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Handaufzucht von Chinchillawaisen

Chinchillajunge sind zwar von Geburt an augenscheinlich schon fertig, aber sie benötigen in der ersten Woche nach der Geburt unbedingt Muttermilch, um sich vollständig zu entwickeln. Ist die Mutter gestorben, nimmt sie die Jungen nicht an oder sind es zu viele Jungen, haben die Jungtiere ohne entsprechende Pflege und Zufütterung keine Überlebenschance.

Folgende Grundausstattung wird für die Jungenaufzucht benötigt:

  • 1 ml Spritzen oder Pasteurpipetten aus Plastik (3,5 ml, sind sehr günstig bei ebay zu bekommen), sehr gut geeignet sind auch spezielle Päppelfläschchen. Dieses Zubehör ist hier zu bekommen: Welkas Shop.
  • Katzenaufzuchtsmilch Besonders gut geeignet ist die Cimi-Lac Aufzuchtsmilch vom Tierarzt oder Gimpet Aufzuchtsmilch für Katzen (keine Katzenmilch!) aus dem Zoofachhandel.
  • Spezielles Päppelfutter für Herbivore: "Herbi Care Plus", dieses Päppelmittel ist sehr stark vermahlen und eignet sich damit besonders gut für Jungtierpäppelnahrung Hier kann "Herbi Care Plus" bestellt werden: Aufziehmaus, Tiervitalshop."Critical Care" ist etwas gröber, es geht deshalb nur schwer durch die Spritze und ist eher etwas für ältere Jungtiere, die noch zugefüttert werden müssen. Hier kann es bestellt werden Tiervitalshop, Frau Meier.
  • Wärmekissen (Kirschkernkissen, Moorwärmflasche, Wasserwärmflasche, Snuggle Safe)
  • Handtücher
  • Kuschelsäcke
  • Kräuter, Heu, Grünfutter

Unterkunft der Jungtiere

Die mutterlosen Babys werden in einem separaten Käfig untergebracht, dort wird auf einer Seite ein handwarmes Wärmekissen angeboten. Dieses wird in ein Handtuch gewickelt, damit es nicht angenagt werden kann. Das Kissen sollte nur so viel Wärme abgeben, dass die Jungen es kuschelig warm haben, aber nicht überhitzen! Snuggle Safe werden in der Mikrowelle erhitzt und halten die Wärme gut 8 Stunden, sie sind deshalb besonders geeignet.

Im Käfig sollte es eine isolierende Einstreuschicht geben und darüber eine dicke Lage Heu. Kuschelsäcke aus reinem Leinen mit Fleecefutter werden von Jungtieren gern genutzt, sie müssen aber entfernt werden, wenn die Jungen diese annagen und sie müssen häufiger gewechselt werden, wenn sie verschmutzen. Manche Tierschützer empfehlen Lammfellstücke (Shred-das). Einrichtungsgegenstände wie Etagen und Holzbrücken und Weidenbrücken bieten Verstecke und somit Sicherheit.

Ein Snuggle Safe unter einer Weidenbrücke ist ein willkommenes Nest
Chinchilla Handaufzucht

Fütterungsintervalle

In den ersten Lebenstagen sind Chinchillajungtiere auf Milch angewiesen. Wenn keine Amme zu finden ist, die sich um die Jungtiere kümmern kann, dann muss der Halter die Jungen von Hand aufziehen. Jungen, deren Mutter nicht genug Milch hat oder große Würfe müssen mindestens 2 x am Tag, bei schlechter Gewichtszunahme auch häufiger, zugefüttert werden. Mutterlose Jungen oder Jungen, deren Mütter sie nicht angenommen haben bekommen alle 2 - 3 Stunden einen Muttermilchersatz gefüttert.

Milchersatz

Die Ersatzmilch muss der Chinchillamuttermilch vom Aufbau her angepasst werden, Kondenzmilch oder Kuhmilch sind ungeeignet, sie enthalten kaum Nährstoffe oder führen zu schweren Durchfällen. Die Chinchilla Muttermilch ist folgendermaßen zusammen gesetzt: Rohfett 11-16%, Rohprotein 6,4-8%, Lactose 1,7%, Energie 696 -774 kj /je 100g.

