Kurzinfo Sakura Orange Garnelen

Auf dieser Seite beschreibe ich die schönen orangenen Garnelen auf meine ganz eigene Art - Züchter und Experten mögen mir verzeihen, wenn ich nicht ihren Fachjargon benutze ;)

Was ist eine Sakura Orange?

Sakura Orange Garnelen (Neocaridina heteropoda var. orange) sind eine Farbvariante der Algengarnele, wie auch ihre engen Verwandten die Red Cherry oder auch rote Sakura Garnelen von denen sie direkt abstammen. Das Wort "Sakura" bezeichnet die Japanische Kirschblüte und wird gern im Sinne von "Schönheit" verwendet und das passt zu den leuchtend orangenen und zierlichen Garnelen wirklich gut. Nur die Sakura Garnelen behalten auch bei Stress ihre Farbe und sind ganz durchgefärbt, teilweise dunkelorange. Sind die Tiere nicht ganz durchgefärbt oder bleichen sie bei Stress stark aus, sind es keine Sakura, sondern orange Fire. Die Sakura Garnelen stammen vermutlich aus China und wurden ursprünglich in Japan gezüchtet. Die orangene Farbvariante ist noch relativ jung, sie tauchte erst etwa 2010 zum ersten Mal auf, aber mittlerweile ist sie überall zu bekommen, wohl auch, weil sie relativ anspruchslos ist. So eine Sakura Orange ist also erstmal eine Garnele, also ein Krebstierchen - und nein, sie werden nicht gegessen, dafür sind sie zu klein und zu niedlich.

Aussehen

Sakura Orange sind sogenannte Zwerggarnelen, sie sind also sehr klein, Männchen können etwa 2 cm Weibchen bis 2,5 cm groß werden. Jedenfalls sind das die Maße, die immer im Internet genannt werden - meine Weibchen sind aber mittlerweile schon bestimmt 3 cm groß. Mit etwas Glück, werden sie bis zu zwei Jahren alt und schauen in der Zeit ihre Umwelt mit großen, schwarzen Stielaugen an. Auffällig ist ihre Färbung, sie wirken durchsichtig, die Haut ist bei ausgewachsenen Tieren durchgehend orange gefährbt, teilweise sogar dunkelorange. Es gibt auch besser gefärbte Tiere die so Orange sind, dass man den Eifleck und die Eier nicht mehr sehen kann, aber diese sind extrem selten und sehr teuer. Angeblich werden sie im Alter noch dunkler und die Weibchen sind stärker gefärbt als die Männchen, was hier mittlerweile zutrifft. Die Garnelen färben sich allerdings erst im Alter von etwa 3 Monaten ganz orange, Jungtiere sind frisch geschlüpft fast durchsichtig und mit 1 cm sind sie auch Orange, aber sehr durchscheinend.

Körperbau

Diese Tierchen schauen recht lustig aus, es ist ein Wunder, dass sie ihre ganzen Beine, Antennen und andere Dinger an sich dran koordiniert bekommen. Sie haben vorne am Kopf vier Antennen, zwei sehr sehr lange und zwei kürzere. Die langen Antennen sind länger als das Tier selbst. Im Maulbereich haben sie Futterfühler (Scaphocerit und Maxillipede). Dann folgen zwei Paar Schreitbeine mit Scheren dran, diese sind unablässig dabei Futter ins Mäulchen zu schaufeln. Auf ihren vier Laufbein-/Schreitbeinpaaren (Peraeopoden) sind sie am Boden recht flink unterwegs. Zum Schwimmen haben sie am Hinterleib noch 5 kleine Schwimmbeinpaare (Pleopoden). Die Abdominalsegmente des Rückens haben am Ende eine gefächerte Flosse (Uropoden). An so einer Garnele bewegt sich immer etwas, vor allem die großen Fühler vorne am Kopf und die Scheren sind immer unterwegs. Sie haben alle wichtigen Organe, sowie einen Hirnstamm, im Kopf. Nur der Darm geht am Rücken lang und ist dort auch mitunter durch einen Strich zu erkennen, er endet vor der Hinterflosse..

So viele Beine...
Sakura Orange Garnelen

Häutung

Wie alle Krebstierchen, haben SO eine Außenhaut aus Chitin, die in mehrere Segmente aufgeteilt ist. Diese Haut wächst nicht mit, deshalb muss sich eine Garnele ein Leben lang regelmäßig häuten um zu wachsen. Dazu sucht sich die Garnele eine ruhige Ecke und bleibt dort eine Zeitlang sitzen, die SO werden dann auch richtig bleich und sehen fast krank aus. Dann plötzlich bricht der Panzer am Rücken/im Nacken durch und die Garnele schlüpft heraus. Danach ist sie sehr weich und muss erstmal aushärten, in der Zeit ist sie sehr verletzlich. Ihre Organe sitzen übrigens nur im vorderen Bereich, nur der Verdauungstrakt geht bis hinten durch und ist als dunkler Strich mitunter gut zu erkennen.

