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Verstopfung

Wie erkenne ich eine Verstopfung?

Folgende Erkennungsmerkmale gibt es, nicht immer treten alle gleichzeitig auf:
  • Das Chinchilla setzt seit mehreren Stunden keinen Kot mehr ab. Abgesetzte Köttel sind sehr klein, hart, unförmig.
  • Bei Magenüberladung ist der harte Magen gut zu tasten, der Rest vom Bauch ist weich (anders als bei der Aufgasung wo der Bauch oft an vielen Stellen verhärtet oder ganz angespannt ist).
  • Bei länger anhaltender Verstopfung wirkt der Bauch auch leicht angespannt.
  • Das Chinchilla verweigert weitere Nahrungsaufnahme. Es sitzt teilnahmslos, angespannt und hockend im Gehege, es entspannt sich nicht und legt sich nicht ausgestreckt hin.
  • Das Chinchilla krümmt häufiger den Rücken und versucht mit viel Druck, Kot abzusetzen.

Woher kommt die Verstopfung?

Verstopfung kann verschiedene Ursachen haben:
  • Futterpellets, Einstreupellets oder Trockengemüse wurden in großen Mengen gefressen, quellen im Magen auf und führen dort zu einer lebensgefährlichen Magenüberladung.
  • Ein häufiger Grund ist, dass das Chinchilla etwas Schädliches gefressen hat: Plastik, Katzenstreu, andere giftige Einstreu, Kerzenwachs, Gummi etc.
  • Bewegungsmangel und Übergewicht ist oft auch ein Grund für Darmprobleme.
  • Wassermangel, werden zu viele nur trockene Futterbestandteile, vor allem auch Trockenfutter, gereicht, aber wird kein Wasser gegeben, kann es zu einer Verstopfung kommen.
  • Auch eine Aufblähung im Darmbereich kann eine Verstopfung zur Folge haben.
  • Ein massiver Befall mit Hefepilzen kann ebenfalls eine Verstopfung hervor rufen: Darmmykose (Hefepilzinfektion im Darm).
  • Selten sind Tumore oder Darmverschlingungen der Grund für Verstopfungen.

Der Hauptgrund für ständig wiederkehrenden Verstopfung ist meist eine grundsätzlich falsche Fütterung der Tiere. Getreide und/oder Melassehaltiges Trockenfutter, getrocknetes Gemüse und zuckerhaltige Snacks sorgen dafür, dass der Darm nicht vernünftig arbeiten kann. In dem Fall hilft nur eine langsame Umstellung auf eine gesunde Ernährung der Tiere.

Wichtig:

Verstopfung bei Chinchilla sollte niemals ohne Tierarztbesuch selbst behandelt werden, länger andauernde Verstopfung führt zum Tode des Tieres! Nachdem die Verstopfung oder die entsprechenden Symptome fest gestellt wurden, wird das Tier unverzüglich einem Tierarzt vorgestellt. Mitunter zur Behandlung ein Spasmolytikum (z.B. Buscopan) angewandt. Wir haben damit keine guten Erfahrungen gemacht und in Fachärztekreisen wird eher davon abgeraten. Dieses Mittel lähmt den Darm der Chinchilla zu stark, es sollte also nur eingesetzt werden, wenn andere Mittel nicht wirken.

Wenn die Verstopfung sich nicht löst, ist es sinnvoll, das Tier röntgen zu lassen um die Ursache für die Verstopfung abzuklären. Aufgasungen und Bezoare (Steinbildung) können so voneinander unterschieden werden.

Behandlung bei Verstopfung:

Versuchen Sie die Ursache für die Verstopfung abzuklären, überprüfen Sie vor allem das Futter des Tieres und sorgen Sie für ausreichend Bewegung.

Wasser/Tee: Flüssigkeit hilft beim Ausscheiden von Verstopfungen.

Das Tier sollte viel Wasser, Kamillentee oder andere Kräutertees trinken. Sollte es nicht selber trinken, ist es wichtig mehrmals am Tag mit einer Pipette oder Spritze Wasser oder Tee einzuflößen!

Öl: Öl macht den Darminhalt rutschig und hilft so, den Darminhalt auszuscheiden und die Verstopfungen zu lösen. Flößen Sie dem Chinchilla, nach Absprache mit dem Tierarzt ein hochwertiges Speiseöl, beispielsweise Leinöl, Olivenöl, Sesamöl, Rapsöl oder Sonnenblumenöl ein. Zu Beginn der Behandlung 2 bis zu 5 ml Öl, anschließend 2 - 3 x täglich 1 - 2 ml. Die Anwendung von Rizinusöl ist umstritten, da dieses zu starken Darmreizungen führt. Paraffinöl ist ebenfalls nicht zu empfehlen, da es sich in den Organen anlagert und außerdem mit dem Mageninhalt verbinden kann, so dass es nicht den gewünschten Effekt als natürliches Gleitmittel erfüllt.

Rodikolan®: Ergänzend oder statt des Öls wird Rodikolan verabreicht. Es wirkt krampflösend und besteht aus verschiedenen Pflanzenölen. 10 Tropfen dreimal täglich als Zusatz, oder statt anderen Ölsorten die oben genannte Menge im akutem Fall.

