NagerInfoLemmingHamsterZwerghamsterMeerschweinchenChinchillaRatteMausDeguKaninchenRennmaus

Degus (Octodon degus)

Allgemeines

Degus bewohen trockene Steppengebiete und gemässigte, mediterane Gebiete in Nord- und Mittelchile. Sie leben in offenen Landschaften und meiden dichte Vegetation, dagegen bevorzugen sie für ihre Baue Standorte unter Steinhügeln oder grossen Büschen. Sie gehören zur Ordnung der Nager und zur Familie der Trugratten (Octodontidae). Sie sind unter anderem mit Meerschweinchen und Chinchillas verwandt. Degus gibt es in verschiedenen Farben, am meisten verbreitet ist die Wildfarbe, die oberseite ist agouti/wildfarbend (bräunlich rot) und die unterseite ist eher gelblich bis weiß gefährt. Es gibt aber auch andersfarbige Degus, bläulich, hell und grau, sowie auch weiße und gescheckte Tiere.

Degus erreichen im Durchschnitt ein Gewicht von 170 bis 300 g und eine Körperlänge von ca. 12 bis 19 cm + einem 10 bis 16 cm langem Schwanz. Der Schwanz ist schwarz behaart, trägt am Ende eine Haarquaste. Der Schwanz der Degus ist sehr empfindlich. Wird an dem Schwanz gezogen, reißt die Schwanzhaut leicht ab, der Schwanz kann auch leicht ganz abreißen. Degus dürfen also niemals am Schwanz hochgehoben oder festgehalten werden. Beim Hochnehmen und fixieren auf dem Arm kann der Degu an der Schwanzwurzel gefasst werden.

Soziales

Degus sind soziale Tiere, die in großen Familienverbänden leben. Von daher sollten Degus niemals allein gehalten werden! Optimal sind Gruppen aus 2 - 5 gleichgeschlechtlichen Degus. Vor allem gleichgeschlechtliche Geschwistertiere aus einem Wurf vertragen sich gut. Pärchen sollten von Laien nicht gehalten werden, da die Tiere sich massiv fortpflanzen. Degus zu vergesellschaften ist nicht ganz leicht, von daher sollte der Deguanfänger sich von vornherein für zwei oder mehr Degus entscheiden.

Überlegungen vor der Anschaffung

Degus eignen sich nicht als Spielgefährten für kleine Kinder. Es müssen immer Erwachsene die Pflege der Tiere überwachen. Degus sind eher die idealen Hausgenossen für erwachsene und berufstätige Menschen. Degus können durchaus handzahm werden, sind aber auch sehr flink, weshalb ihnen nur in speziellen Räumen die komplett gesichert sind (Kabel werden angenagt, Zimmerpflanzen zerlegt etc.) Auslauf gewährt werden.

Mitunter sind Degus im Tierheim zu bekommen, ebenso häufig sind Degus auch über Zeitungsanzeigen zu bekommen, auch in Foren, oder auf der Degu Vermittlungsseite und in Anzeigenblättern wird oft auf ungwollten Degunachwuchs und überflüssig gewordene Degus aufmerksam gemacht. Fragt also zuerst in den umliegenden Tierheimen nach Degus, schaut in die Zeitung, in Foren und auf HPs von Notstationen. Werdet ihr dort nicht fündig, schaut euch nach einem guten Züchter um der euch intensiv berät und selber nur wenige Tiere hat.

Bevor die Degus einziehen, sollte das Gehege schon fertig eingerichtet bereit stehen. Dort dürfen die Degus sich ein paar Tage einleben, bevor ihr anfangt sie zu zähmen. Redet leise mit den Degus und haltet Eure Hände in das Gehege, damit sie Euch so kennen lernen. Legt ein Leckerchen (eine Nuss oder eine Erbsenflocke) auf die Hand um die Degus damit anzulocken. Es kann etwas dauern, aber meist kommen die Degus recht schnell angelaufen um neugierig nachzuschauen was es gibt. Kommen sie auf die Hand, können sie auch zum Auslauf raus genommen werden - aber vorsicht - Degus sind flink und springen schnell von der Hand, also immer mit den Händen eine Höhle bilden und die Degus so am runter Springen hindern und möglichst eine Hand fest um die Schwanzwurzel legen. Es gibt aber auch immer wieder Degus, die nicht zahm werden, das sollte vor der Anschaffung bedacht werden.

