Blaue Tiger Kurzinfo

Was ist ein blauer Tiger?

Blauer Tigergarnelen (Caridina cf. cantonensis 'Tiger Blue') sind eine bläuliche Farbvariante der normalen Tigergarnele. Diese Tigergarnelen leben eigentlich in fließenden Gewässern in Südchina. Die natürliche Farbe bei diesen Tieren ist durchsichtig oder hell mit dunklen, roten, schwarzen oder bräunlichen Streifen. Wobei die Streifen immer sehr gut zu erkennen sind und sie damit auch wirklich wie kleine Tiger wirken, sie sind aber wesentlich friedlicher als ihre Namensverwandten und schnurren auch nicht, wenn man sie krault (was bei der Größe wohl auch eher schwer zu bewerkstelligen ist, vielleicht schnurren sie ja doch, ich habs noch nicht versucht).

Aussehen

Blaue Tiger sind sogenannte Zwerggarnelen, sie sind also relativ klein. Männchen werden etwa 3 cm Weibchen gut 4 cm groß - sie sind damit etwas größer als die meisten anderen Zwerggarnelenarten. Sie können gut 2 Jahre alt und älter werden. Besonders auffällig sind ihre meist orangefarbenen Augen. Diese kommen besonders in dunkleren Aquarien gut zur Geltung und leuchten einen aus dunklen Ecken an. Die blauen Tiger sind, wie der Name schon sagt, blau gefärbt. Dabei wird zwischen extrem vielen Blauabstufungen unterschieden, von hellblau, über dunkelblau bis fast schwarz ist alles dabei und spalterbige gibt es auch noch, die sind nur wenig blau, können aber blaue Kinder hervorbringen. Echte Züchter unterteilen die Tiere in verschiedene Farben ein und da gibt es dann z.B. die fast schwarzen "Black Tiger", die dunkelblauen "Tiger deep blue" und ganz schliche "Tiger blau".

Eine blaue und eine sehr helle Tigergarnele im Vergleich
Tiger Garnelen

Meine eigenen Garnelen heißen einfach "bunte Tiger" und sie sehen unterschiedlich aus. Einige sind fast schwarz, einige dunkelblau und viele sind hellblau oder einfach fast tigerfarbend, ich habe sogar einen mit schwarzen Augen und hellen Streifen.

Körperbau

Diese Tierchen schauen recht lustig aus, es ist ein Wunder, dass sie ihre ganzen Beine, Antennen und andere Dinger an sich dran koordiniert bekommen. Sie haben vorne am Kopf vier Antennen, zwei sehr sehr lange und zwei kürzere. Die langen Antennen sind länger als das Tier selbst. Im Maulbereich haben sie Futterfühler (Scaphocerit und Maxillipede). Dann folgen zwei Paar Schreitbeine mit Scheren dran, diese sind unablässig dabei Futter ins Mäulchen zu schaufeln. Auf ihren vier Laufbein-/Schreitbeinpaaren (Peraeopoden) sind sie am Boden recht flink unterwegs. Zum Schwimmen haben sie am Hinterleib noch 5 kleine Schwimmbeinpaare (Pleopoden). Die Abdominalsegmente des Rückens haben am Ende eine gefächerte Flosse (Uropoden). An so einer Garnele bewegt sich immer etwas, vor allem die großen Fühler vorne am Kopf und die Scheren sind immer unterwegs. Sie haben alle wichtigen Organe, sowie einen Hirnstamm, im Kopf. Nur der Darm geht am Rücken lang und ist dort auch mitunter durch einen Strich zu erkennen, er endet vor der Hinterflosse.

Sooo viele Beinchen und Dinger an einem so kleinen Tier...
Tiger Garnelen

Häutung

Wie alle Krebstierchen, haben auch die blauen Tiger eine Außenhaut aus Chitin, die in mehrere Segmente aufgeteilt ist. Diese Haut wächst nicht mit, deshalb muss sich eine Garnele ein Leben lang regelmäßig häuten um zu wachsen. Dazu sucht sich die Garnele eine ruhige Ecke und bleibt dort eine Zeitlang sitzen, die Tierchen werden dann auch richtig bleich und sehen fast krank aus. Dann plötzlich bricht der Panzer am Rücken/im Nacken durch und die Garnele schlüpft heraus. Danach ist sie sehr weich und muss erstmal aushärten, in der Zeit ist sie sehr verletzlich. Die Haut wird fast unverzüglich von den Artgenossen und ihr selbst aufgefressen, auch den Schnecken schmeckt das. Sie nehmen so die Nährstoffe, die sie bei der Häutung verlieren, wieder auf. Ihre Organe sitzen übrigens nur im vorderen Bereich, nur der Verdauungstrakt geht bis hinten durch und ist als dunkler Strich mitunter gut zu erkennen.

