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Wissenswertes über Farbratten

Ratteninfo

Ratten als Heimtiere erfreuen sich bei uns immer größerer Beliebtheit, wohl auch deshalb, weil man allen Gerüchten zum Trotz feststellen kann, dass es sehr liebe, verschmuste und vor allen Dingen kluge Tiere sind. Zwar stößt man auch heute noch auf die alten Vorurteile, wie Beispielsweise die, dass Ratten Krankheitsübeträger und unreine Tiere wären, aber man weiß jedoch inzwischen, dass Ratten, die ja im Haus gehalten werden, mit Keimen und Bakterien weniger in Berührung kommen, als z. B. Hunde und Katzen. Es sind sogar sehr reinliche Tiere, die sich häufig putzen. Die Gefahr, dass die Ratte sich beim Menschen ansteckt (z.B. sind einige Bakterien, die bei uns Erkältungen auslösen, durchaus auf Ratten übertragbar), ist sehr viel größer. Der angeblich nackte Rattenschwanz führt immer wieder zu ablehnenden Haltungen gegenüber der Ratte. Allerdings ist dieser nicht wirklich nackt, sondern auch behaart, angenehm warm und hochsensibel. Auch die Medien sorgen mit ihren meist Horrorberichten immer wieder für das negative Image der Ratte. Tatsache ist, dass es mittlerweile wie bei anderen Haustieren auch Rattenvereine gibt, es leider auch schon div. Züchtungen die nicht unbedingt immer zum Wohl der Tiere sind gibt und das die Ratte nun auch die normalen Menschen für sich als Halter gewinnen konnte und die Zeiten als die Ratte noch als Punkertier und Schockhaustier für Jugendliche galt vorbei sind.

Geschichte
Die Vorfahren unserer Heimtierratten stammen aus dem Ural und wanderten vermutlich auf Handelsschiffen und zusammen mit siedelnden Menschen vor über 200 Jahren auch nach Deutschland ein. Da sie Vorratschädlinge sind, versuchten die Menschen sie natürlich aus ihren Kornkammern zu vertreiben und es wurden früh Fangprämien ausgesetzt. Auch lebende Ratten wurden gefangen und teilweise weiter gezüchtet, vor allem als Kampfratten für blutige Wettkämpfe und Jagten (vor allem in England), um damit leichter an Fangprämien zu kommen, für die Verhaltensforschung und vor allem Albinos für Ausstellungen vom fahrendem Volk. Schon bald erkannte man, dass sich die gefangenen und gezähmten Wanderratten ruhiger und leicht zu halten sind und sich damit leider sehr gut für die Forschung eignen. Sie wurden in der Folge im großen Stil für die Versuchslabore gezüchtet. Seit über 100 Jahren werden die Tiere gezielt auf Farben und spezielle genetische Merkmale hin vermehrt. Rattensport und Fangprämien kamen Anfang des letzten Jahrhunders aus der Mode und vermutlich wurden die meisten Heimtierratten nicht über die beiden Weltkriege hinweg weiter gehalten. Ratten als echte Heimtiere (Kuscheltiere) kamen vermehrt erst in den sechziger und siebziger Jahren auf, diese Ratten und ihre Nachkommen stammen vor allem von Laborratten ab. Die früher als Kampf- und Schautiere gehaltenen Ratten eignen sich aufgrund ihrer Aggressivität, genau wie Wildratten, nicht als Heimtiere. Die im Labor gehaltenen Tiere sind, aufgrund ihrer stimmulationsarmen Haltung häufig sehr ruhig und geradezu letargisch und damit gutes "Ausgangsmaterial" um zahme Heimtiere zu "produzieren". Wobei deutlich erwähnt werden sollte, dass ihre geringe Lebenserwartung in keinem Zusammenhang mit dieser Herkunft steht. Es stimmt nicht, dass die Tiere gezielt Gene eingezüchtet bekamen, die Krebs auslösen. Tatsache ist schlicht, dass viele Nager (auch Mäuse, Hamster und Meerschweinchen) im Alter Krebs bekommen.

Biologische Zuordnung/Systematik

Ordnung: Nagetiere Rodentia
Unterordnung: Mäuseverwandte Myomorpha
Überfamilie: Mäuseartige Muroidea
Familie: Langschwanzmäuse Muridae
Unterfamilie: Altweltmäuse Murinae
Gattung: Eigentliche Ratten Rattus
Art: Wanderratte Rattus norvegicus
Unterart: Farbratte Rattus norvegicus forma domesticus

Daten
Farbratten werden durchschnittlich 2 bis 3 Jahre alt und erreichen eine Größe von etwa 22 -26 cm Länge (ohne Schwanz). Dieser misst zusätzlich etwa 18 - 22 cm. Weibchen wiegen zwischen 200 und 400 g, Böcke zwischen 250 und 650 g (das sind keine absoluten Angaben, es gibt größere und auch kleinere Ratten).

