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Nachwuchs bei Lemmingen

Allgemeine Infos

In der Heimtierhaltung hat sich der graue Steppenlemming etabliert, deshalb gehen wir auf dieser HP ausschließlich auf diese Art ein!

In ihrer Heimat pflanzen sich graue Steppenlemminge nur während der wärmeren Monate von April bis Oktober fort. Selten kommt es auch im Winter zu Nachwuchs. In der Heimtierhaltung finden die Lemminge allerdings das ganze Jahr über optimale Bedingungen vor, es ist genug Futter vorhanden und so pflanzen sich die Lemminge dort das ganze Jahr über fort. Die Bereitschaft zur Fortpflanzung ist abhängig von einer hochwertigen Fütterung und auch das Licht scheint eine Rolle zu spielen. Wenn die Lichtphasen kürzer werden und das Futterangebot schlechter wird, pflanzen sich Lemminge in freier Wildbahn seltener fort, werden also die Lichtphasen im Lemminggehege verkürzt, nimmt die Fortpflanzungsbereitschaft ein wenig ab. Aber bitte stellen Sie Ihre Lemmingpaare nun nicht in dunkle Zimmer um weiteren Nachwuchs zu vermeiden, das klappt nicht immer und ist für die Tiere mit Stress verbunden und kann ebenso zu Gesundheitschäden und Mangelerscheinungen führen!

Vorab

Sicher ist es für einen Laien schön, wenn man mal die Geburt und Aufzucht junger Lemminge miterleben kann. Es wird auch immer wieder dazu geraten, Lemminge als Paar oder gemischte Gruppe (mehrere Weibchen mit einem Bock) zusammen zu halten, da dies die natürlichste Form der Haltung ist. Trotzdem möchten wir Laien davon abraten, sich Lemmingpaare anzuschaffen und den Bock unkastriert zu lassen.

Es ist zwar durchaus verständlich, dass der Heimtierhalter mitunter Wunsch nach "Ablegern" seiner Lemminge hegt, trotzdem sollte jeder Tierhalter aus folgenden Gründen davon Abstand nehmen, mit seinen Heimtieren Nachwuchs zu produzieren.

  • Meist ist es nicht möglich, den Nachwuchs zu behalten, ein guter Züchter hat viele Terrarien und häufig ein ganzes Zimmer für seine Tiere. Kaum ein Heimtierhalter hat genug Platz um auch nur 2 oder 3 weitere Terrarien aufzustellen. Überlegen Sie sich gut, ob Sie Nachwuchs haben möchte, der möglicherweise kein neues Zuhause findet oder die Zahl der Tiere im Heim noch weiter nach oben schießen läßt. Sind Sie sich sicher, dass Sie die Tiere in wirklich gute Hände abgeben können? Das nächstbeste Zoofachgeschäft ist nicht unbedingt immer der beste Platz und das Verramschen der Tiere über Zeitungsanzeigen klappt nur dann, wenn Sie wenig Wert auf tiergerechte Haltung Ihrer Nachzuchten legen.

  • Schwangerschaft und Geburt bergen viele Risiken, nicht selten verlieren Halter ihre Lemminge bei dem missglückten Versuch mit ihr zu "züchten". Es kann zu Komplikationen wären und nach der Schwangerschaft kommen, z. B. das die Jungen steckenbleiben, quer liegen oder die Geburt nicht normal eingeleitet wird. Da könnten hohe Tierarztkosten auf den Halter zukommen, dass sollte vorab bedacht werden.

  • Grundsätzlich sollten Lemminghalter mit ihren Tieren nicht herum experimentieren. Es ist absolut nicht ratsam, Lemminge einfach nach Schönheit und persönlichem Gutdünken zusammen zu setzen, um zu schauen, was da wohl für Babys heraus kommen. Häufig erwerben Laien auch Geschwistertiere. Es sollte klar sein, dass ständige Inzucht auch bei Lemmingen zu Problemen führen kann.