Die leere Haut einer blauen Tigergarnele
Zwerggarnelenpanzer

Die Haut wird sofort fachgerecht entsorgt
Zwerggarnelenpanzer

Fortpflanzung

Mit etwa 2 - 3 Monaten werden die Tiere geschlechtsreif. Vorher ist kein Geschlechtsunterschied zu erkennen. Erst dann werden die Weibchen wesentlich fülliger als die Männchen, ihr Hinterleib ist rund, das der Männchen spitz zulaufend und die Weibchen werden insgesammt größer. Das Weibchen hat im Nackenbereich Eierstöcke, dort entstehen die Eier in einem sogenannten "Laichansatz". Dieser ist, genau wie die Eier, dunkelbraun. Bevor die Eier befruchtet werden, häutet sich das Weibchen und dann gibt sie Pheromone ab - also Sexuallockstoffe und dann gehts rund. Alle Kerle im Becken schwimmen aufgeregt umher und scheinen völlig überdreht durch das Wasser zu fliegen - wo die kleinen Krebschen ja sonst eher Bodenbewohner sind und nur schwimmen, wenn es sich so gar nicht vermeiden lässt. Irgendein Kerl (oder mehrere?) haben dann das große Glück, ihre Samen abgeben zu dürfen, der wird hinten an die Geschlechtsöffnung geklebt (also so richtig aufregend klingt das Liebensleben für mich nun nicht, aber ich bin auch keine Garnele, wer weiß schon, was die dabei empfinden wenn so eine Kerl sein Samenpaket anheftet...). Das Weibchen drückt ihre Eier durch den Samen heraus und klebt sich die Eier dann an den Hinterleib zwischen die Schwimmbeine. Die kleine Brut reift dann dort so um die vier Wochen heran und Mama schleppt die Eier die ganze Zeit mit sich herum, sortiert sie um, fächert ihnen frisches Wasser zu und hat die ganze Zeit irgendwas damit zu tun. Irgendwann schlüpfen dann winzige Garnelchen und schwimmen plötzlich durch das Becken.

Eine "schwangere" (eiertragend sagt der Experte dazu) Garnele, die Eier am Hinterleib sind gut zu erkennen
Zwerggarnele blau eiertragend

Vergleich: frisch geschlüpfte Garnele unten rechts, daneben fast ausgewachsene Garnelen
Zwerggarnele blau eiertragend

Haltung

Diese Garnelen benötigen meiner Ansicht nach mehr Platz, als andere Zwerggarnelen mit denen ich zu tun hatte. Sie schwimmen mehr, sind recht aktiv, deshalb sollten Becken ab 30 l, besser 50 l Größe gewählt werden. Der Bodengrund sollte relativ fein sein, Sand eignet sich durchaus, auch wenn viele Aquarianer ihn nicht so gern verwenden. Ich habe zum Teil Chinchillasand im Becken, da meine Turmdeckelschnecken diesen bevorzugen. Sand und Kies sollten eine Körnung von 0,2 - 2 mm haben und abgerundet sein. Gut geeignet ist spezieller Garnelen Bodengrund (Garnelenkies, Nano Untergrund, Fluval Stratum etc.). Die Einrichtung sollte auf jeden Fall Versteckmöglichkeiten bieten. Lochgesteine, Lavasteine, Tonröhrchen, spezielle Garnelenstämme oder andere Einrichtungsgegenstände aus Keramik sind gut geeignet. Meine Garnelen haben auch gut gewässerte Aquarienwurzeln im Becken. Viele Pflanzen (z.B. Nixkraut, Grasbinse, Harnixe, Hornkraut, Javafarn etc.) bieten verstecke. Mooskugeln und Bodendeckerpflanzen (Nadelsimse, Flammenmoos, Neuseelandgras, Teichlebermoos und andere) runden die Einrichtung ab und werden von den Garnelen gern abgeweidet. An Technik sollte ein Filter nicht fehlen. Die meisten Filter sind allerdings eine Todesfalle für die Garnelenbabys, wirklich empfehlenswert finde ich nur Schwammfilter oder Hamburger Mattenfilter. Die Beleuchtung muss nur so hell sein, dass die Pflanzen überleben, die Garnelen selbst legen keinen Wert auf viel Licht. Eine Heizung wäre nur notwendig, wenn es im Winter dauerhaft zu kalt im Becken wird. Meine haben Temperaturen von 15 - 25 °C je nach Jahreszeit und kommen mit allem gut klar.

