Artemia Tagebuch reloaded...

... oder auch: 5 Jahre später

Auch 5 Jahre nach den ersten Misserfolgen lies mir die Sache mit den Krebsen eigentlich keine Ruhe. Warum in aller Welt konnte ich als 8jährige Artemien aufziehen und kriege es als 40jährige nicht mehr hin?

Als bei Zooplus dieses Set im Supersonderangebot war: Sera Artemia-Mix Lebendfutter , konnte ich nicht widerstehen und bestellte es mit. Aber es lag noch lange in der "Viechereienkiste" bevor ich es wagte. Durch intensives Recherchieren im Internet stellte ich fest, dass meine Artemia möglicherweise eingegangen waren, weil ihnen zu kalt war. Also wollte ich erst einmal einen Heizstab kaufen, bevor ich es wieder versuche..

Beim Kramen in der besagten "Viechereienkiste" fand ich vor einigen Wochen das Aufzuchtsset und da wir gerade eine Hitzewelle haben, ging ich davon aus, dass es wohl für die Artemien auch ohne Heizstab warm genug sein dürfte. Also setzte ich 1 l Wasser an, gab Salz und den Artemia Mix dazu, stellte es so auf die Fensterbank, dass es oben Sonne bekam und wartete ab.

Schon am nächsten Tag wuselten viele kleine Nauplien durch das Wasser, allerdings war mir gleich klar, dass viel zu viele Eier im Wasser sind, es war ja braun vor Eiern. Als ich dann nach drei Tagen schon keine einzige Nauplie mehr fand, wollte ich schon völlig frustriert den Ansatz weg kippen. Ich erzählte einer Freundin davon und diese wusste zu berichten, dass es wohl einfach das Beste ist, so ein Glas links liegen zu lassen, nicht mehr rein zu schauen und dann würde man irgendwann Krebschen darin finden... sie hätte es mal genauso gemacht. Auch sie hatte Artemia angesetzt, fand keine lebenden Tiere mehr vor und wollte das Glas auskippen, irgendwas kam dazwischen und sie stellte es in der Abstellkammer ab, wo es vergessen wurde. Als sie nach einigen Tagen/Wochen wieder ins Glas schaute, schwammen da große Artemien herum. Also beschloss ich, das Glas in der hintersten Ecke der Fensterbank zu vergessen - und vergaß es da.

Nach vielen Tagen, genau am 12.07.2010, fiel es mir beim Aufräumen in die Hände, das Wasser war zur Hälfte verdunstet, das Glas war verschmutzt, am Rand klebten massenhaft Eier/-schalen und es stank. Ich wollte es schon weg gießen, da schaute ich rein - und fand einen ausgewachsenen Krebs und viele kleine Nauplien und ein paar Halbwüchsige. Wie in aller Welt war das möglich?

Sie leben!
Nauplien

Unverzüglich richtete ich ein kleines Becken mit 1 l Salzwasser ein und schüttete das wuselnde Leben in das frische Becken. Die Artemia schwammen gleich munter umher. Ganz besonders der große Kerl, dem wir den Namen "Herbert" gaben. Herbert schwamm geradezu ausgelassen durch das Becken und schien hin und wieder sogar wilde Pirouetten zu drehen.

Herbert - unsere erste ausgewachsene Artemie
Artemie

Ich freute mich sehr über das Gewusel im Becken. Nun wollte ich sie füttern - blöder Fehler. Ich nahm wirklich nur eine kleine Messerspitze von dem Artemia Futter - aber das war schon zu viel. Das Wasser verfärbte sich grünlich und schon nach wenigen Stunden schwammen die Artemien und alle Nauplien oben am Rand, schienen regelrecht nach Luft zu schnappen und wenn Herbert versuchte durch das Becken zu schwimmen schien er sich richtig stark anzustrengen. Er war langsam und ich sah auch schon die ersten Toten im Becken schwimmen = volle Panik!

Ich habe dann ein sauberes Gefäß mit Wasser gefüllt, Artemiensalz dazu gegeben und mit einem Löffelchen habe ich alle Artemien umgesiedelt, das hat schon einiges an Zeit gekostet, aber ich bin mir fast sicher, dass ich nahezu alle gerettet habe. Dann habe ich das Wasser aus dem Becken vorsichtshalber in eine Vase gegeben, damit ich evtl. übersehene Artemien noch dort raus fischen kann und nach der Reinigung des Beckens kamen alle Artemien wieder in das Becken zurück. Sie blühten wieder auf, Herbert flog regelrecht durch das Wasser, die kleinen Brüder und Schwestern wirbelten wieder wild herum und die Nauplien teilten sich auch wieder mehr auf und hingen nicht mehr alle in der Ecke.