Die Katzenaufzuchtsmilch wird nach Anleitung warm zubereitet. Zu Anfang wird sie 1:1 mit lauwarmen, dünnen Fencheltee verdünnt. Bekommen die Jungen einen harten Bauch oder sind Aufgasungen zu befürchten, wird jeder zweiten ein Tropfen Sab Simplex oder ein anderes Medikamente mit Simeticon zugesetzt. Diese Milch wird in eine Spritze, Aufzuchtsflasche oder Pipette aufgezogen. Dann wird mit einem Tropfen auf der Haut (Puls an der Hand) getestet, ob die Milch die richtige Temperatur hat. Sie darf nur lauwarm sein, auf keinen Fall sollte sie kalt oder heiß verfüttert werden. Zu jeder Mahlzeit wird die Milch frisch angerührt. Ab dem 3. Lebenstag wird zweimal am Tag wird ein Tropfen Speiseöl in die Milch gegeben, damit die Jungen ausreichend Energie zugeführt bekommen. Statt dessen kann auch etwas lactosefreie Sahne verwendet werden. Die Milch kann auch ab dem 7. Lebenstag schrittweise gegen eine Ziegenaufzuchtsmilch ausgetauscht werden, gute Erfahrungen wurden mit Ziegenaufzucht-Milch Farmfood No. 1 gemacht .

Die Fütterung

Das Jungtier wird zur Fütterung vorsichtig in ein Leinentuch oder einen Kuschelsack gekuschelt, damit es beim Füttern nicht zu arg zappelt und das Fell des Tieres durch den Handschweiß nicht zu stark aufgewühlt und beschädigt wird. Dabei ist es sehr wichtig, das Jungtier möglichst in der natürlichen Lage zu halten. Es darf nicht zu senkrecht gehalten werden, damit es normal schlucken kann. Im Idealfall sollte es mit allen Vieren auf einem Tischchen oder dem Schoß stehen. Achtung: Die kleinen Chinchillajunge können sehr schnell sehr munter werden, auch Jungen, die Gestern noch völlig ruhig in der Hand saßen, können Morgen schon schnell weg laufen oder umher springen. Halten Sie die Jungen deshalb immer gut fest und setzen Sie die Jungen niemals einfach auf dem Tisch ab!

Dann wird die Milch tröpfchenweise ins Mäulchen gegeben. Bevor das Jungtier mit der Spritze gefüttert wird, sollten Sie sich unbedingt mit dem Gerät vertraut machen und erstmal üben, nur kleine Mengen damit abzugeben! Die Jungtiere trinken meist recht gierig und kommen kaum zum Schlucken. Trotzdem muss unbedingt nach jedem Schluck eine kleine Pause gemacht werden, damit das Baby schlucken und auch atmen kann! Wird zu schnell gepäppelt, wird das Tier falsch gehalten und werden keine Pausen eingehalten, dann kann Futter in die Lungen kommen, dies führt zur Aspirationspneumonie - und nicht selten zum Tod des Tieres! Nimmt das Jungtier die Milch nicht freiwillig an, wird die Spritze sehr vorsichtig von der Seite in das Mäulchen geschoben und ein Tropfen Milch wird direkt in das Mäulchen gespritzt. Meist merken die Jungen dann schon, dass es Futter gibt, sonst muss dieser Vorgang evtl. noch ein paar Mal wiederholt werden.

Es schmeckt ganz offensichtlich
Chinchilla Handaufzucht

Eine allgemein gültige Mengenangabe kann nicht gemacht werden. Der Magen eines Jungtieres kann allerdings nicht sehr viel Milch auf einmal aufnehmen. Über den Tag verteilt sollten etwa 0,1 - 0,3 ml pro 10 g Gewicht gegeben werden. Es wird also ein wenig nach Gefühl gepäppelt, nuckelt das Jungtier weniger heftig an der Spitze, wird eine Pause gemacht. Wenn es dann nicht mehr nach der Spritze sucht, sondern sich zum Schlafen zurück zieht, ist es satt. Sucht es noch massiv nach der Spritze, dann sollte es noch ein paar Tröpfchen bekommen.