Erste und Wichtigste Voraussetzung für das Verpaaren von Lemmingen ist, dass beide Elterntiere gesund und kräftig sind und keine Krankheiten weitervererben. Um Inzucht zu vermeiden werden meist nur Tiere aus verschiedenen Familien (Zuchtlinien) miteinander verpaart. Inwiefern das aber überhaupt möglich ist, kann in diesem Artikel nachgelesen werden: Rodent Info / Anmerkungen zur Inzucht.

Grundsätzlich werden nur gut sozialisiert Lemminge verpaart. Sind die Tiere aggressiv, greifen die Böcke ggf sogar ihre Jungtiere an, sind diese Tiere und ihre Nachkommen aus der Zucht zu nehmen. Wenn beim ersten Wurf kranke, schwache oder auffällig kleine Würfe auftraten, sollten die Elterntiere ebenfalls aus der Zucht genommen werden.

Schon vor der Geburt der Jungtiere, sollten Sie sich auch Gedanken darüber machen, wie es dann weiter gehen soll. Haben Sie vor ständig ein Paar Lemminge zusammenzuhalten, dann bedenken Sie, dass das Weibchen nach einer Trächtigkeitsdauer von ca. 20 Tagen meist 4 - 8 Junge bekommt und nach weiteren 21 - 30 Tagen erneut werfen könnte. Da kann die Vermehrungsrate schnell außer Kontrolle geraten. Sie müssen die Jungtiere mit spätestens 4 Wochen nach Geschlechtern trennen um zu verhindern, das der Vater die Töchter deckt, oder die Söhne die Mutter decken. Diese Inzucht kann zu Schäden an den Neugeboreren führen. Wollen Sie nur einmal Nachwuchs aufwachsen sehen, dann trennen Sie die Eltern schon vor der Geburt, denn ein Lemmingweibchen kann schon kurz nach der Geburt wieder gedeckt werden.

Paarung

Haben Sie sich nun ein Pärchen Lemminge angeschafft oder erfolgreich vergesellschaftet, wird es auch Früher oder später zur Paarung kommen. Das Weibchen sollte beim ersten Wurf nicht jünger als 3 Monate sein und nicht älter als 1 Jahr. Ist das Lemmingweibchen hitzig, zeigt sie es dem Bock deutlich mit Duftsignalen und speziellen Bewegunsgsabläufen. Der Bock "jagt" und bedrängt das Weibchen, mitunter "quietscht" das Weibchen wenn es noch nicht paarungsbereit ist und rennt weg. Das Quietschen ist allerdings auch ein Bestandteil des Paarungsrituals. Ist das Weibchen paarungsbereit, hebt es das Schwänzchen/den Po und der Bock reitet auf. Die Tiere paaren sich dann mehrmals innerhalb kurzer Zeit. Von da an gibt es kein Zurück mehr und viele neue Lemminge sind unterwegs.

Geburt und Aufzucht

Ob ein Lemmingweibchen schwanger (trächtig) ist, erkennen sehr erfahrene Züchter mitunter schon ab dem Ende der zweiten Schwangerschaftswoche, doch häufig ist die Schwangerschaft erst in den letzen Tagen vor der Geburt zu erkennen. Das Weibchen wird etwas behäbiger, frisst etwas mehr und reagiert gereizter auf Störungen. Sie verbringt mehr Zeit damit ein geräumiges Wurfnest zu bauen. Bieten Sie dem Weibchen viel Nistmaterial an. Geben Sie aber auf keinen Fall Watte, Hamsterwatte, Stoffreste oder Ähnliches ins Nest, welche Materialien zum Nestbau geeignet sind, können Sie hier nachlesen: Lemming Gehege / Nistmaterial .

Die Tragzeit beträgt etwa 20 Tage, säugt das Muttertier kann sich die Tragzeit etwas verlängern. Lemmingweibchen haben einen erhöhten Eiweiß und Mineralbedarf, geben Sie deshalb eine abwechslungsreiche Kost. Verfüttern Sie etwas mehr Trockenfutter, viel hochwertiges Grünfutter und zusätzlich Magerquark oder Mehlwümer.