Ratten leben normalerweise in großen Gruppen/Rudeln zusammen. Deshalb sollten auch in der Heimtierhaltung immer mehrere Tiere zusammen gehalten werden. Mehr Informationen dazu bekommen Sie hier: Keine Einzelhaltung!. Da Ratten fremde Ratten nicht ohne Weiteres in ihrem Rudel dulden, sind Regeln bei der Rudelzusammenstellung und bei der Vergesellschaftung einzuhalten, Informationen dazu gibt es hier: Ratten Vergesellschaften.

Es gibt Ratten mittlerweile in vielen verschiedenen Farben. Da Farben/Rassen für die tiergerechte Haltung nicht von Bedeutung sind, gehen wir hier nicht näher darauf ein. Wenn Sie sich intensiver über verschiedene Farbschläge und Rassen informieren möchten, können Sie das z. B. hier: Rattenwelt - Farben und Zeichnungen.

Es gibt auch einige Rattenzüchtungen, deren weitere Zucht zumindest überdacht werden sollte. Ratten sollten nicht, wie es leider bei vielen anderen Tierarten üblich ist, dem Schönheitsideal mancher Menschen angepasst werden. Es ist nicht zu verantworten, ihnen das Fell weg zu züchten, oder die Kopfform der Tiere durch selektive Zucht zu verändern. Deshalb gehen wir hier in Sonderartikeln auf Arten ein, deren Zucht wir nicht unterstützen möchten:

Dumbo Ratten /PDF

Nacktratten

Weitere Infos bekommt ihr hier:
Rattenwelt / Qualzuchten - Ratten mit Behinderungen

Gewicht

Ob eine Ratte zu viel oder zu wenig wiegt hängt nicht vom Gewicht selber ab, sondern von seinen Proportionen. Fühlt sich das Tier knochig an wenn man es umfasst. Fühlt man deutlich Knochen und sticht die Wirbelsäule hervor darf die Ratte gern etwas zunehmen und sollte dann mehr Trockenfutter, Nüsse und Kerne bekommen.
Fühlt sich das Tier schwammig an, biegen sich die Hinterfüßchen stark zur Seite weg und hängt der Bauch über den Füßen, dann sollte die Ratte dringend mal auf Diät. Sie sollten dann zusammen mit Ihrem Tierarzt besprechen, wie Sie die Ernährung der Tiere umstellen müssen.

Geschlechtsbestimmung

Ratten sind zwischen der 4. und 6. Woche fortpflanzungsfähig sie sollten nach der 4. Woche nach Geschlechtern getrennt werden. Bei Rattenböcken sind die Hoden sehr gut zu erkennen. Bei Weibchen ist der Abstand zwischen Geschlechts und Afteröffnung geringer als bei Böcken, außerdem sind die Zitzen zu erkennen.

Rattenbock
Rattenbock
Rattenweibchen
Rattenweibchen
Rattenweibchen
Rattenweibchen
Mehr Fotos gibt es hier: Ratteneck, Wie sehen Böcke, Kastraten und Weibchen von unten aus

Kastration

Sollten Sie sich für eine gemischte Haltung entscheiden, müssen die Böcke kastriert werden. Sonst vermehren sich die Tiere rasant (siehe auch: Nachwuchs). Rattenböcke die in reinen Bockgruppen gehalten werden, können unkastriert bleiben. Vertragen sich die Böcke nicht, ist die Kastration aber auch nicht unbedingt ein Mittel um unverträgliche Tiere zu beruhigen, denn es dauert relativ lange, bis die Hormone sich abbauen und die Böcke ruhiger werden. Allerdings kann ein kastrierter Bock, der in Bockgruppen nicht klar kommt natürlich nach der Quarantäne mit Weibchen vergesellschaftet werden. Böcke die massiv bissig sind, werden durch eine Kastration nicht unbedingt friedlicher, häufig beißen die Tiere, weil sie Krankheiten, Parasiten, Schmerzen oder grundlegende soziale Probleme haben.