Die leere Haut einer Garnele (das Bild wurde zur besseren Ansicht gedreht) ...
Zwerggarnelenpanzer

Fortpflanzung

Mit etwa 2 - 3 Monaten werden die Tiere geschlechtsreif. Vorher ist kein Geschlechtsunterschied zu erkennen. Erst dann werden die Weibchen wesentlich fülliger als die Männchen, ihr Hinterleib ist rund, das der Männchen spitz zulaufend und die Weibchen werden insgesammt größer. Das Weibchen hat im Nackenbereich Eierstöcke, dort entstehen die Eier in einem sogenannten "Laichansatz". Dieser ist, genau wie die Eier, sehr hell bis weiß und sehr gut zu erkennen. Bevor die Eier befruchtet werden, häutet sich das Weibchen und dann gibt sie Pheromone ab - also Sexuallockstoffe und dann gehts rund. Alle Kerle im Becken schwimmen aufgeregt umher und scheinen völlig überdreht durch das Wasser zu fliegen - wo die kleinen Krebschen ja sonst eher Bodenbewohner sind und nur schwimmen, wenn es sich so gar nicht vermeiden lässt. Irgendein Kerl (oder mehrere?) haben dann das große Glück, ihre Samen abgeben zu dürfen, der wird hinten an die Geschlechtsöffnung geklebt (also so richtig aufregend klingt das Liebensleben für mich nun nicht, aber ich bin auch keine Garnele, wer weiß schon, was die dabei empfinden wenn so eine Kerl sein Samenpaket anheftet...). Das Weibchen drückt ihre Eier durch den Samen heraus und klebt sich die Eier dann an den Hinterleib zwischen die Schwimmbeine. Zu Anfang sind die Eier ebenfalls ganz weiß, aber sie werden sehr schnell durchsichtig. Die kleine Brut reift dann so um die vier Wochen heran und Mama schleppt die Eier die ganze Zeit mit sich herum, sortiert sie um, fächert ihnen frisches Wasser zu und hat die ganze Zeit irgendwas damit zu tun. Irgendwann schlüpfen dann winzige Garnelchen und schwimmen plötzlich durch das Becken.

Ein schwangeres (eiertragend sagt der Experte dazu) Garnelenweibchen
Sakura Orange Garnele mit Eiern

Links hat den Eiansatz noch hinter dem Kopf, rechts ebenfalls eiertragend
Sakura Orange Garnele mit Eiern

Haltung

Sakura Orange Garnelen sind relativ genügsam. Sie benötigen nicht ganz so viel Platz, Becken ab 25 l Fassungsvermögen reichen für die Zucht aus. Reine Männertrupps fühlen sich auch in kleinen, aber bitte gut bepflanzten Becken wohl. Ich halte meinen in einem 54 l Becken: Garnelen Aquarium. Der Bodengrund sollte relativ fein sein, denn die Garnelen halten sich viel auf dem Boden auf und zu grober Kies ist ein unschöner Kontrast zu den zierlichen Tieren. Die Garnelen weiden kleinere Steinchen gern ab und nehmen sie auch mal hoch. Gut geeignet sind spezieller Garnelen Kies, bzw. Nano Untergrund, Fluval Stratum, Chinchillasand, feiner abgerundeter Aquariensand. Die Einrichtung sollte auf jeden Fall Versteckmöglichkeiten bieten. Lochgesteine, Lavasteine, Tonröhrchen, spezielle Garnelenstämme oder andere Einrichtungsgegenstände aus Keramik sind gut geeignet. Meine Garnelen haben auch gut gewässerte Aquarienwurzeln, die sie gern abweiden und auf die ich Moose aufgebunden habe. Viele Pflanzen (z.B. Nixkraut, Grasbinse, Harnixe, Hornkraut, Javafarn etc.) bieten Verstecke. Feinblätterige Pflanzen werden bevorzugt. Mooskugeln und Bodendeckerpflanzen (Nadelsimse, Flammenmoos, Neuseelandgras, Teichlebermoos und andere) runden die Einrichtung ab und werden von den Garnelen ebenfalls gern abgeweidet. An Technik sollte ein Filter nicht fehlen. Die meisten Filter sind allerdings eine Todesfalle für die Garnelenbabys, denn diese werden auch durch feine Gitter angesaugt. Wirklich empfehlenswert finde ich nur Schwammfilter oder Hamburger Mattenfilter. Die Beleuchtung muss nur so hell sein, dass die Pflanzen überleben, die Garnelen selbst legen keinen Wert auf viel Licht. Eine Heizung wäre nur notwendig, wenn es im Winter dauerhaft zu kalt im Becken wird. Meine haben Temperaturen von 15 - 25 °C je nach Jahreszeit und kommen mit allem gut klar. Die Tiere sind in freier Wildbahn mitunter starke Temperaturschwankungen zwischen der Tag- und Nachttemperatur gewöhnt. Sie sollen sich angeblich besser vermehren, wenn das Becken Nachts abkühlt. Ich konnte allerdings keinen Unterschied fest stellen. Sehr wichtig ist ein wirklich regelmäßiger Wasserwechsel, etwa 1/3 Wasser 2x die Woche. Garnelen brauchen sauberes Wasser, sie wohnen in Flüssen, wo immer frisches Wasser nachkommt.