Kurz vor der Geburt vertreiben manche Lemmingweibchen die anderen Familienmitglieder (den Bock) aus dem Nest. Der Bock baut sich dann vorrübergehend ein Notnest. Manche Böcke bleiben aber auch beim Weibchen und helfen bei der Geburt und der Jungenaufzucht. Wollen Sie nur einmal Nachwuchs aufwachsen sehen, dann trennen Sie die Eltern schon vor der Geburt, denn ein Lemmingweibchen kann schon kurz nach der Geburt wieder gedeckt werden.

Die Geburt findet meist in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden statt. Die Jungen werden relativ zügig nacheinander geboren, jedes Einzelne wird von der Mutter in Empfang genommen und abgenabelt, danach wird es sofort von der Eihaut befreit und trocken geleckt.
Das kräftige Ablecken der Jungen hat mehrere Gründe:

  • die Jungen werden so gesäubert
  • die Blutzirkulation wird angeregt und der Kreislauf wird so erst richtig in Gang gebracht
  • Mutter und Kind stellen so eine Bindung her und die Mutter nimmt den Geruch des Jungen auf
Die Eihaut sowie die Nachgeburt werden von der Mutter gefressen. So hält sie das Nest sauber und bekommt wichtige Nährstoffe zurück.

Die Jungen kommen blind und unbehaart zur Welt, sind also Nesthocker.

Es können zwischen 2 und 8 Welpen geboren werden, mitunter sind es mehr oder auch weniger.

Wichtig!

Stören sie die junge Mutter nicht, greifen Sie nicht in das Gehege oder das Nest. Das komplette Gehege und vor allem das Nest dürfen erst wieder saubergemacht werden, nachdem die Jungen das Nest selbstständig verlassen, also wenn sie etwa 3 Wochen alt sind. Nur die Pinkelecken sollten natürlich trotzdem gereinigt werden und Frischfutterreste werden entfernt.

Lemming die bei der Jungenaufzucht gestört werden, reagieren oft sehr aggressiv und beißen bzw. fressen sogar ihre Jungen, wenn sie Angst haben oder keine Ruhe finden. Ebenso kann es dazu kommen, dass die Jungen gefressen werden, wenn die Mutter unter Mangelerscheinungen leidet, der Wurf zu groß ist, sie sich durch andere Tiere gestört fühlt, die Mutter sehr unerfahren und zu jung oder zu schwach ist.

Entwicklung der Jungen

  • Bei der Geburt wiegen die jungen Lemminge ca. 1 g. Sie sind völlig nackt, ihre Augen sind geschlossen, die Ohren sind ebenfalls noch zu. Die Mutter säugt die Jungtiere und stimuliert durch kräftiges Lecken des Bauchs und der Analregion den Kot und Harnabsatz. Die Ausscheidungen der Jungtiere werden von der Mutter gefressen um das Nest sauber zu halten.
  • Ab dem 2. Lebenstag wird eine leichte Pigmentierung der Haut sichtbar, der typische Aalstrich auf dem Rücken ist zu sehen.
  • Ab dem 3. Tag wird leichte Behaarung wird sichtbar.
  • Ab dem 6. Tag sind die Ohrmuscheln besser zu erkennen.
  • Ab dem 10. - 13. Tag sind die Augen offen, die Tiere putzen sich selbstständig, der Kot und Harnabsatz funktioniert nun ohne die Stimulation durch die Mutter. Die Jungen machen selbstständige Ausflüge in die Umgebung und spielen mit ihren Geschwistern. Sie beginnen, feste Nahrung aufzunehmen.
  • Ab dem 21. Tag sind die Jungen völlig selbstständig und werden nun auch nicht mehr von der Mutter gesäugt, sie brauchen ihre Mutter aber noch, um das lemmingtypische Sozialverhalten von ihr zu lernen.
  • Mit ca. 10 - 12 Wochen färbt sich das anfänglich eher hellgraue Fell langsam dunkler und wird brauner.