Tiergerechte Degubehausung

Art und Größe: Degus sind sehr aktive Tiere die in freier Wildbahn auf Futtersuche täglich mehrere Kilometer zurücklegen. Sie benötigen von daher eine sehr großes Gehege um ihren Bewegungsdrang auszuleben. Große Vogelvolieren ab Länge 100 x Breite 80 x Höhe 150 cm haben sich für für 2 - 5 Degus bewährt.

Die Volieren müssen rundherum aus Metall gefertigt sein, Degus nagen sich in Minutenschnelle durch Plastik, Holz und Blech! Holzeigenbauten sind nur sinnvoll, wenn alle Kanten mit Metallschienen gesichert sind und die Degus keinen Ansatz zum Nagen finden! Terrarien, die einen guten Luftaustausch garantieren, können auch geeignet sein, wenn sie entsprechend groß sind. Sie müssen aber Glasleisten aufweisen, um die Lüftungsgitter und Plastikleisten für die Scheiben vor den Nagezähnen zu schützen. Aquarien sind ungeeignet, denn sie bieten keine ausreichende Lüftung und begünstigen Atemwegserkrankungen.

Käfigstandort: Das Deguheim muss in einem zug-/rauchfreien Zimmer stehen, welches hell und gut temperiert sein sollte (16-23 °C). Der Käfig sollte nicht in der Nähe vn Heizkörpern oder direkt am Fenster stehen. Lärm, laute Musik, schnelle und hektische Bewegungen mögen Degus gar nicht. Da Degus Tag- und Nachtaktiv sind, sollten sie auf keinen Fall im Kinder- oder Schlafzimmer stehen: Degus sind nicht gerade leise Mitbewohner.

Einrichtung: Die Voliere muss mit mehreren Holzetagen ausgestattet sein. Damit die Tiere nicht zu tief fallen, sollte ab 80 cm eine Durchgehende Etage eingebaut werden. Die Etagen können aus beschichteten Spanplatten, aus gefließten Holzplatten oder aus lackiertem Sperrholz (nur ungiften Lack auf Wasserbasis verwenden!) bestehen. Viele Versteckmöglichkeiten, einige Häuser, sowie Steine, Äste, Wurzeln, Tonröhren, große Rindenstücke und Nymphensittichbrutkästen sind sinnvolle Einrichtungsgegenstände die das Gehege abwechslungsreich gestalten und dem Degu die Möglichkeit bieten, sich zu verstecken.

Eine Buddelecke mit Chinchillasand ist beliebt und für die Fellpflege unentbehrlich. Gebt den Sand in eine hohe Schale, ein gekipptes Bonbonglas, ein Goldfischglas oder einen Vogelnistkasten, damit er nicht gleich ausgebuddelt wird. Sandkastensand eigenet sich nicht, er ist zu grobkörnig und schädigt das Fell.

Einstreu: Gut geeignet ist das normale, staubfreie (chemisch unbehandelte) Kleintierstreu. Ebenso eigenen sich auch Pflanzeneinstreu, sowie Hanfstreu, Leinstreu und Maisstreu. Grobe Granulate und Pellets sollten hingegen nicht als alleinige Einstreu angeboten werden. In einem Zusatzaquarium kann auch als kleines Extra ein trockenes Erde/Sandgemisch angeboten werden. Katzenstreu ist ungeeigent und sogar giftig! Erde und Torfmull sind zu feucht, ausgetrocknet sind sie zu staubig und sollten von daher nicht eingesetzt werden.

Laufräder: Degus laufen gern einfach mal los, von daher sollte ein Laufrad angeboten werden. Laufräder ersetzen aber keinen großen und abwechslungsreich eingerichteten Käfig, sie sind nur ein Zusatzangebot! Handelsübliche Laufräder stellen allerdings eine Gefahrenquelle dar. In offenen Sprossen können sich die Tiere verfangen und die Gliedmaßen brechen, der Schwanz kann eingeklemmt und schlimmstenfalls gebrochen oder abgerissen werden. Beim Aussteigen können sie sich zwischen den Haltestreben einquetschen (Schereneffekt). Vor allem Metallaufräder sind gefährlich - die Juteabdeckungen der offenen Sprossen werden gern zernagt und die entstehenden Löcher sind regelrechte Fußfallen. Es kommt durch die meist zu kleinen Laufräder zu einer starken Verkrümmung der Wirbelsäule (vorne läuft der Degu hoch, hinten runter!), diese wird falsch abgenutzt, was den Tieren auf Dauer Schmerzen bereitet.