15.07.2010
Sie sind alle noch immer putzmunter - puhhhh. Allerdings: nach intensiver Recherche und vielen Bildvergleichen sind wir nun der Ansicht, dass unser Herbert ein Mädchen ist. Damit ist der Name ja schon recht unpassend. Damit sie sich aber nicht ganz umgewöhnen muss, nennen wir sie nun liebevoll "Herbie", was ja fast schon Weiblich klingt. Ich bin stolz auf mein tapferes Mädel ;)

18.07.2010
Heute Morgen waren 8 der halbwüchsigen Tod. Ich vermute, es wird ihnen zu kalt, denn die Hitzewelle ist vorbei und Nachts kühlt es bis auf 11 °C ab. Ich werde jetzt versuchen, das Becken Nachts an einen wärmeren Ort zu stellen - auf der Fensterbank wird es schnell kalt.

19.07.2010
Das Schließen des Fensters über Nacht scheint zu helfen, heute Morgen ist sind alle noch vorhandenen Krebse munter.
Herbie macht eine interessante Entwicklung durch. Sie war ja sehr rot, als ich sie "fand". Wie ich nun weiß, lag das an der sehr hohen Salzkonzentration in der Vase, in der sie ja wie durch ein Wunder überlebte, obwohl viel Wasser verdunstet war. Nun ist die rote Farbe einem Grau gewichen. Mittlerweile scheinen auch andere Artemien im Becken das Erwachsenenstadium zu erreichen, einige färben sich auch um und sehen fertiger aus.

Aktuelle Fotos:
Schwimm... schwimm... schwimm..
Artemie

Wer beobachtet hier wohl wen?
Artemie

Neue Becken
Wir haben am Wochenende ein neues Becken eingerichtet, es hat derzeit 3 l Wasser, der Boden ist mit mit speziellem Sand gefüllt und mit einem Stein versehen (ein großer Kiesel, der vorher gründlich geschrubbt und ausgekocht wurde), dazu gibt es eine Mooskugel - eigentlich ein Süßwassergewächs, aber in vielen Salzwasserforen wird behauptet, dass sie die Salzkonzentration im Becken überlebt und die Wasserqualität verbessert. Wir werden sehen. Wir haben die Krebse aber nicht umgesiedelt, das Becken soll sich einlaufen. Aber ein paar Eier habe ich hinein gegeben und heute wuseln schon sehr viele Nauplien herum.

Artemie

Heute kam auch endlich das ersehnte Paket vom Aureo an. Darin befand sich ein neues 3,5 l Becken, Futter, Sand, ein Thermometer und Salz. Ich habe das neue Becken gleich eingerichtet und bis zum Abend stehen lassen. Dann durften die Artemien aus dem kleinen Becken in das 3,5 l Becken ziehen. Bisher scheinen sie sich sehr wohl zu fühlen - na hoffentlich überleben sie das ständige Umziehen.

Artemie

20.07.2010
Das Becken sieht schön klar aus, es schwimmen auch viele Artemien drin. Es sieht leerer aus, was aber natürlich daran liegt, dass es so groß ist.

Artemie

Der Bereich rund um den Stein ist sehr beliebt.

Drei Halbwüchsige beim Stein
Artemie

Herbie, das Artemienmädchen beim "gründeln" im Sand
Artemie
Schade, dass ihre Eier unbefruchtet bleiben, aber von den Jungs ist noch keiner so weit..

23.07.2010
Bald sind alle Artemien im kleinen Becken ausgewachsen, aber Herbie ist gut doppelt so groß wie ihre Artgenossen. Im anderen neuen Becken sind nur noch wenige Nauplien, aber die Anzahl entspricht der "normalen" Menge nach einer Woche. Trotzdem bin ich echt besorgt, denn es ist derzeit kühler und die Wassertemperatur in den Becken liegt nur noch bei 20 °C, was für die Nauplien zu kühl ist.

Nun das Positive: ich konnte bei ebay ein 20 l Nanobecken inklusive Heizung und Licht ersteigern. Ich bin gerade dabei es einzurichten und werde es einige Tage einlaufen lassen.

Als alle Artemien ausgewachsen waren, ging das Tagebuch erst richtig los, wie es weiter geht, ist hier nachzulesen:

Artemia Tagebuch Teil 2

Für die schlechte Bildqualität muss ich mich entschuldigen, leider habe ich kein Makroobjektiv und ich kann mir derzeit auch keins leisten.