Junge Lemminge benötigen Kontakt zu erwachsenen Lemmingen. Nur so lernen sie das lemmingtypische Verhalten und werden gut sozialisiert. Viele Züchter lassen die Jungtiere bis Ende der 4 Woche bei den Eltern, welche zusammen im Nest wohnen. Allerdings werden Jungtiere von den Eltern mitunter selber aus dem Nest vertrieben, wenn ein neuer Wurf im Nest liegt. Dann ziehen die älteren Jungtiere in ein eigenes Nest, es wird berichtet, dass sie teilweise sogar der Mutter bei der Jungenaufzucht helfen.

Natürlich ist ein solches Vorgehen für Halter, die nur einmal Nachwuchs haben wollen bzw. die aus Versehen schwangere Tiere gekauft haben oder statt gleichgeschlechtlicher Lemminge ein Pärchen erworben haben nicht sinnvoll. Es ist hier ratsam, die Eltern vor der Geburt der Jungtiere zu trennen! Die Jungtiere werden ab Ende der 4. Lebenswoche nach Geschlechtern getrennt, obwohl die Jungböcke meist noch nicht deckfähig sind, ist diese Trennung hier sinnvoll, um ganz sicher zu gehen, dass es nicht doch einen frühreifen Bock gibt, der die Mutter oder die Schwestern deckt. Wenn die Eltern gut sozialisiert sind, können die Weibchen bei der Mutter und die Jungen beim Vater wohnen. Beim Zusetzen zum Vater müssen meist die Vergesellschaftungsregeln eingehalten werden, mitunter klappt es aber leider nicht, dann müssen die Jungböcke leider schon ab der 4. Lebenswoche ohne erwachsene Lemming auskommen. Ideal ist das sicher nicht, aber um weiteren ungewollten Nachwuchs zu verhindern ist es leider nötig. Wenn die Jungtiere sich aber mit dem jeweiligem Elternteil gut verstehen, ist es sehr sinnvoll, die Jungtiere dann noch gut 4 - 6 Wochen bei dem jeweiligen Elternteil zu belassen. Junge Lemminge sollten von daher frühestens mit 5 Wochen, idealerweise erst mit 8 - 10 Wochen in ein neues Zuhause ziehen. Dann sind sie sozial gefestigt und meist auch viel verträglicher.

Lemmingweibchen, die länger bei Ihren Müttern lebten und ihnen bei der Aufzucht der Jungen geholfen haben, sind wesentlich ruhiger und sicherer wenn sie selber Jungen bekommen.

Abschließend:

Viele Biologen und erfahrene Lemmingzüchter sagen, Lemminge würden sich nur moderat fortpflanzen, nur Alphatiere im Gehege (also das Elternpaar) pflanzen sich fort, ab einer gewissen Besatzdichte hören Lemminge ganz auf sich zu vermehren, Eltern paaren sich nicht mit ihren eigenen Jungen, Geschwister untereinander paaren sich nicht. Diese Aussagen treffen auf gute Zuchtstämme, die gut sozialisiert wurden und durchgehend in Händen von Experten waren häufig wirklich zu. Aber da Lemminge mittlerweile Modetiere sind, gibt es nun auch schon sehr viele Lemminge, die weniger gut sozialisiert sind. Leider findet allzuhäufig keine vernünftige Auswahl von Zuchtieren mehr statt, es werden zu nah verwandte Tiere miteinander verpaart, die Jungtiere werden zu früh von den Eltern weggenommen. Diese Lemminge halten sich nicht mehr an die in Freiheit üblichen Regeln. Uns liegen schon jetzt sehr viele Berichte vor, von Lemmingen die sich trotz hoher Besatzdichte und zu kleinen Gehegen massenhaft vermehrt haben, wir haben Berichte vorliegen, von Verpaarungen zwischen Jungtieren und Eltern oder Geschwistern. Von daher müssen wir ganz klar sagen: nein, Lemminge hören nicht einfach irgendwann auf sich zu vermehren und Söhne decken durchaus auch die Mutter. Bei guten Zuchten kommt sowas nicht vor, aber es gibt nunmal leider nicht nur gute Zuchten, es gibt auch Massenvermehrer, Kinderzimmerzuchten und Unfälle...