Geeignete Laufräder haben eine geschlossene und eine offene Seite, die Lauffläche ist geschlossen, die Aufhängung ist an der Wand ,bzw nur an einer Seite und die Räder haben einen Mindestdurchmesser von 30 cm. Gut geeigent sind die Metallräder und Holzlaufräder von Rodipet

Futter

Degus fressen in der Natur sehr karge Kost. Aus diesem Grund ist ihr Verdauungsapparat nicht auf zu zucker- oder fetthaltige Bestandteile ausgerichtet. Degus neigen bei falscher Ernährung zur Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), die u. a. über eine Linsentrübung (Katarakt) zur beidseitigen Blindheit führen kann. Aus diesem Grund sollte der verantwortungsbewusste Tierhalter weder Obst noch Leckerlis verfüttern. Auch das im Fachhandel angebotene Degu-Fertigfutter ist zu zuckerhaltig; dies gilt ebenso für das handelsübliche und zu gehaltvolle Mäuse- oder Hamsterfutter.

Heu: Ein wichtiges Grundnahrungsmittel für Degus ist Heu. Es sollte immer unbegrenzt zur freien Aufnahme angeboten werden. Gutes Heu ist leicht grünlich, langstielig und riecht frisch. Staubiges, muffiges, schimmeliges und feuchtes Heu kann Krankheiten hervorrufen.

Trockenfutter: Degus ernähren sich ebenfalls von Kleinsämereien, von Pflanzen, wenig Getreide, sowie ein wenig tierischer Nahrung. Als Hauptnahrung sollte eine Körnermischung gereicht werden.

Im Zoofachhandel sind div Trockenfuttermischungen für Degus zu bekommen. Diese enthalten leider meist zu viele Fetthaltige Bestandteile, sowie Zucker und zu wenig Kleinsämereien. Von daher sollten diese Futtermischungen nur als Basisfutter genutzt werden. Mischt Kleinsämereien unter das Futter und sucht fetthaltige Bestandteile raus.

Folgende Bestandteile kann/sollte ein gutes Trockenfutter enthalten:
Kleinsämereien wie Grassamen, Kräutersamen (sollten ca. 30 % des Gesamtfutters ausmachen). Getreide als Korn und Flocken z.B. Hafer, Weizen, Gerste, Roggen, Hirse (diese sollte ca. 20% ausmachen!), Buchweizen.
Geringe Mengen Ölsamen wie Negersaat, Kardi, Perilla, Leinsaat, Hanf, Sesam.
Trockengemüse wie Möhren, Sellerie, Fenchel, Kohlrabi, Hagebutten.
Getrocknete Kräuter wie Dill, Gänseblümchen, Haselnussblätter, Kamille, Kornblumenblüten Löwenzahnwurzel mit Kraut, Melisse, Petersilie, Pfefferminzblätter, Ringelblumenblüten, Sauerampferkraut, Schafgarbe, Sonnenblumenblüten. (ca.40 %)
Nüsse/Kerne (in sehr sehr kleinen Mengen): Sonnenblumenkerne, Pinienkerne, Erdnüsse, Haselnüsse, Macadamia, Walnüsse, Pecannüsse, Kürbiskerne.
Weitere Bestandteile: Maiskörner, Reisflocken, Erbsenflocken, Johannisbrot, ungezuckerte Corn Flakes, ungezuckertes Früchtemüsli, rohe Nudeln.

Achtet darauf, dass nicht zu viele fetthaltige Bestandteile im Futter sind (Sonnenblumenkerne, Nüsse usw.). Um Degus handzahm zu machen, könnt ihr auch erstmal alle Leckerchen wie Sonnenblumenkerne und Nüsse nur von Hand geben.

Eine Kolbenhirse oder auch Getreideähren als Beschäftigungsfutter wird gerne angenommen.