Aquarium

Mehr Infos zu dem Aquarium gibt es hier: Aquarium für blaue Tiger

Futter

Die meisten Garnelenarten wohnen in Flüssen und Teichen und fressen dort das, was am Boden zu finden ist. Für gewöhnlich sind das abgestorbene Pflanzen, vermutlich auch Laub von Bäumen die neben dem Fluss stehen und Kleinstlebewesen. Gefüttert werden die Garnelen dementsprechend möglichst abwechslungsreich. Meine Garnelen bekommen einmal die Woche handelsübliches Garnelenfutter, das "Sera Shrips natural", es gibt aber auch viele andere Sorten die geeignet wären. Dazu bekommen sie ein bis zweimal die Woche getrocknete Kräuter und Blätter. Meine mögen besonders gern Löwenzahn, Haselnussblätter, Birkenblätter, Melisse, Buchenblätter, Brennnessel, Schafgarbe, Spitzwegerrich und Apfelbaumblätter (ich kaufe diese hier: Kaninchenwerkstatt). Diese Blättermischung wird vor dem Verfüttern mit kochendem Wasser überbrüht, eine Weile stehen gelassen, mehrfach kalt abgespült und dann verfüttert. So sinken sie schnell runter und färben das Wasser nicht zu dunkel. Selten verfüttere ich noch normale Fischfutterflocken, um den Garnelen tierisches Eiweiß zuzuführen. Da in meinen Becken viele Wasserflöhe leben, gehe ich davon aus, dass meine Garnelen da keinen großen Bedarf haben. Einmal in der Woche könnte man auch noch frisches Gemüse (Salate, Gurken, Möhre, Paprika) anbieten, aber es sinkt schlecht ab, meine Garnelen mögen es nicht und deshalb lasse ich es sein (Gemüse wird immer auch heiß überbrüht um Keime zu entfernen).

Fütterung - da ist richtig was los.
Zwerggarnelen

Verhalten

Am Morgen und Abend ist am meisten los im Becken, dann sieht man viele kleine Garnelchen über die Pampa streifen und Futter suchen. Sehr gern grasen sie Mooskugeln ab, wühlen sich durch Blätter (getrocknete und abgekochte Blätter verschiedener Bäume und Pflanzen) und fressen Futterflocken. Natürlich sorgen sie durch ihren unaufhörlichen Putzeinsatz auch dafür, dass Algen im Becken nicht überhand nehmen, sie ernähren sich nämlich vor allem auch von Algen und Kleinstlebewesen im Becken. Dabei krabbeln sie langsam über den Filter und die Pflanzen im Becken und ihre kleinen Scheren flitzen immer von der Mundöffnung zum Boden zurück, das schaut echt anstrengend aus. Von Zeit zu Zeit stoßen sie sich ab und schweben dann kurz durch das Wasser auf der Suche nach einem besseren Platz. Sie können auch richtig schwimmen, im Gegensatz zu meinen Crystal Red tun sie es gar nicht so selten, wie ich zu Anfang dachte. Die blauen Tiger scheinen relativ gern zu schwimmen und sind viel aktiver, als meine anderen Garnelen. Ich weiß natürlich nicht, woran das liegt, aber es ist nicht nur Paarungsschwimmen. Vielleicht hat es mit den Wasserwerten zu tun, sie sind auf jeden Fall munterer und schwimmen häufiger. Sie krabbeln bei der Futtersuche auch ungeniert über Schnecken hinweg und putzen diese bei der Gelegenheit auch mitunter ein wenig sauber. Selten sind wirklich alle Garnelen zu sehen, häufiger sieht man nur wenige während die anderen sich ein wohlverdientes Päuschen gönnen. Dafür suchen sie unterschiedliche Verstecke auf, Bambusröhrchen, Tonunterschlüpfe und andere Höhlen sind dafür sehr beliebt. Manchmal sieht man einen ihrer Fühler da raus schauen. Mitunter hängen auch welche Kopfüber an der Decke unter den Wasserlinsen, es muss toll sein, drei Dimensionen nutzen zu können ohne das einem das Blut ins Hirn läuft... naja, so viel Hirn ist da eigentlich auch nicht... *hüstel*. Wenn die Garnelen aufeinander treffen, zucken sie erstmal mit den Fühlern zurück und versuchen schon, sich auf Abstand zu halten. Bei der Fütterung mitunter krabbeln sie aber auch einfach übereinander her und dann sieht man viele auf einmal. Es macht einfach irre Spaß, sie zu beobachten... das wirkt wirklich beruhigend.

Viele Garnelenkinder marschieren über einen Stein...
Zwerggarnelen