Aufgasung: Meist haben die Tiere zusätzlich zur Verstopfung noch starke Blähungen. Da im Darm immer Gärprozesse stattfinden und die Gase nicht ausgeschieden werden können, bläht der Darm auf. Vorsichtshalber wird also immer ein Mittel gegen Gasbildung im Darm eingesetzt. Als gut verträglich gelten Medikamente mit dem Wirkstoff Simeticon (z.B. Elugan® Tropfen, Lefax®, Sab Simplex®). 3 - 5 x tägl. zwischen 0,2 und 0,4 ml vermischt mit der gleichen Menge Wasser werden direkt ins Mäulchen gegeben.

Schmerzmittel: Eine Verstopfung ist Schmerzhaft. Daher ist es immer sinnvoll, dem Tier ein Schmerzmittel zu verabreichen. Ein bis fünf Tropfen Metacam® 1,5 mg/ml (Suspension für Hunde) 2 x am Tag. Schlägt es nicht an, wird der Tierarzt evtl. Novalgin verabreichen.

Infusion: Es sollte unverzüglich auch eine Infusion gesetzt werden. Ringerlösung wird dabei direkt unter die Haut gespritzt. Die Infusion wirkt Kreislaufstabilisierend und ist unerlässlich.

Operation: Bei einer Magenüberladung durch aufgequollene Futterbestandteile im Bauch hilft oft nur noch eine Operation. Sollte sich die Überladung mit massiver Ölgabe auch innerhalb von 48 Stunden nicht lösen, muss der Einsatz einer Magensonde unter Narkose in Betracht gezogen werden.

Päppeln? Da der Darm eines Chinchillas bei der Verstopfung ohnehin schon überladen ist, raten wir dringend davon ab, dass Tier noch zusätzlich massiv zu päppeln. Erst wenn sich die Verstopfung gelöst hat und das Chinchilla vor Schmerzen und Stress noch zu erschöpft ist, um normale Nahrung aufzunehmen, kann ihm Päppelbrei zur freiwilligem Aufnahme vorgesetzt werden. Hält die Verstopfung allerdings länger einen Tag an und nimmt das Tier keinerlei Nahrung auf, ist es leider nötig, ein wenig Nahrung zuzuführen. Nie mehr als 5 ml pro Mahlzeit!

Abschließend:

Wenn sich die Verstopfung gelöst hat, kommen oft große, matschige Köttel. Seltener vorab auch sehr kleine, vertrocknete Köttel, die hinter der Verstopfung gesessen haben und nicht abgesetzt werden konnten, weil Chinchilla kaum Darmperistaltik haben und Kot nur abgesetzt werden kann, wenn Futter nachschiebt. Es kann nach der Verstopfung ein paar Tage zu großen, unförmigen Matschkötteln kommen, das ist nicht weiter bedenklich und völlig normal. Da die Tiere Öl bekommen haben, sind die Köttel auch häufig glänzend und Tropfenförmig.

Sobald das Tier wieder Kot absetzt, werden die meisten Medikamente auch abgesetz. Schmerzmittel sind meist nicht mehr nötig (es sei denn, dass Tier zeigt noch sehr deutlich Schmerzen), Öl wird ebenfalls nicht mehr verabreicht. Es kann aber noch einige Tage zu Aufgasungen kommen, daher ist es sinnvoll, täglich noch ca. 0,2 und 0,4 ml von dem Medikament gegen Blähungen zu geben.

Die Chinchilla müssen langsam wieder an ihre normale Ernährung heran geführt werden. Achten Sie darauf, dass die Tiere viel Heu und Trockenkräuter zu sich nehmen, damit eine langsame und gleichmäßige Darmpassage des Futters gewährleistet ist. Sind die Chinchillas Frischfutter gewöhnt, geben Sie mehrmals täglich kleine Portionen. Ein wenig Reibeapfel, geriebene Möhre oder Fenchel sind dann erlaubt. Es ist wichtig, dass Frischfutter auf viele Portionen aufzuteilen, damit die Tiere sich nicht überfressen und der Darm gleichmäßig belastet wird. Nach ca. einer Woche sollte alles vergessen sein und das Chinchilla kann wieder ganz normal gefüttert werden.

Darmaufbau?
Wenn der Kot sich nicht innerhalb weniger Tage normalisiert, sollte ein Aufbau der Darmflora vorgenommen werden. Dazu wird vom Tierarzt meist Bird Bene Bac® verabreicht, dieses Gel besteht aus gefriergetrockneten Bakterien, welche der Darmflora helfen sollen, sich wieder zur regulieren. Leider enthält Bird Bene Bac Zucker und von daher ist es fraglich, ob es wirklich so sinnvoll ist - denn Zucker schädigt den Darm.

Alternativ wird Omniflora N® gegeben. Diese Kapseln für Menschen sind in der Apotheke rezeptfrei zu bekommen. Der Inhalt der Kapseln wird in Wasser aufgelöst. Eine Kapsel auf 4 Tage verteilt.