Frische Zweige von Birken, Obst-, Hasel-, oder Weidenbäumen sollten immer zum Benagen im Käfig vorhanden sein, es können auch mal frische Blätter dran bleiben.

Frischfutter: Füttert täglich eine kleine Portion Gemüse. Vergewissert Euch, dass die Degus das Frischfutter nicht bunkern.

Geeignet sind: Fenchel, Möhren (mit Grün), Sellerieknolle, Sellerie, Petersilienwurzel, Pastinaken, Gurken, verschiedene Salatsorten (selten), Kürbis, Chicoree, Topinamur (ganze Pflanze und Knolle).

Nicht verfüttern solltet ihr: Kohl, Zwiebelgewächse, Avocados und Kartoffeln.

Grünfutter: sollte regelmäßig angeboten werden. Unter dem Begriff Grünfutter werden alle grünen Pflanzenteile zusammengefasst. Gemeint sind vor allem Kräuter wie Löwenzahn, Kohldistel, Beifuß, Kamille, Ackerminze, ebenso auch alle Grassorten. Küchenkräuter wie Petersilie, Basilikum, Dill und Melisse. Blumen (mit Blüten) wie Sonnenblumen, Ringelblumen, Gänseblümchen. Aber auch Möhrengrün, Kohlrabiblätter, Radischenblätter etc.

Verfüttert aber nur Pflanzen, die ihr sicher als ungiftig für Degus kennt.

Tierische Nahrung: Degus sind keine reinen Vegetarier, sie benötigen hin und wieder tierisches Eiweiß. Eiweißfutter sollte 2 x die Woche verfüttert werden. Folgendes wird gern genommen: Mehlwürmer (2 Würmer pro Woche). Füttert Mehlwürmer nur aus der Hand, damit sie wirklich gefressen werden und nicht im Gehege weiter leben. Joghurt, Quark, Eiweißfutter, Garnelen, Bachflohkrebse, Heimchen werden ebenfalls gern genommen.

Wasser: Es muss immer Wasser in einer Nippelflasche oder einem Napf zur Verfügung stehen.

Kein Obst/Trockenobst (z. B. Rosinen) und keine Leckerlis (z. B. Drops, Knabberstangen) für Degus. Ihr Magen-Darm-Trakt ist nicht auf zu zucker- und fetthaltige Nahrung eingestellt. Auf frisches und getrocknetes Obst muss deshalb verzichtet werden.

Auf getrocknetes Brot sollte bei ausreichendem "Knabberzeug" für die Zähne verzichtet werden, denn es enthält nichts, was ein Degu benötigt und nutzt die Zähne nicht ab. Ein Salzleckstein gehört nicht in den Degu-Käfig

Gesunderhaltung

Degus zeigen Krankheiten meist recht spät an, liegt ein Tier aber erstmal auf der Seite und ist es abgemagert, dann kann kein Tierarzt mehr helfen, also habt täglich ein wachsames Auge auf die Tiere:

  • Kommen alle zum Fressnapf, suchen sie ihr Futter und fressen sie es?

  • Sind sie munter, neugierig und an ihrer Umgebung interessiert, buddeln und laufen sie?

  • Putzen sie sich gründlich? Ist ihr Fell sauber, dicht und glatt?

  • Sind die Augen klar und nicht verklebt?

  • Ist der After sauber? Haben die Köttel die übliche Größe, Form und Festigkeit?

  • Sind sie nicht zu dünn, halten sie ihr Gewicht?

Wenn sich die Tiere anders als normal verhalten oder Krankheitszeichen auffallen, dann geht unverzüglich mit den Degus zu einem Tierarzt!

Dies sind nur erste Informationen zur Deguhaltung, wenn Sie sich umfassender Informieren möchten, finden Sie hier mehr Informationen:

Degu Info

Wir bedanken uns bei David Küpfer für seine Korrektur des Textes und das Bereitstellen der Bilder für diese Seite.

Wir bedanken uns bei Stefan Gumnior, der uns das Bannerbild zur Verfügung gestellt hat und die erste Version dieser Kurzinfo -> Faltblatt Degus für uns erstellt hat. Seine HP ist hier zu finden: Octodon Degus