Ab dem 7. Lebenstag oder wenn die Jungen sowieso anfangen an Heu zu knabbern, wird die Päppelmilch mit einem speziellen, rohfaserhaltigen Päppelbrei versetzt. Zu Anfang wird nur sehr wenig von dem Herbi Care PlusPulver unter die Milch gemischt. Wird es gut vertragen, wird die Menge langsam so weit gesteigert, dass ab etwa der 3./4. Lebenswoche noch zur Hälfte Milch und zur Hälfte Herbi Care gegeben wird. Nach weiteren 5 - 10 Tagen wird nur noch Herbi Care zugefüttert, dieses kann auch ganz oder teilweise durch Critical Care oder Dental Aid Herbi ersetzt werden, auch diese Umstellung muss langsam vorgenommen werden. Futterpellets und Trockenkräuter sollten, neben dem Heu, jederzeit zur Verfügung stehen.

Jedes neue Futtermittel wird grundsätzlich langsam angefüttert!

Chinchilla Handaufzucht

Pflege

Nach dem Füttern wird der Bauchbereich der Jungtiere vorsichtig in Richtung After massiert um die Verdauung anzuregen. Dabei bleibt das Baby wieder in der normalen Haltung, es wird nicht auf den Rücken gelegt! Es wird lediglich mit Zeige- und Mittelfinger oder dem Daumen unter das Tier gefasst und vorsichtig in kreisenden Bewegungen gestreichelt. Dabei kann auch ein leicht warmes Tuch helfen. Wenn die Jungen es sich gefallen lassen, kann der Bauch auch schon bei der Fütterung vorsichtig gestreichelt werden. Auf keinen Fall wird in das Tier gedrückt, das Massieren sollte immer mehr einem Streicheln als einer Massage gleichen! Das Streicheln ersetzt das Ablecken des Muttertieres, stärker als dieses sollte auch die Bauchmassage nicht sein.

Die Jungen werden mindestens einmal am Tag gewogen. Sie müssen immer zu einer bestimmten Zeit und entweder immer vor dem Füttern, oder immer nach dem Füttern gewogen werden. Das Gewicht wird notiert. Nehmen die Jungen ab, müssen sie häufiger mit Milch versorgt werden, außerdem wird etwas mehr lactosefreie Sahne in die Milch gerührt.

Zur Fellpflege benötigen die Jungen etwa ab der 3. Lebenswoche ein Sandbad.

Vergesellschaftung der Jungtiere?

Wenn die Jungtiere gut zunehmen und sich ihr Fläschchen freiwillig abholen, dann kann versucht werden, sie mit erwachsenen Chinchilla zusammenzubringen, damit sie dort Geborgenheit finden und das Sozialverhalten lernen. Allerdings dürfen die Kleinen nicht einfach in eine Gruppe gesetzt werden, nicht alle Chinchilla können mit Jungtieren umgehen und es besteht kein Welpenschutz bei Chinchilla!

Ideal wäre für weibliche Jungtiere ein Weibchen, das schon Jungen aufgezogen hat und sehr sozial gegenüber Jungtieren ist. Dieses wird zu den Jungen in den Käfig gesetzt. Wenn sie vorsichtig mit den Jungen umgeht und erlaubt, dass die Jungen sich an sie kuscheln, dann bleibt sie dauerhaft im Gehege. Allerdings wird es dann mit den im Käfig verteilten Futtermitteln etwas schwer, das erwachsene Tiere würde sich damit rund fressen. Bei männlichen Jungtieren kann versucht werden, sie in reine Männergruppen zu integrieren oder sie mit einem erwachsenen Männchen zusammen zu bringen.

Pflegerische Maßnahmen

Es sollten regelmäßig Kotproben beim Tierarzt zur Untersuchung abgegeben werden. Diese müssen auf Hefen und Darmparasiten untersucht werden, da der Darm der Jungtiere anfällig ist. Eine regelmäßige Gabe von Bird Bene Bac oder einem ähnlichem Präparat stärkt die Darmflora der Jungen. Durchfall muss unverzüglich behandelt werden (siehe auch: Durchfall beim Chinchilla. Eine Eigenbehandlung von Erkrankungen mit "Naturheilmitteln" ist nicht sinnvoll, Jungtiere haben keine Reserven und versterben sehr schnell an Infektionen und anderen Erkrankungen, Naturheilkunde darf immer nur Unterstützend angewand werden!

Abschließend

Manche Jungen müssen noch sehr lange zugefüttert werden. Meist holen sie sich ihre Spritzen mit dem Critical Care oder Herbi Care am Gehegerand ab. Sobald sie allerdings ein Gewicht von etwa 350 - 400 g erreicht haben, ist das Zufüttern normalerweise nicht mehr nötig.