mindestens 2 x im Jahr ihr Fell, dann ist starker Haarausfall normal, es sollte aber niemals zu kahlen Stellen kommen)
  • Die Augen werden kontrolliert, sind sie klar und sauber? (Die Augen dürfen niemals mit Kamille gereinigt werden, das führt zu Augenreizungen).
  • Es wird in das Mäulchen geschaut, die Vorderzähne müssen so zueinander stehen, dass sie sich gut abnutzen können.
  • Es folgt ein Blick auf die Lippen: hat das Kaninchen dort schorfige Stellen, könnte das Lippengrind sein, oft eine Mangelerscheinung.
  • Die Krallen werden überprüft, sind sie zu lang dann müssten sie gekürzt werden. Niemals einfach drauf los schneiden, beim ersten Mal unbedingt von einem erfahrenen Kaninchenhalter oder Ihrem Tierarzt zeigen lassen wie das geht!
  • Sind die Ohren sauber, ohne Schuppen? Es gibt Milben, die sich nur am Ohr ansiedeln und dort für Krusten sorgen.
  • Ist der Afterbereich sauber? Wenn er dreckig und verklebt ist, dann könnte das Kaninchen Durchfall haben, Durchfall führt schnell zum Tode des Tieres, ein Tierarztbesuch sollte unverzüglich statt finden.
  • Das Kaninchen wird abgetastet um evtl. Tumore oder Abszesse rechtzeitig zu erkennen.

Wenn ein Kaninchen sich anders als normal verhält oder beim Gesundheitscheck Krankheitszeichen auffallen, dann sollte unverzüglich ein Tierarzt aufgesucht werden - es ist nicht ratsam, erstmal in Foren nachzufragen und Antworten abzuwarten oder selber mit irgendwelchen Mittelchen zu behandeln!

2 x im Jahr ist, auch für Wohnungskaninchen, eine Impfung gegen Myxomatose und einmal im Jahr gegen RHD notwendig!

Dies sind nur erste Informationen, die den Einstieg ein wenig erleichtern sollen, wer nun auf den Geschmack gekommen ist und mehr über Kaninchen wissen möchte, der kann hier weitere Informationen bekommen:

Kaninchen Info