Aquarium

Futter

Die meisten Garnelenarten wohnen in Flüssen und Teichen und fressen dort das, was am Boden zu finden ist. Für gewöhnlich sind das abgestorbene Pflanzen, vermutlich auch Laub von Bäumen die neben dem Fluss stehen und Kleinstlebewesen. Gefüttert werden die Garnelen dementsprechend möglichst abwechslungsreich. Meine Garnelen bekommen mehrmals die Woche handelsübliches Garnelenfutter, das "Sera Shrips natural", es gibt aber auch viele andere Sorten die geeignet wären, aber bisher mögen alle meine Garnelen das Futter von Sera am liebsten. Außerdem mögen sie gern ganz normale Fischfutterflocken. Dazu bekommen sie ein bis zweimal die Woche getrocknete Kräuter und Blätter. Meine mögen besonders gern Löwenzahn, Haselnussblätter, Birkenblätter, Melisse, Buchenblätter, Walnussblätter, Brennnessel, Schafgarbe, Spitzwegerrich und Apfelbaumblätter (ich kaufe diese hier: Kaninchenwerkstatt). Diese Blättermischung wird vor dem Verfüttern mit kochendem Wasser überbrüht, eine Weile stehen gelassen, mehrfach kalt abgespült und dann verfüttert. So sinken sie schnell runter und färben das Wasser nicht zu dunkel. Als besonders gut für die Garnelen gelten Seemandelbaumblätter, also habe ich davon auch immer eins im Becken, sie sind sehr hübsch anzusehen und werden mit der Zeit auch aufgefuttert. Dazu gibt es noch Pellets aus Brennnessel, Löwenzahn, Oregano, Spinat etc..Hin und wieder verfüttere ich normale Fischfutterflocken, um den Garnelen tierisches Eiweiß zuzuführen und weil sie diese einfach total gern mögen. Da in meinen Becken viele Wasserflöhe und Rädertierchen leben, gehe ich davon aus, dass meine Garnelen da keinen großen Bedarf haben. Einmal in der Woche könnte man auch noch frisches Gemüse (Salate, Gurken, Möhre, Paprika) anbieten, aber es sinkt schlecht ab, meine Garnelen mögen es nicht und deshalb lasse ich es sein (Gemüse wird immer auch heiß überbrüht um Keime zu entfernen).

Aquarium

Verhalten

Meine Garnelen sehe ich zu jeder Tageszeit über die Pampa streifen und Futter suchen. Sehr gern grasen sie Mooskugeln ab, wühlen sich durch Blätter (getrocknete und abgekochte Blätter verschiedener Bäume und Pflanzen) und fressen Futterflocken. Natürlich sorgen sie durch ihren unaufhörlichen Putzeinsatz auch dafür, dass Algen im Becken nicht überhand nehmen, sie ernähren sich nämlich vor allem auch von Algen und Kleinstlebewesen im Becken. Dabei krabbeln sie langsam über den Filter und die Pflanzen im Becken und ihre kleinen Scheren flitzen immer von der Mundöffnung zum Boden zurück, das schaut echt anstrengend aus. Von Zeit zu Zeit stoßen sie sich ab und schweben dann kurz durch das Wasser auf der Suche nach einem besseren Platz. Sie können auch richtig schwimmen, tun es aber nur selten und es scheint ihnen, außer im Pheromonrausch, auch nicht besonders zu gefallen. Sie krabbeln bei der Futtersuche auch ungeniert über Schnecken hinweg und putzen diese bei der Gelegenheit auch mitunter ein wenig sauber. Selten sind wirklich alle Garnelen zu sehen, häufiger sieht man nur wenige während die anderen sich ein wohlverdientes Päuschen gönnen. Dafür suchen sie unterschiedliche Verstecke auf. Manchmal sieht man einen ihrer Fühler da raus schauen. Mitunter hängen auch welche Kopfüber an der Decke unter den Wasserlinsen, es muss toll sein, drei Dimensionen nutzen zu können ohne das einem das Blut ins Hirn läuft... naja, so viel Hirn ist da eigentlich auch nicht... *hüstel*. Wenn die Garnelen aufeinander treffen, zucken sie erstmal mit den Fühlern zurück und versuchen schon, sich auf Abstand zu halten, mitunter krabbeln sie aber auch einfach übereinander her. Es macht einfach irre Spaß, sie zu beobachten... das wirkt wirklich beruhigend.

Orange Sakura Garnelen im Moos