Mitunter bekommen Sie schon kastrierte Ratten im Tierheim oder in privaten Notaufnahmen, fragen Sie dort nach und schauen Sie auch in die Vermittlungslisten des Vereins der Rattenfreunde Deutschlands

Es ist anzuraten, die Tiere jung kastrieren zu lassen. Eine Kastration zwischen der 10 und 12 Lebenswoche ist zu vertreten, bei früheren Kastrationen kann es zu Verhaltensstörungen und Gewichtsproblemen beim Tier kommen. Auch alte Böcke können noch kastriert werden, insofern sie ganz gesund sind.

Ratten sollten auf keinen Fall vor der OP ausgenüchtert werden, das würde zu einer fatalen Verdauungsstörung führen. Frischfutter könnte allerdings zur Fehlgärung führen, wenn es kurz vor der Narkose gegeben wird. Trockenfutter sollte bereitstehen. Nach der OP sollte der Patient noch etwa eine Woche auf Handtüchern oder Einstreukissen gehalten werden. Selbstverständlich sollte der Bock während der Zeit gut beobachtet werden, die Narbe sollte täglich kontrolliert werden und beim geringsten Anzeichen von Verdickungen an der Narbe, starke Abnahme oder sonstigen Krankheitsanzeichen, sollte sofort ein Tierarzt aufgesucht werden. Vorsorglich wird der Bock zusätzlich mit Vitaminen und Mineralien versorgt. Weitere Anweisungen bekommen Sie vom Tierarzt! Der Bock bleibt normalerweise nach der Kastration noch etwa zwei Wochen zeugungsfähig, im Extremfall bis zu fünf Wochen. Er kann im Samenleiter befruchtungsfähige Spermien lagern, also darf er erst nach einer Quarantäne von gut 4 Wochen zu den Weibchen.

Sinnesleistungen

Augen:Ratten haben durch ihre seitlich angebrachten Augen einen guten Rundumblick. Sie haben allerdings durch die weit auseinander stehenden Augen und die dazwischen befindliche Nase keine Möglichkeit für ein dreidimensionales, also räumliches Sehvermögen. Deshalb können sie Höhen schlecht abschätzen, Bewegungen nehmen sie hingegen sehr gut wahr. Sie haben ebenfalls wesentlich mehr lichtempfindliche Stäbchen im Auge, die es ihnen erlauben, auch bei sehr schwachem Licht gut zu sehen. Sie sehen Farben nicht in dem Umfang wie wir Menschen, wir haben drei Zäpfchentypen im Auge für die Farben Grün, Rot und Blau. Den Ratten fehlt der Typ für Rot und so nehmen sie vermutlich eher Gelbgrün bis Blauviolett war, sie können ebenfalls, was wir Menschen nicht können, UV Licht erkennen.
Ohren: Ratten haben ein sehr gutes Gehör. Sie können ihre Ohren unabhängig voneinander in alle Richtungen bewegen Sie nehmen auch Töne wahr, die der Mensch nicht mehr wahrnehmen kann. Sie verständigen sich auch vorwiegend im Ultraschallbereich
Nase:Ratten haben einen ausgesprochen guten Geruchssinn. Sie nehmen ihre Umwelt über sehr differenzierte Gerüche wahr. Sie verständigen sich über gelegte Duftspuren, markieren ihr Revier mit Düften und orientieren sich auch bei der Partnerwahl und innerhalb des Rudels am Geruch
MundRatten haben einen sehr ausgeprägten Geschmacksinn und können schon kleinste Veränderungen in der Futterzusammensetzung erkennen. Sie können Nahrungskomponenten erkennen, die ihnen oder einem ihrer Rudelmitglieder nicht bekommen sind und sortieren diese aus.
Gleichgewicht:Ratten haben einen hochdifferenziertes Gleichgewichtsorgan im Innenohrbereich, so können sie problemlos auf Seilen oder an Kanten entlangbalancieren.
Tasthaare: Ratten besitzen Tasthaare (Vibrissen) mit denen sie ihre Umgebung auch ertasten können. Sie können so auch in Dunkelheit ihre Umgebung gut wahrnehmen

Daten

Zähne:Ratten haben Vorne ständig nachwachsende Nagezähne, diese Zähne haben Vorne eine starke Zahnschmelzauflage, die gelblich bis orange ist, dazu besitzen sie 12 Backenzähne die nicht nachwachsen
FüßeRatten haben Vorne an den Füßchen 4 Zehen und eine nur ansatzweise vorhandene 5 Zehe, an den Hinterfüßchen haben sie 5 Zehen
Körpertemperatur: ca. 36,5 - 37,9 °C
Atemfrequenz ca. 80 - 140 Respirationen/min
Herzfrequenz ca. 280 - 450 Schläge/min